Gastbeitrag des Guidants-Experten Dr. Christoph Bost

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Ein politisches Ereignis löst das nächste ab und die Regierung Trump ändert ihre Meinung sowieso mitunter stündlich. So auch in der abgelaufenen Woche, als man die Gunst der Stunde nutzte und Präsident Trump von einem exzellenten Gespräch mit dem chinesischen Präsidenten Xi berichtete und darüber informierte, dass er Anweisung erteilt habe, Dokumente zur Beilegung des Handelsstreits auszuarbeiten.

Nach den starken Kursrückgängen im abgelaufenen Monat, die meisten Weltbörsen verloren zweistellige Prozentsätze, sah der US-Präsident seine Felle davonschwimmen, standen doch in den USA am 6. November 2018 Wahlen an. Zusammen mit der technisch überverkauften Lage und der Möglichkeit seitens der US-Unternehmen, wieder Aktienrückkäufe zu tätigen, kam es an den Aktienmärkten weltweit zu einer deutlichen Erholung. Von chinesischer Seite ist allerdings zu hören, dass man von einer Einigung noch meilenweit entfernt sei. Daraufhin verkündete auch die US-Regierung, dass das gute Gespräch lediglich die Basis für neue Verhandlungen geschaffen hat.

Der Aufkauf von Aktien seitens der US-Unternehmen dürfte sich fortsetzen und neue Rekordstände erreichen. Dies hat allerdings nichts mit einem gesunden Vertrauen in das eigene Unternehmen zu tun, geschweige denn mit der stabilen Wirtschaftslage. Eine derartige Aufkaufwut seitens der Unternehmen war zuletzt im Jahr 1929 zu beobachten, bevor sie dann verboten wurden. Man hatte nämlich erkannt, dass sie nur dem Zweck dienten, die Manager noch reicher zu machen. Die Aktienrückkäufe, welche die Manager privat tätigen, sehen nämlich lediglich durchwachsen aus. Bei einigen großen Technologiekonzernen befinden sie sich sogar eindeutig auf der Verkäuferseite.

Während viele Analysten (Konsens) die Korrektur im Oktober als ideale Kaufgelegenheit bezeichnen, empfiehlt NDR den Aktienanteil nun auf „Untergewichten“ zu stellen. Einigkeit herrscht zurecht darüber, dass die Konjunktur in den USA in den nächsten drei Quartalen weiterhin wachsen wird. Danach fängt der Konsens aber an zu bröckeln und nicht wenige Analysten rechnen im Jahre 2020 mit einer Rezession. Gemäß Informationen der "Finanz und Wirtschaft" (31. Oktober 2018) rechnen zwei Drittel der US-Ökonomen mit einer Rezession vor dem Jahr 2021.

Darüber hinaus dürfte das Jahr 2019 in vielen Bereichen bereits eine Abschwächung bringen, dies gilt für das Wachstum der Unternehmensgewinne ebenso wie der gesamten Wirtschaft. Die Probleme eines Handelskrieg mit China sind noch lange nicht gelöst und Enthusiasmus scheint hier fehl am Platze zu sein. Die deutliche Ausweitung des Handelsbilanzdefizits mit China lässt zugleich erkennen, dass viele Unternehmen in den USA im Vorfeld der angekündigten Strafzölle ihre Lagerbestände drastisch erhöht haben, welche es 2019 erst einmal abzubauen gilt.

Darüber hinaus wird sich der Effekt der Steuererhöhung deutlich abschwächen. Gelingt es nicht, den Handelsstreit zu beenden, wird dies die internationalen Handelsketten weiterhin belasten und zusätzliche Unsicherheit schüren. Die Marktzölle werden ganze Lieferketten unter Umständen auf den Kopf stellen und mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass Unternehmen sich international neu ausrichten werden mit dem Ziel, unabhängig von einem Erpresserstaat wie den USA zu werden. Eine derartige Entwicklung benötigt aber Zeit. Einige Unternehmen haben bereits angekündigt, ihre Investitionen in China trotz des Handelskriegs deutlich zu erhöhen, in der abgelaufenen Woche zum Beispiel BASF und die Deutsche Bank.

Derweil kann sich der US-Präsident noch an seinen kurzfristigen Erfolgen berauschen, welche er auf Pump geschaffen hat. Die Wirtschaft wuchs im dritten Quartal ca. 3,5 %. Die Notenbank von New York geht im vierten Quartal noch von einem Wachstum von 2,6 % aus. Das Wachstum bleibt damit zumindest auf Sicht eher robust.

Einige Schwächesignale sind aber unübersehbar, immer mehr Aktivitätenindizes geben nach. So fiel zum Beispiel der Aktivitätenindex im Servicebereich von Texas von 25,6 auf 14,1 Zähler bzw. der Index der Notenbank von Chicago von 60,4 auf 58,4 Zähler. Auch der Einkaufsmanagerindex ISM verzeichnete im gewerblichen Bereich eine rückläufige Tendenz, der Index gab von 59,8 auf 57,7 Zähler nach. Begleitet wurde diese Entwicklung von einem steigenden Kostendruck, die Preiskomponente stieg von 66,9 auf 71,6 Zähler.

Dies ist eine grundsätzlich übliche Entwicklung, tendieren der Arbeitsmarkt, die Arbeitskosten und letztlich die Preisentwicklung am Ende eines Zyklus doch regelmäßig nach oben. Es überrascht daher nicht, dass die Arbeitslosenquote weiterhin bei 3,7 % und damit auf dem niedrigsten Stand seit 49 Jahren notiert, dass zusätzliche 260.000 Stellen geschaffen wurden und die Partizipationsrate von 62,7 % auf 62,9 % gesteigert werden konnte. Damit einher gingen steigende Lohnkosten von 3,1 %.

Der separat berechnete Angestelltenkostenindex stieg um 2,8 % und erreicht damit den stärksten Anstieg seit zehn Jahren. Konsequenterweise nutzen die Amerikaner diese Entwicklung um ihre Sparquote zu reduzieren und ihre Ausgaben zu erhöhen, lässt die gute Lage am Arbeitsmarkt doch ihr Vertrauen auf den höchsten Stand seit 18 Jahren klettern. Auch dies ist ein starkes Warnsignal für die Kapitalmärkte, liegen die Höchststände des Konsumentenvertrauens und die der Aktienmärkte doch in der Regel zeitlich eng beieinander.