London (GodmodeTrader.de) - Seit die Notenbanken weniger billiges Geld in die Märkte pumpen und die Phase extremer Niedrigzinsen zu Ende geht, stellen preissensitive Momentum-Anleger plötzlich fest, dass ihnen der Boden unter den Füßen fehlt, wie Ben Leyland, Senior Fund Manager JOHCM Global Opportunities Fund, in einem aktuellen Ausblick auf 2019 schreibt.

Hinzu komme, dass zurzeit ein ganzes Bündel von Problemen die Börsen belaste: In Italien drohe eine Haushaltskrise samt Konflikt mit der EU, in den USA sei die öffentliche Verwaltung aus haushaltstechnischen Gründen zum Erliegen gekommen, der Brexit und alles, was damit zusammenhänge, sorge für Kopfschütteln und Verzweiflung, und der schädliche Handelskrieg zwischen den USA und China, angefacht von einem höchst unberechenbaren US-Präsidenten, drohe sich zu verschärfen. Vor diesem Hintergrund weiche die bisherige Sorglosigkeit an den Finanzmärkten dem Gefühl, dass doch Risiken vorhanden seien, und die Volatilität nehme entsprechend zu, heißt es weiter.

„Die Bewertungen an den Aktienmärkten bereiten uns schon seit Jahren Sorge. Deshalb haben wir es auch vorgezogen, unser Pulver trocken zu halten und einen hohen Kassenanteil in Kauf zu nehmen. Auf einem von der Realität abgekoppelten Bewertungsniveau zu investieren, würde aus unserer Sicht die Gefahr von Kapitalvernichtung bedeuten. Im volatilen Oktober haben wir bei einigen Titeln zugegriffen, und unsere Liquidität ist dadurch leicht gesunken. Alles in allem glauben wir aber nicht, dass durch die Verkaufswelle bereits eine klare Einstiegsgelegenheit entstanden ist“, so Leyland.

Besonders groß seien die Kursverluste in konjunkturempfindlicheren Bereichen (Industrie, Rohstoffe, Technologie), und da die Bewertungen der meisten Titel, die man dort beobachte, auf stark erhöhtem Niveau lägen, seien sie auch jetzt noch nicht sonderlich attraktiv. Zur Verdeutlichung: Der MSCI AC World Industrials Index habe Ende Oktober ca. 34 Prozent über dem Tiefstand von Anfang 2016 notiert. Selbst wenn man die USA herausnehme, um die Auswirkungen der Steuersenkungen auf die Gewinnprognosen auszuklammern, habe der Zuwachs noch ca. 29 Prozent betragen, heißt es weiter.

„Wir wagen keine Vorhersagen für den Makrozyklus, sehen aber für den Fall einer Rezession noch beträchtliches Verlustpotenzial. Es wäre jedenfalls eine Illusion zu glauben, dass es an den Börsen immer nur aufwärts gehen kann“, so Leyland.