Nach der Verschnaufpause vor einer Woche legten die Aktienmärkte in den vergangenen fünf Handelstagen wieder mit gewohntem Tempo zu. Gute Quartalsberichte und eine unspektakuläre Sitzung der amerikanischen Notenbank FED waren die Triebfedern. Freitag kam es wegen des unerwartet schwachen Plus des US-BIPs im dritten Quartal zu Gewinnmitnahmen.

USA: Konjunkturschwäche ist nur Randnotiz

Der amerikanische Aktienmarkt ist in Kletterlaune. Dafür gibt es auch gute Gründe, zum Beispiel das Stillhalten der US-Notenbank FED. Die jüngste Sitzung war ein Spiegelbild der vorangegangenen. Die Wirtschaft werde voraussichtlich mit moderatem Tempo expandieren und abhängig von den aktuellen Daten wirke man möglichen Inflationstendenzen entgegen, war der Tenor der Presseerklärung. Ein weiterer Grund für feste Aktienmärkte ist die bislang solide Berichtssaison. Jüngst verbreiteten unter anderem AT&T, DuPont und Exxon Optimismus unter den Anlegern.

Es gibt jedoch auch gute Gründe, die zur Vorsicht mahnen. Am Freitag veröffentlichte das US-Handelsministerium die erste Schätzung zum BIP-Wachstum im dritten Quartal. Das Plus lag mit anualisierten 1,6 Prozent deutlich sowohl unter den Markterwartungen als auch den Vorquartalen (Q1: plus 5,6, Q2: plus 2,6). Daraufhin setzten Gewinnmitnahmen ein, die den Dow Jones um 0,7 Prozent drückten.

Sorgenkind der US-Konjunktur ist der Immobilienmarkt. Die Preise für Neubauten lagen im September um knapp 10 Prozent unter Vorjahr und damit auf dem tiefsten Stand seit Ende 1970. Billigere Neubauten belasten natürlich auch die Preise bestehender Immobilien, sprich das Vermögen der Privatleute. Sollten sich diese alsbald tatsächlich weniger reich fühlen, würde das mit Sicherheit auch die Konsumlust senken. Der private Verbrauch ist mit über 70 Prozent die mit Abstand wichtigste Komponente des BIP der USA. Das von der Universität Michigan gemessene Verbrauchervertrauen für Oktober wurde zwar jüngst auf 93,6 heraufgesetzt, was deutlich über den 85,4 Punkten für September liegt. Der Anstieg dürfte jedoch maßgeblich dem kräftigen Rückgang der Öl- und Benzinpreise der Vorwochen zu verdanken sein. Dieser Effekt wird nicht ewig anhalten! Bei einer ungünstigen Entwicklung am Ölmarkt ist sogar ein Umschlagen ins Gegenteil zu befürchten. Die FED würde auf anhaltend schwache Konjunkturdaten vermutlich mit Zinssenkungen reagieren, wie auch am Markt bereits unmittelbar nach den schwachen BIP-Zahlen argumentiert wurde. Doch Aktienkurse leben nicht vom Zins allein, sondern auch und gerade vom Gewinnwachstum.

Erfreuliches bot die Internet-Suchmaschine Google. Während der Konkurrent Yahoo! In Bezug auf seine Werbeeinnahmen zuletzt enttäuschte, konnte Google die Umsätze seit Jahresanfang um 70 Prozent steigern. Google verfügt ganz klar über das erfolgreichreichere Geschäftsmodell. Dementsprechend verlor die Yahoo!-Aktie deutlich, während Google um rund sieben Prozent zulegen konnte. Apple meldete ebenfalls steigende Absatzzahlen bei Computern und iPod-Geräten. Auch das Internet-Auktionshaus eBay brillierte mit glänzenden Ergebnissen und einem unverändert positiven Ausblick.

