Immer mehr Anzeichen deuten darauf hin, dass wir uns am Ende des Aufschwungs befinden. Medial wird vor allem die Zinskurve diskutiert, die zwar noch nicht negativ ist, aber auf eine Inversion zusteuert. Historisch war das ein klares Signal für eine Rezession.

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Die Zinskurve ist aber bei weitem nicht das einzige Signal, welches man ausmachen kann und den Aufschwung in Frage stellt. Die aktuelle Lage wird von vielen als gut eingeschätzt. Das stimmt mit den Wachstumszahlen des letzten Quartals überein. Der Ausblick ist allerdings weniger rosig.

Ich hatte bereits darüber berichtet, dass Unternehmen den Daumen gesenkt haben. Die Erwartungen gehen zurück. Betrachtet man des Spread aus Erwartungen und der aktuellen Lage, ergibt sich ein ernüchterndes Bild. Das gleiche geschieht, wenn man diese Logik bei Konsumenten anwendet.

Grafik 1 zeigt, was geschieht, wenn man die Werte für die Einschätzung der aktuellen Lage von den Erwartungen abzieht. Ein negativer Wert bedeutet, dass die Lage besser ist als der Ausblick. Das ist relativ häufig der Fall. Die Zukunft ist immerhin unsicher und diese Unsicherheit führt zu einer etwas negativeren Wahrnehmung.


Während einer Rezession verhält es sich umgekehrt. Dann ist die Lage ohne Zweifel schlecht und es kann nur besser werden. Entsprechend schnellt der Saldo aus den Komponenten in den positiven Bereich. Im Aufschwung erodiert der Saldo und hält sich während des Aufschwungs im negativen Bereich.

Die Systematik ist ähnlich wie bei der Zinskurve, die Rezession zuverlässig vorhersagt (Grafik 1). Der große Unterschied ist, dass die Erwartungen der Zinskurve vorauseilen. Zinskurve und Erwartungen verlaufen lange Zeit parallel. Bevor die Zinskurve invertiert, was als Signal gilt für eine Rezession gilt, beginnt die Erwartung zu steigen.

Die Zinskurve invertiert also, wenn der Saldo aus Erwartung und Lage bereits wieder steigt. Man kann die Inversion der Zinskurve also mit etwas Vorlaufzeit gut erahnen. Derzeit ist der Saldo der Verbrauchererwartungen auf niedrigem Niveau stabil. Es gibt daher noch keine akute Gefahr.

Die Einschätzung der aktuellen Lage oszilliert nun bereits seit einigen Monaten auf hohem Niveau und kommt nicht mehr vom Fleck. Die mittelfristigen Erwartungen haben sich bereits von ihren Hochs entfernt. Der Trend deutet daraufhin, dass wir in den nächsten 12 Monaten ein Signal erhalten werden.

Derzeit bestätigt das den allgemeinen Konsens. Dieser geht dahin, dass wir 2018 noch solides Wachstum sehen werden. 2019 wird es sich deutlich abschwächen. Eine Rezession kann Ende 2019 oder Anfang 2020 beginnen.

Diese Aussicht ist für Anleger sehr relevant. Ende 2019 erscheint noch weit entfernt zu sein. Man darf aber nicht vergessen, dass die Börse die Zukunft diskontiert. Wann diese Diskontierung beginnt, kann man nicht genau vorhersagen. Oft ist die Börse eine Zeit lang ignorant. Setzt sich die Erkenntnis jedoch durch, kann es schnell gehen.

Der Bullenmarkt hat noch etwas Benzin im Tank. Bei hohen Bewertungen darf man aber auch nicht nochmals eine Rallye von 30 % erwarten. Viel zu holen ist einfach nicht mehr.