Kapstadt (Godmode-Trader.de) - Das Weltwirtschaftsforums (WEF) für Afrika in diesem Monat hat nach Ansicht von Bloomberg-Analystin Rene Vollgraaff die Chance verspielt, einige grundlegende Hindernisse für die größte Freihandelszone der Welt aus dem Weg zu räumen, wie z.B. Grenzverzögerungen und marode Verkehrsverbindungen. Stattdessen hätten Angriffe von Südafrikanern auf Ausländer in den Wochen vor dem Ereignis in Kapstadt die Zusicherung von Präsident Cyril Ramaphosa untergraben, dass die am höchsten industrialisierte Wirtschaft in der Region offen und sicher für Unternehmen ist. Als fortschrittlichste Wirtschaft in einer sich noch entwickelnden Nachbarschaft sollte sein Land am meisten von einem afrikanischen kontinentalen Freihandelsabkommen profitieren, kommentierte die Bloomberg-Expertin.

WERBUNG

Das Treffen war von den Protesten in einigen afrikanischen Staaten gegen gewalttätige Übergriffe und Plünderungen in Südafrika, die sich überwiegend gegen Ladenbesitzer und Lastwagenfahrer aus anderen afrikanischen Staaten richteten, überschattet. In Nigeria etwa wurde Südafrikas Botschaft vorübergehend geschlossen. Die Vereinten Nationen haben die Welle der fremdenfeindlichen Angriffe in Südafrika verurteilt, bei denen mindestens sieben Menschen ums Leben kamen und zahlreiche Unternehmen geplündert wurden. Die nigerianische Geschäftsfrau und ehemalige Vizepräsidentin der Weltbank, Oby Ezekwesili, sagte, die Angriffe in Südafrika könnten das Freihandelsabkommen bedrohen, weil eine solche Übereinkunft ein Umfeld des Vertrauens und des Respekts zwischen den Nationen erfordere.

Freihandel setze auch die Freizügigkeit bei interkontinentalen Reisen oder die Niederlassungsfreiheit voraus, ergänzt der südafrikanische Finanzminister Tito Mboweni auf dem WEF: „Als Afrikaner sollte ich mich überall in Afrika niederlassen können; diese künstlichen Grenzen müssen wirklich ein Ding der Vergangenheit sein", sagte Mboweni. Wenn ein Nigerianer in Johannesburg wohnen wolle, müsse er das können.
Während sich die größten entwickelten Volkswirtschaften gegenseitig mit Zöllen und anderen Barrieren für den internationalen Handel bedrohen, treibt Afrika den regionalen Freihandelsabkommen voran.

Ein wichtiger Schritt zu einem freien Handel auf dem zweitgrößten Kontinent ist ein länderübergreifendes Zahlungssystem. Eine Arbeitsgruppe der Association of African Central Banks untersucht nun Möglichkeiten, die Technologie hinter dem von der südafrikanischen Notenbank betriebenen Real Time Gross Settlement System der Southern African Development Community mit Zahlungssystemen in Ost- und Westafrika zu verbinden. Die Verknüpfung dieser Systeme könnte dazu beitragen, das Freihandelsabkommen zu stärken, sagte die Gouverneurin der südafrikanischen Notenbank, Lesetja Kganyago, bei dem WEF-Treffen. Außerdem werde es den intra-regionalen Zahlungsverkehr erleichtern und einen Teil der Kosten beseitigen, die mit der Abwicklung solcher Zahlungen über US-amerikanische und europäische Banken verbunden sind. Anstatt auf ein großes kontinentales Zahlungssystem zu warten, müssen die bestehenden Zahlungssysteme miteinander verbunden werden, so Kganyago. Die 28. WEF-Tagung mit rund 1.100 Teilnehmern in Kapstadt endete am 06. September.