Es gibt bestimmte Zusammenhänge, die seit Jahrzehnten Gültigkeit haben. Ein solcher Zusammenhang ist die Korrelation aus Volatilität und Zinskurve. Beide gehen Hand in Hand. Fällt die Zinskurve, steigt die Volatilität. Das gilt seit mehr als 50 Jahren. Es gilt genauso lang wie der Zusammenhang aus Zinskurve und Rezession. Das alles ist kein Zufall. Eine abflachende Zinskurve bedeutet Unsicherheit. Ob es wirklich zu einer Rezession kommt oder nicht, das ist zweitranging. Auch jetzt wissen wir es ja nicht. Trotzdem gab es im vierten Quartal 2018 einen heftigen Einbruch am Aktienmarkt.

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Es geht also nicht darum, ob die Wirtschaft wächst oder schrumpft. Entscheidend für den Aktienmarkt ist die Unsicherheit. Diese wiederum wird durch nichts besser ausgedrückt als die Volatilität. Je höher diese ist, desto schwankungsfreudiger sind Aktien.

Das ist soweit einleuchtend. Nun gibt es aber erschwerende Umstände. Die Zinskurve läuft der Volatilität ungefähr 2 Jahre voraus. Das führt nicht in jedem einzelnen Monat zu einer perfekten Überlagerung der Kurven. Die Tendenz und der Trend werden so jedoch klar vorhergesagt.

Ende 2018 stieg die Volatilität deutlich an. Das passte auch zur Abflachung der Zinskurve, die schon eine ganze Weile anhält. Nun flacht die Kurve weiter ab, doch die Volatilität ist zuletzt wieder deutlich gefallen. Der VIX steht inzwischen wieder bei weniger als 13 Punkten. Das gab es zuletzt vor über 6 Monaten.


Anlegern vermittelt das ein Gefühl der Sicherheit. Es scheint alles wieder in Ordnung zu sein. Die Ruhe ist aber trügerisch. Es besteht eine große zeitliche Differenz zwischen realwirtschaftlicher Entwicklung und dem Aktienmarkt.

Der Aktienmarkt beginnt seinen Aufschwung erheblich früher als die Realwirtschaft. Das Tief im Jahr 2009 wurde im März erreicht. Die Wirtschaft schrumpfte noch mehrere Quartale danach. Ebenso erreichte der Markt sein Hoch im Jahr 2007. Erst ein knappes Jahr später begann die Rezession.

Aktuell geht der Trend weiter Richtung Ende des realwirtschaftlichen Aufschwungs. Dieses Ende kommt nicht heute und auch nicht gleich morgen. Der Aktienmarkt kann daher noch eine Zeit lang gut laufen. Nach dem Schock Ende 2018 wiegen sich inzwischen viele wieder in Sicherheit, vergessen dabei aber, dass der Abschwung erst noch kommt.

Wegen der großen zeitlichen Differenzen kommt die nächste Korrektur bzw. der Bärenmarkt für viele dann doch überraschend. Als Anleger tut man gut daran, sich jetzt nicht von der niedrigen Volatilität und steigenden Kursen einlullen zu lassen.