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London (GodmodeTrader.de) - Die US-Wirtschaft boomt gerade: Die Arbeitslosenzahlen sind auf ihren tiefsten Stand seit 44 Jahren gefallen, die Inflation bleibt relativ niedrig und das Wirtschaftswachstum war im zweiten Quartal dieses Jahres so stark wie seit fast vier Jahren nicht, wie von Talib Sheikh, Fondsmanager des Jupiter Flexible Income SICAV bei Jupiter Asset Management, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Die wachstumsfreundliche Politik von Donald Trump, einschließlich der 1,5 Billionen US-Dollar schweren Steuersenkungen, die der US-Präsident verordnet habe, scheine demnach Wirkung zu zeigen. Es herrsche Überfluss pur und den Anlegern gefalle, was sie sähen. Sie kauften US-Vermögenswerte zulasten anderer Märkte und ermöglichten es der US-Wirtschaft so, ihren Konkurrenten davonzuziehen, heißt es weiter.

„Es stellt sich allerdings die Frage, ob all dies in den USA so weitergehen kann, wenn alle Volkswirtschaften um sie herum – Industrie- und Schwellenländer eingeschlossen – bestenfalls ein schleppendes Wachstum verzeichnen oder, im schlimmsten Fall, mit einer Rezession bis hin zum finanziellen Kollaps zu kämpfen haben“, so Sheikh.

Die Finanzmärkte hätten diese Frage bisher mit einem klaren ‚Ja‘ beantwortet. Der S&P 500 Index flirte weiter mit Allzeithöchstständen, was darauf hindeute, dass sich die USA den Problemen der Welt wohl entziehen könnten. Skeptiker verwiesen gerne auf die flacher verlaufende US-Treasury-Kurve als Indiz dafür, dass sich das US-Wirtschaftswachstum abschwäche; ihr Augenmerk liege dabei üblicherweise auf der Differenz zwischen den Zinsen, die für zwei- und zehnjährige US-Staatsanleihen bezahlt würden, heißt es weiter.

„Wir dagegen finden, dass die Renditekurve im Bereich zwischen dreimonatigen Schatzwechseln (‚Treasury Bills‘) und zwei- bzw. fünfjährigen Treasurys einen besseren Aufschluss über die aktuelle Verfassung der Wirtschaft gibt. Diese beiden Benchmarks liefern uns Informationen über die Nettozinsmargen der Banken und signalisieren derzeit, dass sich das Wachstum in den nächsten zwei bis drei Jahren eher beschleunigen dürfte“, so Sheikh.

Unter diesen günstigen Bedingungen biete der US-Hochzinsmarkt viele spannende Möglichkeiten. Bei den meisten globalen Assets ließen sich derzeit angesichts der hohen Bewertungen nur schwer gute Argumente dafür finden, warum hier noch großes Wertpotenzial vorhanden sein sollte. US-amerikanische Hochzinsanleihen erschienen dabei mit Renditen von 6,0 bis 6,5 Prozent relativ attraktiv. Ohnehin sei es im Hochzinssegment nicht unbedingt die Bewertung, die schwer wiege, sondern eher die Vorstellung, dass die USA in eine Rezession abglitten und in der Folge die Ausfallraten anziehen könnten. Das sei aber nicht sein Basisszenario, heißt es weiter.

„Für US-amerikanische Aktien gilt weiterhin, dass sie inzwischen relativ teuer sind. Dabei sollten wir jedoch nicht vergessen, dass die Unternehmen in den USA mit einem Gewinnsprung von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr für das zweite Quartal gerade eine beeindruckende Berichtssaison abgeschlossen haben. Es stimmt zwar, dass die US-Indizes höher notieren, sie tun dies aber nur unwesentlich. Vielmehr haben seit der Markteuphorie von Ende Januar die Bewertungen amerikanischer Aktien sogar leicht nachgegeben. So ist der Markt gemessen an den Gewinnen, die die Unternehmen erwirtschaften, derzeit relativ günstig. Daher werden wir wohl auch weiterhin einen Schwerpunkt auf US-Aktien legen“, so Sheikh.

