Frankfurt (GodmodeTrader.de) - Im April und Mai unterlagen die Aktivitäten in den meisten Ländern den strengsten Beschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Diese werden nun in vielen Regionen graduell gelockert. Die Welthandelsorganisation WTO ist daher zuversichtlich, dass der Welthandel im zweiten Quartal seinen Tiefpunkt erreicht hat, wie Commerzbank-Analystin Michaela Helbing-Kuhl im „TagesInfo Rohstoffe“ schreibt.

Die WTO schätze das Minus gegenüber dem Vorjahresquartal auf 18,5 Prozent. Damit würden Wachstumsraten des Handels von 2,5 Prozent in den beiden nächsten Quartalen ausreichen, um für das Gesamtjahr 2020 das im April von der WTO durchgespielte optimistische Szenario von minus 13 Prozent zu erreichen (im pessimistischen Szenario prognostiziere die WTO ein Minus von 32 Prozent). Im ersten Quartal sei die Handelstätigkeit im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent gesunken, heißt es weiter.

„Der Erholungspfad ist aber noch unklar und die WTO warnt – wie unsere Volkswirte – davor, sich auf eine rasche V-förmige Erholung zu verlassen. Dies ist auch für den Agrarsektor der EU von hoher Bedeutung, denn laut Eurostat machten Agrarprodukte 2019 immerhin acht Prozent des gesamten EU-27-Warenhandels (ohne Intra-Handel) aus“, so Helbing-Kuhl.

Eine entscheidende Rolle spiele dabei, wo welche fiskalischen, monetären und handelspolitischen Maßnahmen aufgesetzt würden und wie diese wirkten. Dabei gehe die WTO davon aus, dass der Handel etwas weniger stark auf Änderungen in der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit reagiere als in anderen Krisen, da sich ein Großteil der besonders starken Einbrüche auf nicht-handelbare Dienstleistungen wie etwa das Gastgewerbe konzentriere, heißt es weiter.

„Dagegen waren andere Sektoren, insbesondere Elektronik, deutlich weniger betroffen. Hinzu kommt die Möglichkeit eines erneuten Aufflammens der Pandemie, was Prognosen ebenfalls erschwert. Apropos Aufflammen: Auch die ‚alten‘ Gefahren wie der US-chinesische Handelsstreit sind nicht ausgestanden. Daran erinnerte Anfang der Woche die – wenn auch von schnellem Dementi gefolgte – Aussage des US-Handelsberaters Navarro, wonach der US-chinesische Handelsdeal vorbei (‚over‘) sei“, so Helbing-Kuhl.