Sehr geehrte Privatanleger, Die Krise ist da. Sie findet auch bislang in der Heftigkeit statt, wie ich sie in „Der Crash kommt“ vorausgesagt habe. Letztes Jahr schrieb ich an dieser Stelle, dass die Trendwende an den internationalen Kreditmärkten erreicht sei und zitierte Michael Farell: „Die für die Wirtschaftspolitik Verantwortlichen haben das Ausmaß der Probleme der gesamten konsumbasierten US-Wirtschaft mit ihren billigen Auto- und erschwindelten Hypothekenkrediten schlichtweg ignoriert. Sie müssen jetzt langsam erkennen, wie Napoleon sich fühlte, als er siebzig Meilen vor Moskau stand.“ Heute bezweifelt keiner mehr das Ausmaß der Krise.

    Aber ich muss Sie enttäuschen: Ich bin kein Hellseher, obwohl ich vor drei Jahren mit meiner Warnung vor der kommenden Finanzkrise ziemlich allein auf weiter Flur statt. Der Ausbruch der Krise ließ sich vorhersehen, weil die Probleme und Risiken massiv waren und niemand etwas dagegen unternahm. Die nächsten Jahre lassen sich nicht vorhersehen, sie hängen immer auch von den handelnden Menschen ab. Es sind verschiede Entwicklungen möglich. Wie also sollten Sie sich positionieren?

    Das Jahr 1929 beschreibt ein mögliches Szenario, aber eben nur eines. Damals haben die Politiker so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte:

    · Die Bank of England betrieb eine deflationäre Politik.
    · Die Federal Reserve betrieb eine deflationäre Politik.
    · In den USA würden über 10.000 (!) von 25.000 Banken zahlungsunfähig und mussten schließen.
    · Nach Ausbruch der Krise wurden Zollmauern für den Außenhandel errichtet.
    · Die Rohstoffpreise gingen in den Keller.
    · In Deutschland und Österreich ließ die Politik ebenfalls größere Bankzusammenbrüche zu.

    Bislang haben die Verantwortlichen zumindest deutlich anders auf die Finanzkrise reagiert als vor 80 Jahren. Die Notenbanken schießen massiv Liquidität in den Markt. Banken werden gerettet und übernommen. (Das man als abschreckendes Beispiel einige wenige davon wirklich zusammenbrechen lässt, ist auch richtig.) Das hat dann zwar – wie jede starke Medizin – ununangenehme Spätfolgen, aber es ist, angesichts der Heftigkeit der Krise, zunächst einmal richtig. Das Scheitern des 700-Milliarden-Dollar-Rettungspakets im amerikanischen Kongress ist ein herber Rückschlag, aber es dürfte nicht das letzte Wortsein. Der amerikanische Kongress ist basispopulistisch und es stehen Neuwahlen an. Der Steuerzahler bezahlt nun leider die Exzesse der Investmentbanken und Superreichen. Dennoch werden die Parteiführer weiter daran arbeiten, dass in irgendeiner Form Rettungsaktionen zustande kommen. Auch Goldmann Sachs (WKN: 920332) hat bereits angekündigt, im Zuge der Umwandlung in eine normale Bank Assets im Wert von 50 Milliarden Dollar kaufen zu wollen.

    Ben Bernanke hat die Zeit der großen Depression sehr eingehend studiert. Paul Krugman sagte vor einigen Jahren, dass er „der einzige Erwachsene im Cockpit der amerikanischen Wirtschaft“ sei. Nun, in den letzten Monaten sind einige Politiker und Wirtschaftsführer über Nacht erwachsen geworden. Auf einmal wird in den USA der Ruf nach dem Staat laut. In einer Finanzzeitschrift las ich sogar: USSR = United States Socialist Republic!

    In der jetzigen Krise musste erst ein gutes Dutzend von 8.000 verbliebenen Banken in den USA geschlossen werden. Diese Banken halten weniger als ein Prozent aller Bankaktiva. Während der Sparkassenkrise in den späten 80er Jahren wurden mehr als 1.000 Sparkassen geschlossen. Allerdings: Was jetzt nicht ist, kann immer noch kommen. Die Krise ist keinesfalls vorüber.

