Umweltvergehen, wie die Abholzung der Tropenwälder, bergen für beteiligte Unternehmen, aber auch Staaten große Risiken. Denn: Anleger scheuen zunehmend die Reputations- und finanziellen Risiken des Kaufs dieser Vermögenswerte, was den Wert der betroffenen Aktien und Anleihen beeinträchtigt. Thede Rüst, Head of Emerging Markets Debt bei Nordea Asset Management und Manager der Emerging STARS Bond-Strategie, ist überzeugt: Investoren können viel bewirken im Kampf gegen Umweltvergehen. Sie haben wirksame Druckmittel in der Hand, um Unternehmen und Regierungen in die richtige Richtung zu bewegen.

„Kein Anleger möchte in ein Unternehmen oder einen Staat involviert sein, das beziehungsweise der mit Umweltkatastrophen, Umweltverschmutzung und Verstößen gegen die Umweltethik zu tun hat“, erklärt Thede Rüst. „Für Fixed-Income-Strategien wird dieser Aspekt besonders wichtig, da Emittenten in der Lage sein müssen, Kupons zu zahlen und Anleihen weit in der Zukunft zurückzuzahlen.“

Abholzung des Regenwalds – Risiko für Investoren
Als Beispiel für Umweltvergehen nennt Thede Rüst die illegale Abholzung der Tropenwälder. Laut einem Bericht der Umweltstiftung WWF hat die Abholzung der Regenwälder während der Corona-Pandemie einen neuen Höchststand erreicht: In 18 untersuchten Ländern in Afrika, Asien und Südamerika lagen die Verluste an Waldbedeckung im März 2020 rund 150 Prozent über dem März-Durchschnitt der Jahre 2017 bis 2019. Den größten prozentualen Zuwachs an Waldzerstörung erlitten dabei die untersuchten Länder Südamerikas.[1]

Seit sich der brasilianische Staatspräsident Jair Bolsonaro Anfang 2019 für eine Ausweitung der Flächen für Viehweiden, Sojaanbau und Bergbau in seinem Land ausgesprochen hat, habe die Abholzung der brasilianischen Urwälder immer größere Ausmaße angenommen. Staatsbehörden, die Farmer und Holzfäller für umweltrechtswidrige Abholzungen mit Geldbußen oder gar Haftstrafen belegen könnten, seien die Mittel gekürzt worden.

Mit der Zerstörung des brasilianischen Regenwalds sind aus Sicht des Experten Reputations-, operative und regulatorische Risiken verbunden, die auch Einfluss auf brasilianische Staatsanleihen haben können. „Unternehmen, die in die Zerstörung involviert sind – etwa Agrarunternehmen oder fleischverarbeitende Betriebe, die auf ehemaligen Regenwaldflächen Anbau betreiben bzw. Vieh von entsprechenden Weideflächen verwenden – werden bei Verbrauchern, Unternehmen und staatlichen Stellen als Geschäftspartner zunehmend weniger gerne gesehen“, sagt Rüst. „Gleiches gilt für brasilianische Staatsanleihen.“ Eine stärkere Isolierung des Landes könne das Wachstum der gesamten brasilianischen Wirtschaft bremsen und so die Wertentwicklung aller Anlagen in Brasilien und sogar in den Nachbarländern in Mitleidenschaft ziehen.

Investoren können viel bewirken
„Anleihemanager können bei der Begrenzung der Abholzung im Amazonasgebiet eine wichtige Rolle spielen“, ist Rüst überzeugt. „Schließlich haben sie wirksame Druckmittel in der Hand, um die Politik in die Verantwortung zu nehmen.“ So zog das Emerging Markets Debt-Team von NAM Konsequenzen aus dem wegen der Abholzung drohenden Wertverlust brasilianischer Staatsanleihen. Mit Verweis auf die negativen finanziellen Implikationen der Regenwaldrodung beschloss NAM 2019, für keine der intern verwalteten Schwellenländeranleihestrategien, einschließlich der Emerging STARS Bond-Strategie, brasilianische Staatsanleihen mehr zu kaufen. Auch aus dem brasilianischen Fleischkonzern JBS zog NAM sich zurück.

Im Juli vergangenen Jahres wurde NAM zudem Mitbegründer des Investors Policy Dialogue on Deforestation (IPDD). Die Anlegerinitiative tritt mit öffentlichen Stellen und Branchenverbänden in den Dialog über das Thema Abholzung – zunächst in Brasilien, wo eine Kurskorrektur am dringendsten nötig ist. Darüber hinaus appellierten im Juni 29 Investoren, zu denen auch NAM zählte, in einem offenen Brief an die brasilianische Regierung, der Zerstörung des Regenwaldes Einhalt zu gebieten und die Rechte der indigenen Bevölkerung zu schützen.

Abholzung betrifft alle Anleger
„Die Zerstörung des Regenwaldes im Amazonas und andernorts stellt eine massive Bedrohung für das globale Klima und die Weltwirtschaft und für die direkt betroffenen Länder eine gar noch größere Gefahr dar“, erklärt Rüst. „Das Thema Abholzung geht alle etwas an, nicht nur Investoren im Bereich ethischer Geldanlagen. Jede Anlegerin und jeder Anleger ist betroffen, denn der Wert ihrer jetzigen und potenziellen zukünftigen Anlagen steht auf dem Spiel.“

Optimistisch stimmen den Experten vielversprechende Maßnahmen der brasilianischen Wirtschaft. Einige Unternehmen hätten die Zeichen der Zeit erkannt und suchten aktiv nach innovativen Lösungen. So hat der Papier- und Zellstoffhersteller Suzano aus Sicht Rüsts ein interessantes Konzept entwickelt, um Anleihen auszugeben, die an den CO2-Ausstoß gekoppelt sind: Schaffe das Unternehmen es nicht, seine Emissionen zu drosseln, werde ein höherer Kupon fällig.