Boston (GodmodeTrader.de) - Auf den Finanzmärkten haben binäre Ergebnisse einen hohen Stellenwert: Wird die Fed die Zinsen senken? Wird es eine Lösung im Handelskrieg zwischen China und den USA geben? Viele kurzfristige Anlagethesen basieren auf der Vorhersage von Antworten auf Fragen dieser Art, wie Robert M. Almeida, Global Investment Strategist bei MFS Investment Management, in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.

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Doch das Vorhersagen des Unvorhersehbaren sei äußerst schwierig, und die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass man ebenso oft falsch wie richtig liege, heißt es weiter. „Wir glauben, dass Anleger besser beraten wären, wenn sie sich stattdessen an die Fundamentaldaten hielten – an das, was für langfristige Anlageergebnisse wesentlich ist. Aus meiner Sicht ist es besser, sich genau anzuschauen, was Unternehmen einzigartig macht – etwa ihre Wettbewerbsvorteile, ihre Fähigkeit, freien Cashflow zu generieren – und wie es um ihr geistiges Eigentum steht, statt Vermutungen anzustellen, ob ihre Kapitalkosten um 25 Basispunkte sinken werden“, so Almeida.

Analysten hätten schon deutlich vor der Wende des Zinszyklus Mitte 2016 ein Umfeld steigender Zinsen prognostiziert, heißt es weiter. „Das bekräftigt meine Überzeugung, dass es besser gewesen wäre, sich auf die Unternehmensfundamentaldaten statt auf makroökonomische Variablen zu konzentrieren, und seine Zeit nicht mit Mutmaßungen über die Zinsentwicklung zu verschwenden“, so Almeida.

Das bedeute nicht, dass Anleger die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen ganz außer Acht lassen sollten, sondern vielmehr, dass sie sie nüchtern betrachten sollten. Makroökonomische Daten würden oft falsche Signale senden. Das gelte heutzutage angesichts der Verschiebungen in der Weltwirtschaft durch die Digitalisierung umso mehr. Früher habe man, wenn man seinen Job verloren habe, auf direktem Wege Arbeitslosengeld beantragt. Heute melde man sich eher nicht beim Arbeitsamt, sondern lade sich eine App auf sein Smartphone herunter und ziehe in Betracht, für einen der Mitfahrdienste zu fahren oder für einen Online-Lieferservice Essen auszufahren. Oder man vermiete ein nicht benötigtes Schlafzimmer über Airbnb, heißt es weiter.

Wenn man beispielsweise die wöchentlichen Arbeitslosenmeldungen im historischen Kontext betrachte, könnte man vermuten, dass die Arbeitsmärkte im langjährigen Vergleich heute sehr angespannt seien und dass wahrscheinlich Inflationsdruck aufkomme. Doch die Menschen fänden finanzielle Lebenslinien, die es vor zehn Jahren noch gar nicht gegeben habe, und schafften es, sich über Wasser zu halten, ohne übermäßigen Lohn- oder Preisdruck für die Gesamtwirtschaft zu erzeugen. Dies habe zu einer niedrigeren strukturellen Arbeitslosenquote beigetragen, die in Verbindung mit geringer Inflation ein freundliches Anlageumfeld erzeugt habe, das von niedrigen Zinsen und geringer Volatilität gekennzeichnet sei, heißt es weiter.

„Zusammengefasst ist es also aus meiner Sicht besser, sich auf das Signal zu konzentrieren statt auf das Rauschen. In diesem Fall bedeutet es darauf zu achten, dass die Zahl der Arbeitslosenmeldungen gering ist, weil sich dank technologischer Innovation eine grundlegende Verschiebung der Wirtschaft vollzogen hat. Das Rauschen ist – heute noch mehr als in der Vergangenheit – weniger relevant. Oder einfach ausgedrückt sollte man sich weniger auf makroökonomische Signale fokussieren, sondern auf das, was für die Renditen der Finanzmärkte wirklich wesentlich ist: Fundamentaldaten und Cashflows“, so Almeida.