Buenos Aires (Godmode-Trader.de) - Mehr als 200 Mrd. Dollar Auslandsschulden, eine sehr hohe Inflation und ein dramatischer Wertverfall des Peso: Argentinien steckt in einer tiefen Krise. Seit Jahresbeginn hat der argentinische Peso rund 70 Prozent an Wert zum US-Dollar verloren. Er steht vor allem wegen der hohen Inflationsrate und der schwachen Wirtschaftsentwicklung unter Druck. Die Regierung hatte für Montag Schritte zur Eindämmung der Krise angekündigt.

    Ziel ist es, das Haushaltsdefizit senken, um die Regierung weniger abhängig von den Kreditmärkten zu machen. Für das kommende Jahr plant die Regierung einen ausgeglichenen Haushalt. Staatschef Mauricio Macri hat außerdem eine allgemeine Exportsteuer eingeführt, um das Defizit zu reduzieren. Er forderte in einer Erklärung einen Beitrag der Exporteure zur Überwindung der aktuellen Finanzkrise. Die neuen Exportsteuern sollen rund zehn Prozent betragen. Damit sollen 2019 zusätzliche Staatseinnahmen von 280 Mrd. Peso (6,5 Mrd. Euro) entstehen, das ist etwa die Hälfte des aktuellen Defizits. Der Präsident kündigte zudem eine Kürzung seines Regierungsteams an: Demnach soll die Zahl der Minister von 19 auf unter die Hälfte schrumpfen.

    Die Hoffnungen ruhen auch auf dem Internationalen Währungsfonds. IWF-Chefin Christine Lagarde und Finanzminister Dujovne wollen sich am Dienstag treffen. Der Fonds gewährte der drittgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas im Juni ein Hilfspaket von 50 Milliarden Dollar, davon wurden bereits kurzfristig 15 Milliarden ausgezahlt. Der IWF ist eigenen Angaben zufolge grundsätzlich bereit, schneller als geplant weitere Gelder aus dem Paket zu überweisen. Präsident Macri bestätigte die Aufnahme von neuen Verhandlungen mit dem Währungsfonds, um die Finanzierung der Staatsverpflichtungen für 2019 zu sichern.

    Nachdem die Zentralbank die Zinsen auf 60 Prozent erhöht hat und der Internationale Währungsfonds (IWF) fiskalische Sparmaßnahmen plant, scheint es aus Sicht von Paul Greer, Fondsmanager für Schwellenländer bei Fidelity International, wahrscheinlich, dass die Wirtschaft in den nächsten zwölf Monaten auf eine harte Rezession zusteuert. „Die unvermeidliche Rezession wird zwar dazu beitragen, das derzeitige Problem des Leistungsbilanzdefizits zu lindern. Es wird jedoch schwieriger für das Land, seine Haushaltsziele zu erreichen“, so Greer in einem Marktkommentar zur Krise in Argentinien. Der politische Druck auf Präsident Macri im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Oktober 2019 werde wachsen.