• Gold - Kürzel: XAU/USD - ISIN: XC0009655157
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 1.495,750 $/oz.
  • WTI Öl - Kürzel: WTI - ISIN: XC0007924514
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 54,255 $/bbl.
  • S&P 500 - Kürzel: S500 - ISIN: US78378X1072
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 2.918,65 Pkt
  • DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 11.693,80 Pkt
  • Euro-Bund Future - Kürzel: FGBL - ISIN: DE0009652644
    Börse: Commerzbank CFD / Kursstand: 177,17 %

Gastbeitrag von Stephan Heibel, Experte auf Guidants

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"Das war's", titelte ich vor einer Woche, und folgerte daraus, dass die meisten Anleger wohl zu früh auf eine Gegenreaktion an den Aktienmärkten gesetzt hatten. Und so setzte sich der Ausverkauf in dieser Woche fort. Ich bin gespannt, ob inzwischen Panik zu erkennen ist, denn Panik ist ein guter Hinweis darauf, das wir dem Boden des Ausverkaufs nah sind.

Ich muss Sie aber leider enttäuschen: Nur noch 53 % (-2 %) der Anleger gehen davon aus, dass wir im DAX derzeit einen Abwärtsimpuls sehen, weitere 11 % (+3 %) gehen von einer Bodenbildung aus. Inzwischen 28 % (-1 %) betrachten die aktuelle Entwicklung als Seitwärtsbewegung und schon wieder 5 % (+3) gehen von steigenden Kursen aus. Panik sieht anders aus. Im Gegenteil, die Stimmung hat sich trotz des anhaltenden Kursverlusts des DAX ein wenig aufgehellt (+0,5 auf -4,8).

Es scheint, Anleger haben sich ziemlich schnell mit den fallenden Kursen arrangiert, denn nur noch 20 % (-10 %) wurden von der Entwicklung dieser Woche auf dem falschen Fuß erwischt, weitere 38 % (+7 %) fühlen ihre Erwartungen von vor einer Woche kaum erfüllt. Auf der anderen Seite geben 33 % (+5 %) an, diese Entwicklung so zum größten Teil erwartet zu haben, weitere 8 % (-2 %) wollen sogar darauf spekuliert haben. Auch die starke Verunsicherung der Vorwoche ist diese Woche ein wenig zurückgegangen.

Die Zukunftserwartung könnte neutraler kaum sein: unverändert 24 % gehen für den DAX in drei Monaten von steigenden Kursen aus, 26 % (+2 %) erwarten fallende Kurse. Mit 35 % (-2 %) gehen die meisten von einer Seitwärtsbewegung aus. Optimisten und Pessimisten halten sich fast die Waage.

Zum Verkaufen ist es nun zu spät, entsprechend geben nur noch 16 % (-1 %) unserer Umfrageteilnehmern an, in den kommenden zwei Wochen Ihre Positionen verkleinern zu wollen. Hingegen wollen 20 % (-1 %) Aktien zukaufen. Mit 64 % (+2 %) wissen die meisten derzeit jedoch noch nicht, wie sie sich verhalten werden.

Der 5-Wochendurchschnitt, den wir als ziemlich verlässlichen Indikator für Umkehrpunkte am Markt kennengelernt haben, ist noch weit entfernt von Extremwerten. Der Ausverkauf kann, so fürchte ich, noch ein wenig weiter gehen, auch wenn zwischenzeitlich eine Gegenbewegung jederzeit möglich ist.

Das Euwax-Sentiment der Privatanleger zeigt mit einem Wert von +8 weiterhin eine sehr hohe Risikofreude an: Der Großteil der Käufe geht in Spekulationen auf steigende Kurse. Die Profis, die sich über die Eurex absichern, haben nach dem Ausverkauf nun ihre Put-Absicherungen zurückgefahren.

In den USA hat der Ausverkauf noch nicht so stark zugeschlagen, aber Anleger auf der anderen Seite vom Teich nutzen die noch hohen Kurse, um ihre Put-Absicherungen hochzufahren. Dadurch sinkt in den USA das Rückschlagsrisiko.

Fondsmanager haben ihre Investitionsquote auf 57 % (-35 %) reduziert. Jetzt wissen wir, wer da unkontrolliert Aktien auf den Markt geschmissen hat.

Das hat Spuren bei den US-Privatanlegern hinterlassen, die Bullenquote ist auf -26 % gesunken und zeigt damit den größten Pessimismus unter US-Privatanlegern seit Anfang 2016, also seit dreieinhalb Jahren.

