Die Aktienmärkte in den USA und Europa zeigen weiterhin Stärke. Rückläufige Inflationsdaten und erfreuliche Unternehmensveröffentlichungen schoben zuletzt die Kurse an. Vereinzelt auftretende Negativmeldungen konnten bislang verhindern, dass die Marktteilnehmer einem zu überschwänglichen Optimismus anheim fallen.

USA: Kräftiges Wochenplus

Um rund zwei Prozent stiegen die amerikanischen Leitindizes in der abgelaufenen Woche. Die Impulse kamen hauptsächlich von günstigen Preisdaten und von den Unternehmen. Sowohl die Erzeuger- als auch die Verbraucherpreise waren im Oktober gefallen. Um daraus einen rückläufigen Trend abzuleiten, ist es zwar noch zu früh. Fakt ist aber, dass der Zinserhöhungsdruck der FED - sofern überhaupt noch welcher vorhanden war - nun noch kleiner geworden ist. Aktien droht also von der Zinsseite derzeit kein Ungemach.

Dazu kamen stimulierende Meldungen aus dem Unternehmenslager. Über den Erwartungen liegende Gewinnsteigerungen im abgelaufenen Quartal wie bei Hewlett-Packard, weitere Übernahmevorhaben wie bei Clear Channel Communications und Delta Airlines sowie erfolgreiche Börsengänge wie jener der Terminbörse Nymex stießen auf positives Echo.

Hoffnungsvoll stimmt dabei, dass schwächere Daten die Marktteilnehmer immer wieder zur Realität zurückholen. Denn die Gefahr der Gewöhnung an die beste aller Welten und permanent steigende Kurse ist präsent. In den vergangenen 18 Wochen beendete der Dow Jones nur fünf im Minus, von den letzten acht Wochen sogar nur eine. Auch der IPO-Exzess der Nymex zeigt, dass manche Börsianer den Pfad der Tugend kurzzeitig verlassen hatten. Bereits außerhalb der Bookbuilding-Spanne platziert, kletterte der Aktienkurs der Warenterminbörse am ersten Handelstag um weit über 100 Prozent, womit am Ende des Tages ein Unternehmenswert von 9,7 Mrd. USD zu Buche stand. Für 2005er Umsätze von 346,6 Mio. USD, aus dem ein Jahresüberschuss von 71,1 Mio. USD gezogen wurde, ist das sportlich. Auch dann, wenn man für 2006 eine Verdoppelung der operativen Performance unterstellt.

Hauptrisiko für die Märkte ist und bleibt der Immobilienmarkt, wie sich am Freitag erneut zeigte. Während die Baugenehmigungen im Oktober zum neunten Mal in Folge zurückgingen (diesmal um 6,3 Prozent), sanken die Neubaubeginne um annualisiert 14,6 Prozent gegenüber Vormonat. So wenig neue Bauvorhaben wurden zuletzt vor sechs Jahren registriert. Beobachten sollte man auch den Konsum. Die jüngsten Einzelhandelsdaten und auch die Ausblicke großer Händler wie Wal-Mart und Home Depot enttäuschten. Ein wegbrechender Konsum, etwa weil die aus dem Immobilienmarkt resultierende Kaufkraft (z.B. Löhne der Bauarbeiter, Wertsteigerungen der Häuser) abebbt, würde die US-Konjunktur und damit auch den Aktienmarkt treffen.

Europa: Korrekturpotenzial gestiegen

In Europa tendierten die Kurse verhaltener aufwärts. Die konjunkturelle Datenlage war relativ schwach. Die Inflation befindet sich zwar auch hierzulande auf dem Rückzug, mit einer Zinspause oder gar -senkung der EZB rechnet deshalb aber niemand. Denn das Wirtschaftswachstum ist weiterhin hoch, auch wenn die jüngsten Resultate eine moderate Abkühlung signalisierten. Die Industrieproduktion der Eurozone lag im September unter dem Vormonat und auch das im dritten Quartal erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt lag mit plus 0,5 Prozent unter dem Wert des Vorquartals von 0,9 Prozent. In Deutschland und Italien verlangsamten sich die Zuwachsraten, während sie in Frankreich sogar stagnierte. Als weitere Belastung für die Aktienmärkte kam ein schwächer als erwartet ausgefallener ZEW-Konjunkturerwartungsindex für Deutschland hinzu.

Auftrieb erhielten die Kurse indes weiterhin von der sehr guten Gewinnentwicklung, die die europäischen Unternehmen in ihren Quartalsberichten zeigten. Allerdings verliert dieser Impuls zusehends an Kraft, da die Berichterstattung nun weitgehend abgeschlossen ist.

Im Fokus standen zuletzt die Börsenbetreiber höchstselbst. Die Ankündigung mehrerer Investmentbanken, gemeinsam eine eigene Handelsplattform für Aktien etablieren zu wollen, und der Rückzug der Deutschen Börse aus dem Bietergefecht um Euronext sorgten im Sektor für herbe, in der Spitze knapp zweistellige Kursverluste. Für die New York Stock Exchange scheint damit der Weg bei Euronext frei. Voraussichtlich im Dezember werden die Anteilseigner der Mehrländerbörse über eine Fusion entscheiden.

Diese heftige Reaktion der Marktteilnehmer bei den Börsenaktien zeigte überdies sehr deutlich, dass im gesamten Markt mittlerweile viel Fantasie in den Notierungen steckt und das Korrekturpotenzial hoch ist. Negative Überraschungen können leicht spürbare Kursrückgänge auslösen, zumal die unterstützenden Elemente weniger werden und neue Risiken langsam sichtbar werden. Was passiert zum Beispiel, wenn das erwartete Zinsende der EZB von 3,50 bis 3,75 Prozent nach oben verschoben wird? Angst ist momentan dennoch Fehl am Platze. Die fundamentale Großwetterlage ist unverändert freundlich, die Bewertungen stimmen und nicht zuletzt die wieder niedrigen Langfristzinsen machen Aktien attraktiv.

Ausblick: Unveränderter Ifo-Index erwartet

Den Finanzmärkten steht eine datenarme Woche bevor. Bei den Unternehmen veröffentlichen noch einige Nachzügler ihre Berichte. Von den Konjunkturforschern ist auch nicht viel zu erwarten. Höhepunkt ist hier am Donnerstag der Ifo-Geschäftsklimaindex. Dieser wird laut Bloomberg im Vergleich zum Vormonat unverändert bei 105,3 Punkten erwartet.

Quelle: Union Investment

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