    · Viele Banken auf der ganzen Welt halten verbriefte Schuldpapiere minderer Ordnung. Das Volumen für Kreditversicherungen beträgt schätzungsweise 62 Billionen Dollar, das Volumen aller Finanzderivate 550 Billionen Dollar, also das Zehnfache des Weltsozialprodukts.
    · Die USA sind längst überschuldet. Die Konsumenten des Landes können sich kaum noch weiter verschulden.
    · Das Nettovermögen der Amerikaner sank bislang von 57 Billionen auf 53 Billionen Dollar. Das hängt aber auch damit zusammen, dass viel Liquidität geschaffen wurde und viele Verluste noch nicht realisiert wurden. In der Neuauflage von „Der Crash kommt“ schrieb ich im Abschnitt „Wahnsinn Private Equity“, dass das Platzen der Private-Equity-Blase zumindest einen positiven Aspekt habe: Da das Kapital langfristig gebunden sei, würden viele Menschen erst nach und nach merken, dass Sie weniger Vermögen haben, als sie denken. Hier kommt noch einiges auf uns zu.
    · Die Preiskorrektur bei den amerikanischen Immobilien hat gerade erst begonnen.

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    · Sollte die US-Nachfrage auf den Weltmärkten zurückgehen (was ziemlich wahrscheinlich ist), wird dies auch Auswirkungen auf die europäische und chinesische Wirtschaft haben. Die Zukunft ist unsicher – heute mehr denn je. Aber es gibt auch sichere Grundsätze, an die wir uns halten sollten.

    Gold und Edelmetalle sind die beste Krisenvorsorge – und zwar in physischer Form. Ich empfehle eine Erhöhung des Goldanteils von fünf bis 7,5 Prozent auf zehn Prozent des Depotvolumens. Besonders vorsichtige Anleger können auch etwas mehr machen. Im letzten Jahr stand der Goldpreis bei 740 Dollar je Unze (521 Euro), heute (Ende September) steht er bei 875 Dollar (608 Euro).

    Dabei sind Gold und Edelmetalle immer nur „Versicherung“, niemals Spekulationsobjekt. Von März 2008 bis September 2008 fiel der Goldpreis um ein sattes Viertel von 1.000 Dollar auf 750 Dollar. Lassen Sie sich nicht von solchen kurzfristigen Schwankungen beeinflussen, auch bei Aktien nicht. An den heutigen Kapitalmärkten ist alles möglich.

    Gold sollte in nicht allzu ferner Zukunft bei mehr als 2.000 Dollar je Unze stehen.

    Qualitätsaktien sind auch in der Krise gute Kapitalanlagen. Wenn diese Unternehmen ein solides Geschäft mit Produkten oder Dienstleistungen haben, die auch in der Krise gefragt sind, breit aufgestellt sind und eine solide Bilanz haben, sind sie relativ sicher. Letztes Jahr erwähnte ich an dieser Stelle insbesondere vier Aktien: Nestlé (WKN: A0Q4DC), Berkshire Hathaway (WKN: 900567), Procter & Gamble (WKN: 852062) sowie Johnson & Johnson (WKN: 853260).

    Nestlé hat binnen Jahresfrist fünf Prozent an Kurswert eingebüßt, aber 2,5 Prozent Dividenden ausgeschüttet.

    Berkshire hat 8,5 Prozent gewonnen, schüttet aber keine Dividenden aus. Buffett denkt – nicht ganz zu unrecht – dass er das Kapital besser anlegen kann, als wenn er es den Anlegern zurückgibt. Für Buffett sind diese Zeiten ein Dorado. Nur jetzt kann er sich wirklich noch bewegen. Bei der Größe von Berkshire muss er zwei oder drei Milliarden auf einmal investieren, damit man es in der Berkshire-Bilanz überhaupt merkt. Als er zum Beispiel am 24. September Goldman-Vorzugsaktien mit einer Dividendenrendite von zehn Prozent zugesagt bekam, griff er zu und zwar OHNE die Bücher zu prüfen. Buffett kennt Goldman seit mehr als sechzig Jahren. Die Konditionen waren so gut, dass er einfach den Deal machte. Neben den Vorzugsaktien hat er auch die Option erhalten, innerhalb der nächsten fünf Jahre reguläre Aktien im Wert von fünf Milliarden zu einem Kurs von 115 Dollar zu kaufen.

    Das Schöne: Während Buffett auf die ganz großen Deals warten muss, gibt es bei den kleineren Qualitätsunternehmen schon wieder sehr viele, billige Schnäppchen, die wir für Sie beobachten.

