Ist die Rally an den Aktienmärkten schon zu weit gelaufen, um jetzt noch einzusteigen? Norwegens milliardenschwerer Staatsfonds ist jedenfalls dieser Meinung. Der Fonds verwaltet die Gewinne aus der Ölförderung in Norwegen. Ein großer Teil des Vermögens wird grundsätzlich in Aktien angelegt, doch neue Aktien kauft der Fonds erstmal nicht mehr.

"Unsere Aktienquote ist zuletzt stabil geblieben oder hat sich verringert, obwohl die Märkte gestiegen sind. Das bedeutet in der Praxis, dass wir neue Mittelzuflüsse nicht mehr für Aktienkäufe verwenden", sagte Yngve Slyngstad, CEO von Norges Bank Investment Management laut Bloomberg. Neue Zuflüsse sollten entweder als liquide Mittel gehalten oder in Anleihen investiert werden, so Slyngstad. Grund: Man bereite sich auf eine "Korrektur" an den Aktienmärkten vor. Ende September hielt der Fonds 63,6% seines Vermögens in Aktien. Das lag allerdings noch etwas höher als zum Ende des zweiten Quartals (63,4%).

Der "Government Pension Fund" ist der größte Staatsfonds der Welt und hat ein Anlagevermögen von rund 810 Milliarden Dollar. Er wird von Norges Bank Investment Management, einer separaten Einheit der norwegischen Zentralbank (Norges Bank), verwaltet. Die Anlagestrategie wird vom norwegischen Finanzministerium festgelegt. Regelmäßig fließen Erträge aus der Ölförderung in den Fonds. Damit will Norwegen für die Zeit nach dem Ende der Ölförderung vorsorgen. Das Fondsvermögen ist inzwischen so groß, dass auf jeden der rund fünf Millionen Norweger, egal welchen Alters, ein rechnerischer Anteil von 160.000 Dollar entfällt!

Im dritten Quartal stieg das Vermögen des Fonds um 5%. Verantwortlich war insbesondere ein Gewinn von 7,6% bei den Aktienanlagen. Die Anleiheinvestments des Fonds warfen 0,3% ab, die Immobilieninvestments 4,1%.

Oliver Baron