Kronberg im Taunus (BoerseGo.de) - Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen ist zuletzt unter die Ein-Prozent-Marke gefallen. Dies deutet darauf hin, dass die Investoren bedingt durch zuletzt schwächere Wachstumszahlen ihre Erwartung bezüglich quantitativer Lockerungsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach oben geschraubt haben. Sollte die EZB diesen Schritt tatsächlich gehen, dürften viele zuletzt eher zurückhaltend agierende Marktteilnehmer versuchen, rasch in die Märkte zu kommen. Das könnte zu einem weiteren Aufschwung von Aktien und Rentenpapieren führen, wie Carsten Roemheld, Kapitalmarktstratege bei Fidelity Worldwide Investment, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

Roemhelds Hauptszenario ist dies allerdings nicht. Der Kapitalmarktstratege geht davon aus, dass sich Staatsanleihen in den kommenden zwölf Monaten überwiegend seitwärts entwickeln werden. Zwar lägen die Zinsen der Staatsanleihen aus den Industrienationen leicht unter ihrem fairen Wert, doch die hohen Staatsschulden und die expansive Geldpolitik würden einen größeren Anstieg verhindern. Bei zehnjährigen US-Treasuries dürften die Renditen in den kommenden Monaten auf 3,0 bis 3,25 Prozent steigen. Im Euroraum dagegen würden die zuletzt beschlossenen Maßnahmen der zweckgebundenen Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO) die Zinsen auch bei Anleihen der Peripheriestaaten weiter niedrig halten. Ihre Risikoaufschläge gegenüber Bundesanleihen könnten sogar noch schrumpfen, heißt es weiter.

Bei Schwellenländeranleihen erwartet Roemheld in den kommenden zwölf Monaten Erträge im moderaten einstelligen Bereich. „Im Vergleich zu den meisten anderen Anleiheklassen, auch zum Hochzinsmarkt der Industrieländer, bieten Schwellenländeranleihen insgesamt aber ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis. Innerhalb des Emerging-Market-Segments erscheinen Firmenanleihen attraktiver als Staatstitel, vor allem weil letztere aufgrund ihrer im Durchschnitt längeren Laufzeiten stärker auf Zinsveränderungen reagieren. Gemeinsam mit Schwellenländeranleihen sind inflationsindexierte Anleihen womöglich die attraktivste Klasse im Bondsektor, da die Marktteilnehmer mittel- bis längerfristig noch von einer zu niedrigen Inflation ausgehen. Wir glauben, dass die Inflationsrate in Europa positiv bleiben wird, während sie in den USA auf 2,6 Prozent ansteigen sollte. Inflationsindexierte Papiere dürften sich auf Jahressicht deshalb besser entwickeln als normale Pendants", so Roemheld.