Europa: Französisch-deutscher Geschäftsoptimismus

Europas Aktienmärkte zeigten sich ebenfalls von ihrer freundlichen Seite. Der Konjunkturhintergrund ist unverändert hell. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg zuletzt entgegen den Expertenprognosen an, wozu auch der Teilindex für die Erwartungen beitrug. Dieser Aspekt deutet darauf hin, dass die bevorstehende Mehrwertsteuererhöhung den Boom in Deutschland nicht abwürgt, sondern lediglich eine Delle im ersten Quartal verursachen wird. Das französische Pendant zum Ifo, der INSEE, zeigte im Übrigen jüngst ebenfalls einen wachsenden Optimismus an. In den beiden größten Volkswirtschaften der Eurozone mit einem addierten BIP-Anteil von 50 Prozent stehen damit die Ampeln also auf Grün. In Italien hat sich das Geschäftsklima indes leicht abgeschwächt.

Auftrieb erhielten Dividendentitel hierzulande ferner von den mehrheitlich positiven Quartalsergebnissen. Unter anderem sorgten Alcatel, DaimlerChrysler und France Telecom für gern gesehene Überraschungen. Letztere strahlte auch auf die Deutsche Telekom ab, die mit sechs Prozent Wochenplus der zweitstärkste DAX-Titel war. Besser schnitt nur VW ab, die mit ihrem Zwischenbericht und der Anteilsaufstockung an MAN Furore machten. Die Wolfsburger besitzen mittlerweile 20 Prozent an MAN und wollen das Paket bis auf knapp unter 30 Prozent vergrößern. Ein Dreierbündnis aus MAN, Scania und den Lkw-Aktivitäten von VW wird damit immer wahrscheinlicher. Zu den wenigen Enttäuschungen der bislang veröffentlichten Zwischenberichte gehörte jener von GlaxoSmithKline, was weniger an den Zahlen lag - die waren sogar besser als erwartet. Vielmehr musste das zweitgrößte Pharmahersteller der Welt Schwierigkeiten bei einigen neuen Medikamenten einräumen. Probleme dieser Art scheinen sich zu häufen. Erst vor eineinhalb Wochen hatte Akzo Nobel berichtet, dass die Studienergebnisse ihres Hoffnungsträgers gegen Schizophrenie und Depression unerwartet schlecht ausgefallen waren. Nun stieß AstraZeneca ins selbe Horn. Hier wurde die Entwicklung eines Medikaments gegen Schlaganfall mangels Wirksamkeit gleich ganz eingestellt.

China: Größtes IPO weltweit

In China ist mit der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) ein Riese erwacht. Mit ihrem IPO am Freitag sammelte das Institut gut 19 Mrd. USD ein, umgerechnet rund 15 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Der Marktwert der Commerzbank beträgt etwas mehr als 18 Mrd. Euro. Nach dem Kurssprung am ersten Handelstag von 15 Prozent hatte das Institut zudem einen Börsenwert von über 150 Mrd. USD, womit es zu den fünf größten Banken der Welt gehört.

Ausblick: Schaulaufen der DAX-Unternehmen

Ein Drittel der DAX-Gesellschaften wird in dieser Woche über den Verlauf im dritten Quartal berichten. Hinzu kommen zahlreiche weitere Unternehmen. Die japanischen Vertreter hinken dagegen etwas zurück. Da dort das Geschäftsjahr typischerweise am 1. April beginnt, stehen hier erst die Zwischenberichte über das zweite Quartal auf der Agenda. Abgerundet wird die Woche von wichtigen Konjunkturdaten wie zum Beispiel dem US-Arbeitsmarktbericht für Oktober. Es werden im Schnitt 125.000 neue Jobs erwartet.

Quelle: Union Investment

Gegründet 1956, zählt Union Investment heute zu den größten deutschen Investmentgesellschaften. Rund 140,2 Mrd. Euro verwaltet die Gesellschaft per Ende November 2005. Die Produktpalette für private Anleger umfasst Aktien-, Renten- Geldmarkt- und Offene Immobilienfonds sowie gemischte Wertpapier- und Immobilienfonds und Dachfonds. Anleger erhalten diese Produkte bei allen Volksbanken, Raiffeisenbanken, Sparda-Banken und PSD-Banken. Rund 4 Millionen Anleger nutzen überdies die Depotdienstleistungen der Union Investment.