Der technische Angst und Gier Indikator des S&P 500 ist auf 24 % gesunken und zeigt damit extreme Angst an, ebenfalls ein Zeichen für ein zumindest zwischenzeitliches Ende des Ausverkaufs.

Der S&P Short Range Oscillator ist auf -4 gefallen und deutet ebenfalls auf eine zwischenzeitliche Gegenbewegung nach dem heftigen Ausverkauf der vergangenen zwei Wochen.

Interpretation

Während wir hier in Deutschland also schon Hoffnung erkennen können, zeigt sich in den USA Panik. Das spiegelt die Kursentwicklung gar nicht wider, denn Panik hätte hier aufkommen sollen, nachdem der DAX um 1,5 % eingebrochen ist. Stattdessen sorgt der Dow Jones mit einem leichten Minus in den USA für Panik sowohl unter Fondsmanagern, die ihre Investitionsquote in Rekordgeschwindigkeit reduzierten, als auch unter US-Privatanlegern, die eine extreme Bärenquote ausweisen.

Damit bleibt der US-Aktienmarkt auch aus technischer Sicht besser unterstützt als der DAX. Handelsstreit mit China versus italienisches Chaos, vermeintlich zu hohes US-Zinsniveau versus Brexit, ... Sie können sich selber entscheiden, welche Rahmenbedingungen Ihnen mehr Angst einjagen. Als Anleger sollten Sie jedoch die Nerven behalten: Weder Panikverkäufe, noch alles auf eine Karte zu setzen, führt zum Anlageerfolg.

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S&P 500
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DAX

So gibt es schon eine Reihe von ausgebombten Aktien, die meines Erachtens interessant sind. Auf der anderen Seite gibt es noch immer Aktien, deren Kursniveau hoch genug für Gewinnmitnahmen ist. Ich gehe davon aus, dass Anleger in den kommenden Tagen die Branchenstruktur ihrer Portfolios überarbeiten werden.


Er lässt das Sentiment immer in seine Analysen einfließen: Rocco Gräfe im KnockOut Trader OSZ und KnockOut Trader GOST


Extremwerte in unserer Stimmungsumfrage messen wir bei Anleihen (Umlaufrendite) und den Rohstoffen Gold und Öl. Insbesondere am Anleihemarkt ist die Stimmung seit vielen Wochen extrem gut, der Bund Future quittiert den rutsch des Zinsniveaus ins Negative mit Werten, die man bis vor kurzem noch nicht für möglich gehalten hatte. Doch die Selbstzufriedenheit ist in diesem Marktbereich gering, Anleger haben zu früh Gewinne mitgenommen.

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Euro-Bund Future

Man könnte meinen, mit dem Sprung des Bund Futures über 175 Punkte sind die Dämme gebrochen und nun möchten auch die letzten Anleger noch in diesen „Bullenmarkt“ einsteigen. Hier ist Vorsicht geraten.

Genau wie in den Anleihemarkt fließt auch viel Kapital in den Goldmarkt, auch Goldinvestoren befinden sich in Feierlaune, geben dem Goldpreis aber nicht mehr viel Potential nach oben. Die Erwartung bricht ein. Dies deutet kurzfristig auf ein zwischenzeitliches Ende der Rally und eine Verschnaufpause.

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Gold

Beim Ölpreis, der als Konjunkturindikator gesehen werden kann, sieht es genau umgekehrt aus: Die Stimmung der Anleger ist schlecht, man hofft aber auf steigende Ölpreise in den kommenden Wochen.

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WTI Öl

Insgesamt sieht es für mich so aus, dass der Ausverkauf am Aktienmarkt schon bald enden könnte: Anleger haben sich Alternativen zum Aktienmarkt gesucht und insbesondere in den USA, der Weltleitbörse, ist die Stimmung schon schlecht genug, um ein baldiges Ende des Ausverkaufs herbei zu führen. Im Ölmarkt ist Hoffnung zu erkennen, dass die Konjunktur nun doch nicht so stark einbrechen wird, wie zwischenzeitlich befürchtet ... und sei es durch ein beherztes Eingreifen der Notenbanken.

Wenn jedoch die Notenbanken für eine Rally an den Aktienmärkten sorgen, dann dürften andere Branchen profitieren als in den vergangenen Monaten: Dividendentitel wie Versorger und Telekoms, nationale Anbieter von Verbrauchsartikeln (packaged goods) und nicht-zyklische Branchen wie der Immobilienbereich.

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