Allmählich kann ich das alles nicht mehr ernst nehmen: Wenn man die Kommentare vieler Kollegen so durchliest, dann hat man tatsächlich den Eindruck, die Welt sei in bester Ordnung und alles völlig normal. Ob das daran liegt, dass laut einer britischen Studie aus dem Jahr 2011 gut 80 Prozent der Menschen gar nicht in der Lage sind, negative Entwicklungen überhaupt zu verarbeiten? Diese Leute, immerhin die weit überwiegende Mehrheit unter uns, nehmen unerfreuliche Botschaften einfach nicht zur Kenntnis, weil sich ihr Gehirn schlicht weigert, schlechte Nachrichten bis in das Bewusstsein vordringen zu lassen.

Interessanter Gedanke. Machen Sie sich doch einmal die Mühe und sehen Sie sich spaßeshalber an, wer in ihrem beruflichen und privaten Umfeld zu diesen 80 Prozent gehören könnte. Man staunt wirklich.

Zum Glück sehen die Augen bei den meisten (vermutlich) trotzdem, was passiert. Sieht man sich etwa, nur als Beispiel, die Entwicklung der Geldbasis in den USA an, dann muss man zumindest ins Grübeln kommen, wenn man weiterhin die These vertreten möchte, alles sei in bester Ordnung:

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Gleiches gilt für die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, einer zentralen Kennzahl für die Dynamik einer Volkswirtschaft. In den USA taumelt dieser Indikator nun schon seit Jahren nahezu ungebremst in die Tiefe. Hier:

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Hier noch der Nonfarm Business Sektor. Auch nicht gerade erbaulich:

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Mit spielerischer Leichtigkeit ließen sich weitere Beispiele finden, die zeigen, dass die Politik der Notenbanken grandios gescheitert ist. Vielleicht ist das der Grund, warum sich diese Herrschaften nahezu im Wochenrhythmus zu Wort melden und beteuern, wie rosig die Lage doch aussieht. Ist es das Pfeifen im Walde?

Glücklicherweise scheinen zumindest die Verbraucher in den USA noch Augen im Kopf zu haben. Im November hat sich die Stimmung der Konsumenten „unerwartet stark eingetrübt“, wie das immer so schön heißt.

Laut Conference Board ist das Sentiment von 72,4 Punkten im Oktober auf nur noch 70,4 Zähler gefallen. Volkswirte hatten mit einem Anstieg auf 72,6 Punkte gerechnet.

Das hört sich nicht besonders dramatisch an. Blöd ist nur, dass die beiden großen Dauerhaussen der vergangenen 15 Jahre genau damit zu Grabe getragen wurden: „Überraschende Einbrüche“ beim Verbrauchervertrauen beendeten die Hausse bis 2000, wie auch jene bis 2007.

Das ist nicht schwierig zu verstehen: Wenn eine Volkswirtschaft zu 70 Prozent von den Konsumausgaben der Verbraucher getragen wird, was für sich genommen ja schon kompletter Irrsinn ist, dann kann jeder Anfall von Kaufzurückhaltung eine Katastrophe in Gang setzen. Gar nicht zu reden von plötzlicher Sparwut...

Die Chinesen haben es da besser. Die sparen traditionell sowieso ganz gerne - und mit besonderer Vorliebe tauschen sie ihre Notgroschen in Goldmünzen. Deshalb wird man sich dort vermutlich über das Geschrei gewundert haben, das anhob, als das Edelmetall kürzlich unter die „superwichtige Marke“ von 1.250 US-Dollar purzelte.

Angeblich seien jetzt sofort „wasserfallähnliche Verlusten“ zu erwarten, so war es zu lesen. Die Frage ist nur: Was ist „sofort“? Und welcher Wasserfall war gemeint? Als das nämlich tatsächlich passierte, das Gold also unter jene magische Marke „abstürzte“, denn eigentlich es war mehr ein müdes Dahindümpeln – da passierte: Gar nichts.

Wie zum Trotz schickt sich der MACD jetzt sogar an, ein Kaufsignal zu bilden. Frechheit! Sehen Sie sich nur die grüne Markierung in der folgenden Abbildung an.

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Ob das die Chinesen waren? Anstatt zu konsumieren kaufen die sich immer mehr Gold, wie man hören kann. Rund 2.000 Tonen sollen alleine in diesem Jahr dort aufgetürmt worden sein – 70 Prozent der Weltproduktion. Was die Chinesen wohl erst machen, wenn der Dow Jones bei 20.000 steht und Gold bei 500?

Wahrscheinlich werden sie dann auch endlich viel mehr konsumieren, anstatt Gold zu kaufen, weil sie verstanden haben, dass das doch irgendwie schlauer ist...

Und dann ist endlich alles wieder ganz normal...

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de