Frankfurt (GodmodeTrader.de) - Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO hatte im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zunächst vor einer starken Verteuerung von Nahrungsmitteln gewarnt, wenn es zu anhaltenden Logistikproblemen und einem Erstarken des Protektionismus käme. Nun äußert sie sich deutlich zuversichtlicher, wie Commerzbank-Analystin Michaela Helbing-Kuhl im „TagesInfo Rohstoffe“ schreibt.

So sei im März der Index der Nahrungsmittelpreise so stark wie seit Jahren nicht gefallen, trotz der vielen berichteten Panikkäufe. Der Rückgang um 4,3 Prozent gegenüber Februar gehe auf stark sinkende Preise insbesondere für auch industriell verwendete Güter wie Zucker und Mais zurück. So sehe denn die FAO auch weniger angebotsseitige als vielmehr nachfrageseitige Faktoren am Werk, die weitgehend auf der Aussicht auf eine längere weltwirtschaftliche Schwächephase gründeten, heißt es weiter.

„Prominentes Beispiel ist der Maispreis in Chicago. Er notiert bei rund 330 US-Cent je Scheffel auf dem niedrigsten Niveau seit über dreieinhalb Jahren, zu dieser Jahreszeit war er zuletzt 2006 so niedrig. Gründe sind der im März stark gesunkene Ölpreis, der Ethanol mit nach unten zieht, und die Aussicht auf eine hohe US-Ernte. Denn die US-Landwirte planen nach Angaben des USDA eine Ausweitung der Maisfläche auf den höchsten Stand seit acht Jahren“, so Helbing-Kuhl.

Die Reispreise dagegen seien laut FAO den dritten Monat in Folge gestiegen. An der Börse in Chicago notiere Reis auf dem höchsten Niveau seit 2014. Beschränkungen der Exporttätigkeiten in einer Vielzahl von Ländern wie Vietnam oder Kambodscha hätten die Nachfrage nach Ware aus den beiden größten Exportstaaten Indien und Thailand beschleunigt, heißt es weiter.

„Indien ist nun dazu übergegangen, keine weiteren Aufträge mehr anzunehmen, aus Sorge, diese angesichts der eigenen Probleme durch Arbeitskräfteausfall nicht erfüllen zu können. Das Land befindet sich in der Mitte eines dreiwöchigen Lockdowns, der erst nach und nach gelockert werden soll. Erst wenn die Arbeitskräfte zurückkehren (können), dürfte sich die Lage entspannen. Denn Indien hat hohe Bestände an Reis und ist normalerweise preislich sehr wettbewerbsfähig. Derzeit liefert vor allem noch Thailand, dessen inländische Reispreise inzwischen auf ein Siebenjahreshoch gestiegen sind“, so Helbing-Kuhl.