Eine Glaskugel mit Erfolgsgarantie hat niemand. Dennoch gibt es einige Regeln, die erahnen lassen, wohin es den Markt zieht. Dazu gehört auch der Anleihemarkt. Dieser ist dem Aktienmarkt häufig voraus, wird von vielen aber kaum wahrgenommen.

ANZEIGE

Seit es so gut wie keine Zinsen mehr gibt, ist der Anleihemarkt auch wenig spannend. Ob 10-jährige US-Anleihen nun bei 2,4 % oder 2,6 % stehen, ist kaum erheblich. Nennenswerte Rendite gibt es in keinem der Fälle. Doch als Signal für den Aktienmarkt sind auch die kleineren Schwankungen sehr relevant.

Anleihen reagieren auf Unsicherheit oftmals früher als der Aktienmarkt. Die Renditen von relativ sicheren Staatsanleihen sinken. Gleichzeitig steigt die Rendite von Risikopapieren, die nicht mehr im Investment Grade Bereich sind (Ramschanleihen).

Vor großen Wendepunkten am Aktienmarkt sinkt die Rendite von Staatsanleihen und die von Ramschanleihen steigt. Grafik 1 stellt dies als Verhältnis dar. Sinkt das Verhältnis, sind Anleger weniger risikofreudig. Bemerkenswert ist dabei, dass die Risikofreude Monate vor den zyklischen Hochs des Aktienmarktes drehte. Das war im Jahr 2000 nicht anders als 2007, 2011, 2014 und heute wieder.

Aktienmarkt-Korrekturfortsetzung-wird-immer-wahrscheinlicher-Kommentar-Clemens-Schmale-GodmodeTrader.de-1

Zugegeben, der Anleihemarkt lief dem Aktienmarkt Ende 2018 nicht voraus. Beide Märkte gingen mehr oder minder Hand in Hand. Dafür haben wir aktuell eine erhebliche Divergenz. Der Aktienmarkt hat jüngst neue Allzeithochs erreicht und notiert in den USA keine 5 % darunter. Demgegenüber steht ein deutlich tieferes Hoch beim Verhältnis von Staats- zu Unternehmensanleihen (Grafik 2).

Aktienmarkt-Korrekturfortsetzung-wird-immer-wahrscheinlicher-Kommentar-Clemens-Schmale-GodmodeTrader.de-2

Die Risikofreude ist noch nicht wieder zurück. Die Divergenz ist ziemlich ernst, denn im Normalfall löst sie sich zugunsten des Anleihemarktes auf. Dieser bekommt fast immer Recht. Der Aktienmarkt müsste also wieder korrigieren.


+3405 DAX-Punkte: Neuer Premium-Service mit Top-Performance: Buchen Sie bis einschließlich 25. Mai Ingmar Königshofens Short Term Trader und sparen Sie dauerhaft 10 €/Monat. Warum er nicht nur mit einer beeindruckenden Performance überzeugt, erfahren Sie hier.


Derzeit wissen Anleger nicht so recht, wohin die Reise geht. Tatsächlich kann so gut wie alles geschehen. Einigen sich China und die USA doch noch kurzfristig auf einen Deal, ist die Risikofreude wieder schnell zurück. Jeder Tag, der verstreicht und keine Einigung bringt, gefährdet den Markt. Es macht es wahrscheinlicher, dass der Markt fällt. Aber wieso eigentlich?

Anleger haben keine Risikofreude. Es braucht einen klaren Anreiz, um Anleger zum Kaufen zu bewegen. Kommt dieser Anreiz nicht, wird irgendwann verkauft. Es braucht dringend gute Neuigkeiten, um eine Korrektur zu verhindern. Von alleine steigt der Markt nicht, wenn die Risikofreude fehlt – und diese fehlt derzeit eindeutig.

Keine Neuigkeiten sind schlechte Neuigkeiten. Je länger das anhält – und davon ist aktuell auszugehen – desto kritischer wird es und ohne Risikofreude gibt es kein Buy the Dip verhalten, bei dem jeder kleine Rücksetzer sofort gekauft wird. Kommt da die Lawine erst ins Rollen, kann es schnell und deutlich nach unten gehen.


Beobachten. Analysieren. Diskutieren. Handeln. Mobil. Guidants: die Börsen-App. Jetzt kostenlos herunterladen!