Außerhalb der USA gelte es, Vorsicht walten zu lassen. Wie Warren Buffett einmal so schön gesagt habe: „Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt schwimmt.“ Die Ebbe setze gegenwärtig quer durch die Weltwirtschaft ein und fördert dabei so krisenbehaftete Länder wie die Türkei und Argentinien zutage. Nun mögen manche argumentieren, dass diese Ereignisse idiosynkratischer Natur und die Probleme dieser Länder hausgemacht seien, heißt es weiter. „Wir aber halten sie eher für das Ergebnis der Bemühungen, die globale Überschussliquidität abzuschöpfen, eingeleitet durch die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed und ihren Kurswechsel hin zu einer quantitativen Straffung der Geldpolitik“, so Sheikh. Den Schwellenländern drohe indessen weiteres Ungemach, da die US-Wirtschaft in nächster Zeit im Aufwind bleiben dürfte und sich mit dem weiter steigenden US-Dollar auch die Rückzahlung der auf Dollar lautenden Schulden entsprechend verteuere, heißt es weiter.

„Auf unserer Seite des Atlantiks macht uns Europa nervös. Seit den dunkelsten Tagen der Eurokrise von 2011 sind zwar vielleicht erhebliche Fortschritte erzielt worden, doch gibt es immer noch zahlreiche strukturelle Probleme, die ungelöst sind“, so Sheikh. In dieser Situation sei es auch wenig hilfreich, wenn die amtierende italienische Regierung drohe, eine der goldenen Regeln des Fiskalpakts, die die Eurozone nach der Krise wieder stabilisiert habe, zu brechen. Italien habe immer wieder davor gewarnt, mit seinem Haushaltsdefizit die EU-Obergrenze von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts möglicherweise zu verfehlen – dies um die Ausgabeninitiativen finanzieren zu können, die die Regierung vor der Parlamentswahl versprochen habe, heißt es weiter.

„Faktisch könnten die politischen Entwicklungen das Wirtschaftswachstum abwürgen, das in der Europäischen Union vor allem im vergangenen Jahr so solide war. Unser Engagement in Europa wird daher vorerst relativ moderat bleiben und der Fokus dabei auf Unternehmen liegen, die nachhaltige, wiederholbare Dividenden bei gleichzeitigem Wachstumspotenzial bieten. Das heißt, wir werden uns nicht für ein explosionsartiges Wachstum positionieren, das wir eher den USA zutrauen“, so Sheikh.

Die Politik sei erneut zum Problem für Großbritannien geworden. Vor drei Jahren habe man nie das Wort „Handelspolitik“ in den Mund genommen, weil diese Politik als Strategie überhaupt nicht lohne. In Großbritannien habe sie sich jedoch zu einem wichtigen Markttreiber entwickelt, vor allem was die Performance des britischen Pfunds gegenüber anderen Währungen betreffe, heißt es weiter.

„Während es nun einige Anleger vorziehen, das Land so lange zu ignorieren, bis sich die Aufregung um den Brexit gelegt hat, wollen wir uns mit einer relativ moderaten und neutralen Allokation am britischen Markt engagieren“, so Sheikh. Immerhin sei die Pfund-Schwäche ein Segen, denn über 70 Prozent der Umsätze von FTSE-100-Unternehmen würden im Ausland erwirtschaftet, heißt es weiter.

„In dieser spätzyklischen Phase des globalen Konjunkturaufschwungs werden wir mit Blick auf die quantitative Straffung und das Wirtschaftswachstumsgefälle, das zwischen den USA und dem Rest der Welt herrscht, weiterhin einen flexiblen Asset-Allocation-Ansatz verfolgen. So können wir die angestrebten Renditen jederzeit mit einem Risiko realisieren, das wir bereit sind zu tragen“, so Sheikh.