Gastbeitrag von Stephan Heibel, Experte auf Guidants

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    Die Stimmung unter den Anlegern ist entsprechend von den Extremwerten der Vorwochen zurückgekommen: Mit -5,4 ist die Depression nicht mehr so dramatisch wie in den drei Vorwochen (-7,0 bis -8,3). Auch die Verunsicherung geht nach Extremwerten von -12,3 zurück, aktuell auf -5,8.

    Historisch gesehen sind das noch immer Extremwerte, doch im Vergleich zum Chaos der drei vergangenen Wochen nimmt das Extrem ab.

    Auf der anderen Seite halten Anleger an ihrem Zukunftsoptimismus fest (+3,0). Zuletzt war im Herbst 2018 ein ähnlich starker Optimismus zu verzeichnen, es folgte der Ausverkauf zum Jahresende, der schließlich im Chaos-Dezember 2018 gipfelte.

    Auch die Investitionsbereitschaft steigt weiter an: Nie zuvor wurde ein Wert von 5,8 erreicht. Anleger sind erpicht darauf, die (vermeintlich?) günstigen Kurse zum Kauf zu nutzen.

    Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt dementsprechend auch schon wieder eine recht starke Long-Positionierung an. Die Profis, die sich über die Eurex absichern, halten sich hingegen zurück. Das Put/Call-Verhältnis ist derzeit neutral.

    In den USA ist man da nicht so optimistisch, das Put/Call-Verhältnis der CBOE ist kräftig angesprungen und zeigt das gestiegene Bedürfnis der Anleger nach Put-Absicherungen an.

    Die Investitionsquote der US-Fondsmanager ist vom historischen Tief der Vorwoche bei 16 % in dieser Woche noch weiter auf nur noch 11 % abgesunken.

    Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit einem Wert von -17 einen starken Bärenüberhang auf.

    Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 ist mit einem Wert von 8 weiterhin im Bereich der extremen Angst. der S&P Short Range Oscillator hat im Wochenverlauf einen Wert von -25 erreicht. Damit wurde der bisherige Negativ-Rekord aus dem Jahr 1987 (Oktobercrash durch automatische Stopp Loss Orders) unterschritten.

    Interpretation

    Geschichte wird genau dann geschrieben, wenn nie zuvor erlebte Dinge geschehen. Dazu zählen derzeit auch die Sentiment-Werte, die schon seit Wochen Extremwerte anzeigen. Lässt sich daraus nun ableiten, dass heute eine Gegenbewegung an den Börsen starten muss? Leider nein.

    Doch die Wahrscheinlichkeit ist aus technischer Sicht sehr groß, dass wir nach dem brutalen Ausverkauf der vergangenen Wochen nun eine Gegenbewegung erleben werden. Und an den Aktienmärkten handeln wir häufig Wahrscheinlichkeiten, andernfalls wären wir Hellseher.

    Auch unser 5-Wochendurchschnitt des Sentiments, der uns seit 2006 verlässliche Signale liefert, hat nun einen Extrempunkt erreicht.

    Wir sollten daraus ableiten, dass es zum Verkaufen nun allemal zu spät ist. Zumindest eine Gegenbewegung sollten wir abwarten, um uns von unliebsamen Titeln im Portfolio zu verabschieden. Vielleicht hat die Gegenbewegung ja schon begonnen.

    Die Coronakrise wird uns noch eine Weile beschäftigen. Noch haben wir nicht einmal die gesundheitlichen Aspekte im Griff, anschließend müssen wir uns um die wirtschaftlichen Folgen kümmern. Ich fürchte, dass wir keine schnelle Erholung an den Börsen erleben werden, daher würde ich auf diesem Niveau noch nicht alles auf eine Karte setzen, sondern lediglich langfristig solide Unternehmen kaufen. Sie sollten aber noch ausreichend Cash in Reserve halten, um im Falle einer weiteren Ausverkaufswelle handlungsfähig zu bleiben.