Alibaba beschreibt sich selbst als Mischung aus Amazon und EBay. Das Konzept zahlt sich aus. Im zweiten Quartal wies das Unternehmen einen Gewinn von 2 Mrd. USD aus. Der Börsengang soll eine Größe von 20 Mrd. USD haben. Es wird allerdings nur ein Teil der Aktien platziert. Kann Alibaba tatsächlich 20 Mrd. einsammeln, dann läge der Unternehmenswert im Bereich von 180 bis 190 Mrd. USD.

    Bei einem Quartalsgewinn von 2 Mrd. USD erscheint eine Bewertung von 180 Mrd. gar nicht so unrealistisch. Annualisiert wären das 8 Mrd. USD. Das entspräche dann einem KGV von 22,5. Das ist hoch, aber nicht zu hoch. Zudem ist der Gewinn im Vergleich zum Vorjahresquartal um über 40% gestiegen. Damit ist klar: Alibaba kann trotz seiner Größe noch wachsen. Das Wachstum hat allerdings nur bedingt mit Alibabas eigenem Geschäftsmodell zu tun. Der Umsatz stieg wie der Gewinn ebenfalls stark an und steht nun bei 2,5 Mrd. USD im Quartal. Daraus einen Gewinn von 2 Mrd. zu ziehen ist schon bemerkenswert. Das Geheimnis dahinter sind die zahllosen Beteiligungen von Alibaba. Hier wird der Gewinn ausgewiesen, aber nicht der dazugehörige Umsatz. Einerseits scheinen die Beteiligungen hohen Gewinn abzuwerfen, andererseits machen es die Beteiligungen schwer, den Überblick zu behalten und die zukünftige Entwicklung zu beurteilen. Um die Entwicklung bei Alibaba vorherzusagen, muss man nicht nur Alibaba selbst analysieren, sondern Dutzende von Unternehmen.

    Übernahmemaschine Alibaba

    Alibaba investiert kräftig weiter. Seit 2008 hat sich der Trend noch einmal deutlich beschleunigt. In den Jahren 2008 bis 2012 investierte Alibaba im Durchschnitt in ein Unternehmen im Jahr. In Vorbereitung auf den Börsengang hat die Aktivität massiv zugenommen. Vergangenes Jahr sammelte das Unternehmen 13 neue Beteiligungen ein. 2014 waren es im ersten Halbjahr 10. Die Beteiligungen entsprechen einer Investitionssumme von 1,45 Mrd. USD und beinhalten nur Investitionen in nicht börsennotierte Unternehmen.

    Zählt man alle Investitionen zusammen, vor allem auch in börsennotierte Unternehmen, dann beträgt die Investitionssumme 16 Mrd. USD seit 2012. Zuletzt erwarb Alibaba einen 10% Anteil an der Post in Singapur für 250 Mio. USD. Alibaba will mit der Post die Logistik in Asien entwickeln, immerhin ist Alibaba ein online Händler. Um dieses Vorhaben zu unterstützen, ging Alibaba auch eine Partnerschaft mit der australischen Post ein. Die Idee dahinter ist simpel. Alibaba will überall dort, wo die Bevölkerung einen hohen Anteil an Chinesen hat, die Logistik selbst betreiben können.

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    Alibaba begrenzt die Aktivität aber nicht nur auf Branchen, die dem eigenen Geschäftsmodell nahe stehen. Das Unternehmen erwarb hohe Anteile an Youku Tudou (online Fernsehen in China) und Alibaba Picture Group. In letzteres Unternehmen steckte Alibaba 800 Mio. USD. Ob dieses Investment wirklich Freude bereitet, sei dahingestellt. Es wurden Unregelmäßigkeiten in der Buchhaltung entdeckt...

    So oder so, Alibaba expandiert ziemlich rigoros in die Film und Streaming Welt. Im Juli wurde eine Kooperation mit Lions Gate Entertainment angekündigt. Die beiden Unternehmen wollen einen eigenen Streaming Dienst entwickeln. Durch die Kooperation mit einem amerikanischen Studio kann man sich ausmalen, dass Alibaba auch auf dem US Markt Fuß fassen wird.

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    Bisher investierte Alibaba vor allem im eigenen Land und in Japan. Seit 2013 expandiert das Unternehmen gezielter in die USA. In letzter Zeit gingen hohe Millionenbeträge in Investitionen in den USA. 280 Mio. gingen in das Unternehmen TangoMe (online und gratis Telefonie- und Texting Service), 250 Mio. in Lyft (ähnlich wie Uber – Fahrdienst) und 206 Mio. gingen in das Unternehmen ShopRunner (online Händler).

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    Wo geht die Reise hin?

    Alibaba ist eine Fusions- und Übernahmemaschine. Das Kerngeschäft wächst und ist hochprofitabel. Besonders gut läuft der online Handel über mobile Plattformen. Hier ist Alibaba Konkurrenten wie Amazon voraus, wo der Desktop Computer noch am wichtigsten ist.

    Im online Handel Segment ist Alibaba in China unangefochten. In vielen anderen asiatischen Märkten beginnt die Expansion erst. Ob das Unternehmen weltweit als online Händler präsent sein wird, ist noch nicht ganz klar. Hier fokussiert sich Alibaba vor allem auf die USA und auf andere Geschäftsbereiche wie Software und Film.

    Werden über den Börsengang die erhofften 20 Mrd. eingenommen, dann ist die Kasse für weitere Übernahmen ziemlich voll. Bisher kennen wir als Übernahmemaschinen vor allem Google und Facebook. Alibaba könnte diese beiden US Unternehmen in den kommenden Jahren in den Schatten stellen. Mit dem Geld aus dem Börsengang und dem erwirtschafteten Gewinn stehen für die nächsten 12 Monate über 15 Mrd. USD in Cash zur Verfügung. Damit dürfte das Wachstum ungebremst weitergehen.

    Alibaba hat gute Chancen selbst bei einer Unternehmensbewertung von 190 Mrd. auch in Zukunft noch zu wachsen und Aktionären langfristig Freude zu machen. Dadurch, dass Alibaba aber eher ein Konglomerat ist, welches auch viel in nicht börsennotierte Unternehmen investiert, ist die Lage etwas unübersichtlich. Ein Großteil des Gewinns kommt aus Beteiligungen, die man als Aktionär nicht nachvollziehen kann. Das ist ein gewisses Risiko. Zudem können eng verbundenen Unternehmen Ineffizienzen verstecken, Geld hin und her geschoben werden usw.

    Darin sehe ich das größte Risiko für Aktionäre. Sieht man darüber hinweg, dann ist Alibaba interessant. Ob man beim Börsengang dabei sein muss, steht auf einem anderen Blatt. Nicht selten wird bei Unternehmen wie Alibaba vor dem Börsengang Umsatz und Gewinn eben durch Übernahmen in die Höhe getrieben und andere Kosten, die auf die Marge drücken könnten, künstlich klein gehalten. So sehen die Bilanzen vor Börsengang sehr gut aus. Nach dem Börsengang leidet die Profitabilität dann aber erst einmal. Ich schaue mir das erst einmal von der Seitenlinie aus an. Ein Facebook Desaster ist wahrscheinlich nicht zu erwarten, sofern die Bewertung bei Börsengang nicht noch deutlich über 200 Mrd. steigt.

    Wer vorab investieren will, kann auch Yahoo kaufen - der Interkonzern hält 23% an Alibaba.