Lange Zeit wurde das starke Bevölkerungswachstum in der Welt als Problem angesehen. Anfang der 60er Jahre lag es zeitweise bei über 2%. Auch der Rückgang auf 1,5% Mitte der 90er Jahre wurde nicht als nachhaltig betrachtet. Ob 2% oder 1,5%, beides klingt nach wenig. Wie beim Zinseszins ist die Periode ausschlaggebend, die man betrachtet. Seit 1962 hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt. Bleibt es beim aktuellen Wachstum, dann hat sich die Bevölkerung bis 2065 noch einmal verdoppelt.

Seit Jahren gibt es Debatten darüber,wie viele Menschen die Welt verträgt, sprich, wie viele Menschen die Welt ernähren kann bzw. wie viele Menschen einen gewissen Lebensstandard haben können. Einige gehen soweit zu sagen, dass wir bereits jetzt das dreifache einer nachhaltigen Weltbevölkerung haben. Persönlich sehe ich das nicht so. Es ist aber alles eine Frage der Perspektive. Würde man alle Menschen von heute auf morgen auf den Lebensstandard der USA heben, dann bräuchte es viel mehr Ressourcen als zur Verfügung stehen. Es wird geschätzt, dass es fünf Erden bräuchte, um alle 7 Mrd. Menschen den US Standard bieten zu können. Wie wir wissen, ist der US Lebensstandard auch nicht das Maß aller Dinge. 20% der Bevölkerung leben in Armut.

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So gesehen ist es gut, dass sich das Bevölkerungswachstum weiter abschwächt. Einerseits kann die Welt dann längere Zeit ihren Wachstumskurs (im wirtschaftlichen Sinne) fortsetzen. Anderseits bringt die Verlangsamung große Probleme mit sich. Was das für Länder wie China bedeutet habe ich bereits beschrieben. Das Problem ist für die Welt als Ganzes kein anderes. Die Bevölkerungspyramide verändert sich stark. Grafik 2 zeigt das. Die Pyramide ist hier keine Pyramide, sondern zeigt die gleichen Daten in etwas anderer Form. Die horizontale Achse zeigt die Altersgruppen, die vertikale Achse zeigt die Anzahl an Personen in dieser Gruppe. Bis zum Jahr 2000 sind die Kurven alle recht ähnlich, sie haben sich lediglich nach oben verschoben. Es wurden mehr Kinder geboren. Damit haben sich alle Altersgruppen ein wenige nach oben verschoben. In der aktuellen Kurve (2010) zeigt sich ein neues Phänomen. Es befinden sich mehr Personen in der Altersgruppe von 20 bis 24 als in der Gruppe der 15 bis 19 Jährigen, der 10 bis 14 Jährigen oder der 5 bis 9 Jährigen.

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Im Moment ist der Anteil der arbeitsfähigen Bevölkerung damit am größten – weltweit. Das ist positiv, weil heute der Anteil der arbeitenden Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung am größten ist. Wer arbeitet, hat so viel Geld zur freien Verfügung wie noch nie, weil weniger Junge und Alte unterstützt werden müssen. Auf jede Person unter 20 und über 65 kommen 1,35 arbeitsfähige Personen. Theoretisch sollte damit der Wohlstand im Moment am größten sein. Die Rechnung berücksichtigt keine Arbeitslosigkeit. Das muss ich der Vollständigkeit halber anmerken.

Das Verhältnis von arbeitsfähiger zu nicht-arbeitsfähiger Bevölkerung wird durch die „Dependency Ratio“ ausgedrückt. Es zeigt das Abhängigkeitsverhältnis von nicht arbeitender von der arbeitenden Bevölkerung. Für die Welt liegt das Verhältnis derzeit bei ungefähr 74%. Auf 100 arbeitende Personen kommen 74 nicht arbeitende.

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Das ist der tiefste Stand, den die Welt je erlebt hat. Ab jetzt geht es nur noch bergab. Die Babyboomer gehen so langsam in Rente. Der Abhängigkeitsgrad steigt dadurch. Die Belastung der arbeitenden Bevölkerung wird mit höherem Abhängigkeitsgrad immer größer, weil immer weniger arbeitende Personen immer mehr Rentner unterstützen müssen. Das nimmt über die Jahre immer mehr des verfügbaren Einkommens.

Den genauen Verlauf kann niemand vorhersehen. In der wahrscheinlichsten Variante wird es 2050 pro Erwerbstätigen eine nicht erwerbstätige Person geben. Kommt es so, dann wird diese Entwicklung das jährliche Weltwirtschaftswachstum um 0,2 bis 0,5% senken. Die ganz große Boomphase scheint vorbei und auf die Folgen für die Sozialsysteme scheint eigentlich kein Land vorbereitet zu sein. Unter anderem sind viele Notenbank sehr besorgt über die niedrige Inflation. Inflation ist ein Nachfragephänomen und bei der demographischen Entwicklung, die wir weltweit sehen, muss man eigentlich von einer strukturell bedingten niedrigen Inflationsrate auf Jahre hinaus ausgehen.