Frankfurt (GodmodeTrader.de) - Laut der jüngsten Schätzung der EU-Kommission wird aus der erhofften Erholung der Rapsernte in der EU-27 nichts werden. Auf einer ähnlich großen Fläche soll nun auch nur ähnlich viel Raps wie letztes Jahr geerntet werden. Oder anders ausgedrückt: Ähnlich wenig, denn die Fläche liegt wieder zehn Prozent unter dem Fünfjahresmittel und die Produktion bei einer nur marginalen Verbesserung gegenüber Vorjahr bei 16,45 Millionen Tonnen noch immer gut sechs Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt, wie Commerzbank-Analystin Michaela Helbing-Kuhl in der aktuellen Ausgabe von „TagesInfo Rohstoffe“ schreibt.

Im April hätten in Frankreich Frostschäden für Ernüchterung gesorgt, nachdem bereits wegen der Trockenheit und einer skeptischen Einstellung nach den problematischen Vorjahren nach Angaben des französischen Agrarministeriums die Fläche um elf Prozent reduziert worden sei. Bessere Bedingungen etwa in Deutschland und Polen machten das nur begrenzt wett. Weitere Regenfälle und höhere Temperaturen nach dem kalten April seien auch dort notwendig, heißt es weiter.

„Der Deutsche Raiffeisenverband hatte im April bestätigt, dass die Entwicklung der Pflanzen um bis zu zehn Tage hinter dem langjährigen Mittel zurückliegt, gegenüber 2020 sogar zwei bis drei Wochen, nannte die Witterung aber bisher grundsätzlich positiv. Dennoch soll die Ernte nur leicht zulegen und weit unter dem Durchschnitt der Jahre 2014-19 bleiben“, so Helbing-Kuhl.

Die inzwischen sehr niedrigen Lagerbestände dürften nach Einschätzung der EU-Kommission in der EU-27 jedenfalls nicht nennenswert aufgestockt werden können. Für die Produktion etwas zuversichtlicher hätten sich die Analysten von Strategie Grains gezeigt. Sie hätten gestern ihre Prognose für die EU-Rapsernte unverändert bei rund 16,8 Millionen Tonnen belassen, auch dies wäre allerdings nur ein Plus von zwei Prozent gegenüber dem schwachen 2020/21. Die EU-Bestände sollten weiter sinken, heißt es weiter.

„Auch für den globalen Rapsmarkt prognostizieren sie 2021/22 nochmals ein Defizit – was in einem Umfeld weiterhin sehr angespannter Pflanzenölmärkte für anhaltend hohe Rapspreise spricht. Diese schlagen derzeit alle Rekorde: unmittelbar vor seinem Auslaufen letzte Woche sprang der Preis im Mai-Kontrakt bis auf 700 Euro je Tonne, ging aber bei 600 Euro aus dem Handel. Im nun nächstfälligen und meistgehandelten Kontrakt (August) stieg Raps im gestrigen Tagesverlauf auf ein Kontrakthoch von 517 Euro und rückte damit wieder an das im März gesehene Allzeithoch für meistgehandelte Kontrakte von 529 Euro je Tonne heran“, so Helbing-Kuhl.