    Procter & Gamble hat binnen Jahresfrist fünf Prozent eingebüßt, aber ebenfalls gut zwei Prozent Dividende ausgeschüttet und…

    …Johnson & Johnson hat sich stabil gehalten, bei einer ähnlichen Dividende.

    Jetzt gibt es noch drei weitere, absolut krisensichere Investments vorzustellen. Es handelt sich um die europäischen Vergleichsunternehmen zu Procter & Gamble und Johnson & Johnson, nämlich Henkel (WKN: 604843), Beiersdorf (WKN: 520000) und L’Oréal (WKN: 853888). Alle drei Unternehmen waren im letzten Jahr noch zu teuer, sind aber mittlerweile so stark gefallen, dass sie interessant werden. Henkel und Beiersdorf stellen wir in diesem Special vor. L`oreal in der kommenden Woche.

    Investmenttrends 2008 – 2009

    Die Börse ist immer unsicher, die Zukunft immer ungewiss. In der kommenden Phase gilt das noch mehr als sonst.

    Absicherung gegen unterschiedliche Szenarien durch Liquidität, Edelmetalle und verschiedene Aktien: Kommt die Depression, sind Liquidität und Edelmetalle am besten. Kommt die Stagflation, sind Aktien und Edelmetalle am besten. Sie benötigen also Aktien, Edelmetalle UND Liquidität.

    Aktien, mit denen Sie sich gegen unterschiedliche Szenarien absichern: Setzen Sie dabei, wenn möglich, immer auf gute Bilanzqualität (wenig Schulden), hohe Margen und Preisgestaltungsspielraum.

    a. Markenartikler wie Procter & Gamble (WKN: 852062) sind eigentlich in jeder Lage gut, wenn Sie sie halbwegs günstig einkaufen.
    b. Die Aktie von Berkshire Hathaway (WKN: 900567) bleibt ein Basisinvestment.
    c. Kommt keine Krise, werden sich Rohstoffaktien gut entwickeln. Ich empfehle ein bis zwei Rohstoff- oder Öltitel, zum Beispiel StatoilHydro (WKN: 675213) im Depot. Gleichfalls sage ich seit mittlerweile zwei Jahren, dass Sie Öl und Rohstoffe untergewichten sollen. Das habe ich letztes Jahr auch deutlich an dieser Stelle gesagt. Kommt die Krise, gehen diese Aktien in den Keller.
    d. Wir empfehlen seit mehreren Jahren Pharmatitel wie Novartis (WKN: 904278), GlaxoSmithKline (WKN: 940561) oder Sanofi-Aventis (WKN: 920657). Jetzt, in der Krise, zeigen sie ihre Stärke. Auch Buffett hält Pharmaaktien.
    e. Finanztitel sind nicht gleich Finanztitel. Kommt die Inflation, ist zum Beispiel meine Empfehlung American Express (WKN: 850226) hervorragend, da sich die Einnahmen größtenteils als einfacher Prozentsatz des Transaktionsvolumens berechnen lassen. Es gibt sehr gute Schnäppchen am Markt, wie Ihnen Buffetts Beteiligung an Goldman zeigt.

    So schwer es sein mag: Es gibt keine absolute Sicherheit. Wenn Sie Ihr ganzes Geld in Festgeld anlegen, lauert die Gefahr der Geldentwertung. Legen sie alles in Gold an, könnten Ihnen Renditen entgehen.

    Wie beim Deutschen Reinheitsgebot das Bier, sollte Ihr Portfolio nur aus reinen Zutaten bestehen: Edelmetalle in physischer Form, Termingelder, Qualitätsaktien und vielleicht erstklassige Anleihen mit kurzer Laufzeit (Aber Vorsicht: Die Banken verkaufen viele Produkte unter dem Begriff „Anleihe“, die damit nichts zu tun haben.). Einfache Standardfonds sind in Einzelfällen auch ratsam, aber niemals so genannte Themenfonds, die ein Thema ausbeuten, das gerade in Mode ist (also keine Rohstofffonds oder Fonds für erneuerbare Energien).

    Wenn Sie Ihre Anlageentscheidungen getroffen haben, heißt es: durchhalten! Wie bei einem Sturm bleibt man dann besser zu Hause als im Freien herumzulaufen. Das ist nicht einfach, aber es ist die einzig sinnvolle Strategie.

    Lassen Sie uns diesen Sturm gemeinsam meistern.

    Auf gute Investments,
    Ihr

    Prof. Dr. Max Otte