Zürich, 12. Dezember 2019 - Nach dem Rekord-Börsengang von Aramco wird die neu gelistete Aktie bald in globale Aktienindizes wie den Schwellenländer-Benchmarks von MSCI und FTSE aufgenommen. Angesichts des geringen Streubesitzes von 1,5 % wird die unmittelbare Auswirkung gering sein, aber angesichts der immensen Größe des Konzerns sollten Investoren die kommenden Indexbewegungen im Auge behalten.

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MSCI hat angekündigt, Aramco einen vorläufigen Streubesitz von 0,5 % zuzuweisen, was zu einer Gewichtung von etwa 0,15 % im MSCI Emerging Markets Standard Index und passiven Zuflüssen von rund 700 Mio. USD führen würde. Die Ausübung der Mehrzuteilungsoption ("Greenshoe") wurde in den Medien dementiert, und MSCI hat dies auch nicht erwähnt, so dass es vorerst nicht zu weiteren Zuflüssen kommen dürfte. MSCI plant, Aramco am 17. Dezember nach Handelsschluss in den Index aufzunehmen.

Bei FTSE erwarten wir einen Streubesitz-Faktor von 1 %, da der Indexanbieter plant, nur Aktien aufzunehmen, die institutionellen Investoren zur Verfügung stehen. Dies würde zu einem Anteil von rund 0,3 % am FTSE Emerging Markets Index mit rund 650 Mio. USD passiven Zuflüssen führen. Die Zuflüsse werden jedoch zusammen mit der Einbeziehung des gesamten saudi-arabischen Aktienmarktes in diesen Index erfolgen. Die Einbeziehung Saudi-Arabiens erfolgt in fünf Phasen, wobei vier Phasen bereits hinter uns liegen. Daher werden anfangs nur 75 % bzw. 490 Mio. USD zufließen. Die restlichen 25 % bzw. 160 Mio. USD folgen dann im Rahmen der fünften Phase im März 2020.

Für passive Investoren, wie z.B. Index-Tracker bzw. ETFs, sind die bevorstehenden Benchmark-Anpassungen bedeutsam, da die Verschiebungen noch weitreichender sein werden. Neben dem Börsengang von Aramco müssen sie auch den Aufstieg Kuwaits vom Frontier- auf den Emerging-Market-Status bei MSCI im Jahr 2020 berücksichtigen. Damit wird die Gesamtgewichtung für Aktien aus dem Mittleren Osten im MSCI Emerging Markets Index im nächsten Jahr um rund 30 % steigen. Für aktiv verwaltete Fonds spielen in diesem Zusammenhang neben der Bewertungsfrage vor allem die ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Governance) eine entscheidende Rolle. Die Bedenken liegen hier bei den dürftigen Corporate-Governance-Standards sowie bei Umweltfragen, da eine Investition in Aramco natürlich erhebliche Auswirkungen auf die CO2-Emissionen eines Portfolios hätte.