Entscheidungsfreudigkeit sieht definitiv anders aus. Der Markt weiß nicht so recht, wohin er soll. Der Dow Jones hatte eine Tagesrange von mehr als 4 % in 4 der letzten 5 Handelstage. Dagegen war selbst der Dax noch ruhig, auch wenn man natürlich auch hier eine große Unentschlossenheit sehen konnte.

    Dow Jones Industrial Average
    DAX

    Wo die Kurse nun in der nächsten Stunde oder am nächsten Tag genau stehen, weiß vermutlich niemand. Das ist auch nicht wichtig. Relevanter erscheint die Frage, ob wir jetzt schon wieder Einstiegskurse sehen. Die Kurse sind ja immerhin deutlich zurückgekommen.

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    Fundamental sind die meisten Märkte noch immer sportlich bewertet. Man darf ja nicht vergessen, dass die Kurse gerade einmal die Gewinne der letzten drei Monate abgegeben haben. Wer heute einsteigt, steigt auf dem Niveau von November ein. Das ist jetzt nicht gerade ein Zeichen für das Schnäppchen des Jahrhunderts.

    Die letzten Rücksetzer wurden von Anlegern immer wieder sofort gekauft. Auch dieses Mal besteht die Möglichkeit. Man ärgert sich, wenn man das dann verpasst hat. Timing ist jedoch notorisch schwierig. Man kann aber eine gewisse Aussage darüber treffen, wie die Qualität der bisherigen Korrektur war.

    Eine Korrektur gibt es, wenn etwas in Schieflage geraten ist. Einstiegskurse gibt es dann, wenn die Schieflage bereinigt wurde. Es gibt Anzeichen, dass wir diesem Punkt schon wieder sehr nahe sind. Da ist zum einen die Volatilität, die so rasch und hoch gestiegen ist, dass man von einer baldigen Beruhigung ausgehen kann. Extremwerte bei Volatilität halten sich nicht sonderlich lange.

    Wesentlicher ist aber die Korrelation zwischen den Einzelwerten eines Marktes. Der Korrelationsindex des S&P 500 (Grafik 1) fiel im Rahmen des parabolischen Anstiegs des S&P auf immer neue Tiefs. Mit dem Abverkauf hat sich das ziemlich deutlich korrigiert. Wir sind heute wieder auf einem Niveau, welches relativ nah an der Normalität des Bullenmarktes seit 2013 liegt. Nah bedeutet, dass wir das Normalmaß noch nicht ganz erreicht haben.

    So ähnlich zeigt sich auch ein anderer Indikator (Grafik 2). Hier wird das Verhältnis der Volatilität zu ihrer eigenen Schwankungspreise gezeigt (VIX/VVIX). Je höher das Verhältnis ist, desto extremer ist der Markt überverkauft. Das hat sich z.B. 2008 und 2011 sehr schön gezeigt.

    Aktuell sind wir auf einem Niveau, welches unterhalb der letzten nennenswerten Korrektur 2015/16 liegt. Wir kommen allerdings auch von einem insgesamt niedrigeren Level. Dennoch muss man sagen: obwohl sich die Indikatoren wieder etwas normalisiert haben, können wir noch nicht von einer abgeschlossenen Bereinigung reden.

    Der Markt macht, was er will. Es gibt also keine Garantie, dass es noch einmal ein paar Prozente nach unten geht. Persönlich halte ich das allerdings für möglich und wünschenswert. Eine Korrektur, die die Lage nicht normalisiert, ist mittelfristig problematisch. Der Markt bleibt anfällig für Rücksetzer.

    Man kann daran denken wieder erste Positionen aufzubauen. Das Chance-Risiko-Verhältnis ist in Ordnung, aber nicht großartig. Persönlich gehe ich daher erst einmal in einem kleinen Schritt zurück in den Markt. Für eine deutliche Minimierung des Cashanteils ist mir die Übertreibung einfach noch nicht ausreichend korrigiert worden.

    Clemens Schmale

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