Um den US-Aktienmarkt steht es nicht gut: Seit dem Sell-off im Oktober befinden sich die wichtigsten US-Indizes in einer technisch angeschlagenen Verfassung, wie man unter anderem auch an dem jüngst aufgetretenen "Death Cross" ablesen kann. Bei fundamentaler Betrachtung gibt es ebenfalls zahlreiche Belastungsfaktoren: Handelskonflikt mit China, Stabilitätssorgen um Italien und Frankreich, Brexit, Konflikt zwischen Trump und Fed, und so weiter. Über allem schwebt das Damoklesschwert hoher Bewertungen und die Angst vor weiter steigenden Zinsen.

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    Die zahlreichen Sorgen und Ängste gehen an den Anlegern nicht spurlos vorbei: Nach einer Statistik des Finanzdienstleisters Lipper haben US-Anleger in der vergangenen Woche netto 46 Milliarden Dollar aus US-Aktienfonds abgezogen. Dabei handelt es sich um den größten Mittelabfluss aller Zeiten, berichtet Zerohedge. Aber nicht nur das: Auch aus Fonds auf Staats- und Unternehmensanleihen wurden hohe Milliardenbeträge abgezogen.

    Während sie sich von Aktien und Anleihen trennen wollen, scheint den Anlegern aktuell nur noch eine Anlageklasse sicher zu sein: Cash, oder die im Idealfall beinahe äquivalenten Geldmarktfonds. Ebenfalls laut Lipper konnten Geldmarktfonds in der vergangenen Woche einen Rekordzufluss von 81 Milliarden Dollar verbuchen.

    Dass die Anleger nun offenbar alle gleichzeitig Kasse machen wollen, kommt nicht von Ungefähr: In den vergangenen Jahren kannte der US-Aktienmarkt quasi nur eine Richtung, es ging wie in einem Aufzug schnurstracks nach oben. Nicht wenige Anleger sitzen durch die gestiegenen Aktienkurse noch immer auf großen Kursgewinnen. Jetzt, wo dunkle Wolken sich immer deutlicher am Horizont abzeichnen, wollen viele Anleger die noch verbliebenen Gewinne in Sicherheit bringen. Sie ergreifen die Flucht.

    Wenn aber alle durch die gleiche Tür flüchten wollen, kommt niemand unbeschadet davon. Am Aktienmarkt bedeutet das: Anleger werden ihre Papiere nur zu stark fallenden Preisen los. Ob der Kurseinbruch dabei fundamental oder charttechnisch gerechtfertigt erscheint, ist zumindest kurzfristig sekundär: Anleger wollen ihre Wertpapiere einfach schnellstmöglich zu Cash machen. Für langfristig orientierte Anleger kann eine extrem schlechte Stimmung natürlich auch eine gute Einstiegsgelegenheit bedeuten. Allerdings gilt das naturgemäß erst, wenn sich ein Großteil der Kursverluste bereits materialisiert hat.

    Ganz interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass einige US-Finanzmedien die jüngsten Kursverluste offenbar bewusst kleinreden wollen und vor allem Experten zu Wort kommen lassen, die bullisch gestimmt sind. Will das Establishment der US-Finanzindustrie den Markt etwa unter allen Umständen "oben halten"?

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