Gastbeitrag von Stephan Heibel, Experte auf Guidants

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    Das kann nur gesund sein, denn zuvor waren die Stimmungsindizes bereits auf ziemlich hohem Niveau, ich sprach von Euphorie. Schauen wir mal, wie sich das Sentiment entwickelt hat.

    Tatsächlich ist die Stimmung leicht zurückgegangen, wie vor dem Hintergrund der Verschnaufpause nicht anders zu erwarten war. Weiterhin notiert das Sentiment mit einem Wert von 4,4 auf extrem hohen Niveau, ich würde weiterhin von Euphorie sprechen.

    Auch die Selbstzufriedenheit spiegelt die gute Stimmung wider, mit einem Wert von 2,8 wird sogar die größte Selbstzufriedenheit seit vergangenem Frühjahr ausgewiesen. Das kann nur bedeuten, dass sich viele Anleger die Verschnaufpause gewünscht hatten, um ihre Positionen nochmals aufzustocken.

    Denn für die kommenden drei Monate schöpfen unsere Umfrageteilnehmer Zuversicht: Steigende Kurse werden mehrheitlich erwartet. Ungeachtet der fulminanten Rallye im vergangenen Jahr steigt die Erwartung an eine Fortsetzung der Rallye an. Aber viele haben sich, wie oben gezeigt, bereits positioniert, denn die Zahl derer, die jetzt nachkaufen wollen, nimmt leicht ab.

    Das Euwax-Sentiment zeigt eine neutrale Positionierung der Privatanleger. Institutionelle Anleger hingegen sind weiterhin überwiegend long positioniert, das Put/Call-Verhältnis zeigt einen starken Überhang an Call-Optionen bei den Transaktionen an.

    In den USA sieht es da ganz ähnlich aus, das Put/Call-Verhältnis der CBOE zeigt ebenfalls einen Call-Überhang. Mit einer Investitionsquote von 89 % sind Fondsmanager weiterhin recht hoch investiert. Privatanleger in den USA haben eine Bullenquote von 14 %, sind also ebenfalls überwiegend bullisch gestimmt.

    Der Angst und Gier Indikator des S&P 500 zeigt mit 89 % nunmehr seit vier Wochen extreme Gier an, ein Warnsignal! Auch der Short Range Oszillator des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 4,0 eine überkaufte Marktsituation an, zumindest kurzfristig dürfte es bald eine Verschnaufpause oder leichte Korrektur geben.

    Interpretation

    Das Teilabkommen zwischen den USA und China ist mehr als eine Etappe. Normalerweise steigen Aktienmärkte im Vorfeld eines erwarteten positiven Ereignisses an, um dann, wenn's tatsächlich so weit ist, durch Gewinnmitnahmen unter Druck zu geraten. Diesmal ist das jedoch nicht so.

    Bis zum Schluss war ungewiss, wie genau das Teilabkommen aussehen würde. Das diese Woche unterzeichnete Dokument zeichnet sich durch viele Details aus, die geregelt wurden. Flankiert wird das Teilabkommen von einer Entscheidung der Trump-Administration, die eingeführten Strafzölle so lange beizubehalten, bis die Umsetzung des Teilabkommens Schritt für Schritt vollzogen wird. Der Druck auf China, nun auch wirklich zu seinen Zusagen zu stehen, ist entsprechend groß. Und daher übersteigt das Teilabkommen die Erwartungen, die Aktienmärkte reagieren erst jetzt wirklich auf diese positive Entwicklung.

    So zeigen die Sentiment-Indikatoren zwar Euphorie, aber genau wie vor einer Woche gilt auch heute: Diese Euphorie hat ihren berechtigten Grund und kann durchaus noch länger anhalten, die Kurse können also durchaus noch weiter ansteigen, bevor eine Überhitzung zur Vorsicht mahnt.

    Daraus lässt sich also als Handlungsanleitung ableiten, dass wir Stopp Loss Marken derzeit großzügig setzen können. Kleinere Verschnaufpausen oder Korrekturen sind natürlich in einer so euphorischen Situation jederzeit möglich. Doch in solche natürlichen Korrekturen hinein, die zu einer Rallye gehören, sollten Sie Ihre Positionen nicht verkaufen, sondern eher aufstocken.

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