Den Haag (GodmodeTrader.de) - 2018 war für Autohersteller und Zulieferer ein schwieriges Jahr, in China gingen die Absatzzahlen zurück, und die Europäische Union führte neue Abgasnormen ein. Doch der Sektor könnte diese Widrigkeiten überwinden: Die Auswirkungen der neuen europäischen Regeln sind bereits nahezu verkraftet, und die Aussichten für den Autoabsatz in China sind im kommenden Jahr positiv, wie Nicolas Simar, Lead Portfolio Manager European Equity Dividend Strategies bei NN Investment Partners, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

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Dies gelte umso mehr, wenn Peking ein Konjunkturförderprogramm starte. Gleichzeitig lägen die Bewertungen im Automobilsektor derzeit nahezu auf Rezessionsniveau. Wenn der Autoabsatz wieder an Fahrt gewinne, dürfte sich der Sektor erholen. Davon sollten insbesondere Automobilzulieferer profitieren, heißt es weiter.

„Im Gefolge des Dieselskandals hat die Europäische Union mit dem WLTP-Standard (‚Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure‘) neue Regeln für die Messung der Autoabgase und des Kraftstoffverbrauchs eingeführt. Die im dritten Quartal 2018 eingeführten Tests sind zeitaufwändiger als das bisherige Verfahren. Da jedes einzelne Kfz-Modell untersucht werden muss, führte dies im Ergebnis zu massiven Problemen und Verzögerungen entlang der gesamten Lieferkette im Automobilsektor. Mittlerweile haben die meisten Unternehmen die neuen Tests jedoch weitgehend im Griff, und die Verzögerungen bei der Auslieferung von Autos konnten massiv reduziert werden. Damit dürfte die Zahl der Auslieferungen im kommenden Jahr gegenüber 2018 wieder deutlich anziehen“, so Simar.

Ein weiterer Faktor für die aktuell niedrigeren Bewertungen im Automobilsektor seien die enttäuschenden diesjährigen Absatzzahlen am chinesischen Markt. So sei der Absatz von minus vier Prozent im Juli auf minus zwölf Prozent im September und Oktober zurückgegangen. Hauptursache dafür seien die Unwägbarkeiten, die mit dem Handelskrieg zwischen China und den USA einhergingen, sowie der Kursrutsch am chinesischen Aktienmarkt. Die Verbraucher in China würden Konjunkturmaßnahmen erwarten, die den Autoabsatz und damit die chinesische Wirtschaftsleistung ankurbeln sollen, heißt es weiter.

„Das könnte dazu führen, dass Konsumenten in Erwartung staatlicher Zuschüsse ihren Autokauf erst einmal aufschieben. Die chinesische Automobilindustrie trägt maßgeblich zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei, insofern ist hier mit staatlichen Fördermaßnahmen zu rechnen, damit die Wachstumsraten die staatlichen Ziele erfüllen. Allgemein rechnet man mit einer Senkung der Verkaufssteuer für Kleinwagen von zehn auf fünf Prozent. Das hatte sich bereits 2016 als wirksame Maßnahme erwiesen. 2019 könnte dies dem Markt eine Zuwachsrate von zehn Prozent) bescheren, was fast zwei Millionen Autos entspricht. Noch sind diese Konjunkturmaßnahmen für den chinesischen Automarkt nicht beschlossen. Wir halten ihre Umsetzung allerdings für sehr wahrscheinlich, um die negativen Konsequenzen höherer Zolltarife auszugleichen“, so Simar.

Die Automobilbranche habe in diesem Jahr zu den Sektoren in Europa gezählt, die am Aktienmarkt am schlechtesten abgeschnitten hätten. Seit Jahresbeginn seien die Aktienkurse von Autoherstellern um annähernd 15 Prozent gefallen, Automobilzulieferer hätten sogar 35 Prozent eingebüßt. Die Bewertungen seien dramatisch zurückgegangen und befänden sich nahezu auf Rezessionsniveau. Der Markt scheine einerseits von einem anhaltenden Rückgang der Kfz-Absätze in China auszugehen und andererseits zu befürchten, dass die Märkte in den USA und Europa ihren Höhepunkt bereits überschritten hätten, heißt es weiter.

„Wir gehen davon aus, dass das geplante Konjunkturprogramm den chinesischen Markt erfolgreich anschieben wird. Die Märkte in den USA und Europa sind dank höherer Beschäftigungsquoten und steigender Kaufkraft vermutlich imstande, ihre aktuell hohen Niveaus beizubehalten. Solange es hier nicht zu einer Rezession kommt, bleibt der Autoabsatz in diesen Regionen auch weiterhin hoch“, so Simar.

Insofern sei der Pessimismus der Märkte übertrieben. Eine Erholung in China könnte für neue Dynamik beim Autoabsatz weltweit und damit auch zu einer Kurserholung bei den Aktien von Herstellern und Zulieferern sorgen. Bei steigenden Absatzerwartungen neigten die Aktien von Zulieferern dazu, besser abzuschneiden als die Aktien von Autoherstellern. Aktuell sei noch kein steigender Autoabsatz in China im kommenden Jahr eingepreist. Dabei dürfe man nicht vergessen, dass die meisten Hersteller und Zulieferer ein gutes Drittel ihrer Gewinne in China erwirtschafteten, heißt es weiter.

„In unseren Fonds NN (L) Euro High Dividend und NN (L) European High Dividend haben wir kürzlich eine Position im Automobilsektor aufgebaut. Hier sind wir bei bei Zulieferern übergewichtet, da sie von der Erholung an den europäischen und chinesischen Märkten profitieren dürften. Diese Aktien sind jetzt wieder attraktiv bewertet, denn ihre Bewertungen haben sich den während der letzten Rezession beobachteten Niveaus genähert. Zudem bieten sie mit einer Dividendenrendite von aktuell vier bis fünf Prozent überdurchschnittliche Dividendenerträge“, so Simar.