Die beiden folgenden Abbildungen sollten sich die Daueroptimisten einmal etwas genauer ansehen. Wer nämlich glaubt, dass der große Aufschwung schon hinter der nächsten Ecke lauert, der könnte sich schon bald wundern:

Der ECRI Frühindikator, der schon sehr frühzeitig Wendepunkte von Konjunkturzyklen in den USA anzeigt, hatte im Juni den größten Einbruch seit einem halben Jahrhundert zu verzeichnen. Die folgende Grafik zeigt die Wachstumsrate des Index. Dem jüngsten starken Anstieg folgte der größte Einbruch seit Jahrzehnten:

Zusammengesetzt ist der Index aus wichtigen Schlüsselkomponenten: Die Geldmengen gehen in die Berechnungen ein, die Preisindizes für industrielle Märkte, die Hypothekenanträge. Auch die Spanne bei der Qualität von Anleihen werden berücksichtigt, die Aktienkurse, die Erträge, die mit Anleihen zu erzielen sind sowie die Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung.
Das Pfiffige dabei: Der Index ist so aufgebaut, dass er schon vor Beginn einer Rezession nach unten abdreht und wieder aufwärts zeigt bevor die Wirtschaft in eine Wachstumsphase übergeht.

Die folgende Abbildung zeigt den Verlauf des Index seit 1967. Bedenklich ist, dass der ECRI-Indikator jetzt schon wieder abtaucht, obwohl die Wirtschaft in den USA die Rezession noch gar nicht verlassen hat. Die senkrechten grauen Balken bilden rezessive Phasen in den USA ab.

Und noch etwas fällt auf: Gegen die Entwicklungen, die wir seit Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im Sommer 2007 sehen, war die Krise von 2001 bis 2003 ein Kindergeburtstag. Die schwarze Markierung umfasst jene Phase, da alles noch ein wenig gemütlicher war als heute.

Jedem, der Ihnen den Unsinn erzählt, dass ja auch in der Baisse seinerzeit alles ganz ähnlich verlaufen sei und die Kurse anschließend stark gestiegen seien, dem sollten Sie deshalb diese Grafik unter die Nase halten.

Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse sind die nach wie vor sehr schlechten Zahlen vom US-Arbeitsmarkt ein Damoklesschwert: Solange von dort keine Entspannungssignale kommen, ist zu befürchten, dass sich die Lage tendenziell weiter verschlimmern wird. Womöglich hat Nobelpreisträger Paul Krugman ja Recht mit seiner Vermutung, dass die Welt an der Schwelle steht zu einer ausgedehnten Depression.

Auch an den Börsen gibt es interessante Erkenntnisse: In der vergangenen Woche hatten wir vermutet, dass sich die mögliche Trendwende beim S&P 500 in Form einer Schulter-Kopf-Schulter-Formation als Bärenfalle erweisen würde. Nun sind wir eine Woche weiter und in der Tat sieht es ganz danach aus, als würde die Börse die Mehrzahl der Anleger wieder einmal an der Nase herum führen. Die in der folgenden Grafik rot eingezeichnete Nackenlinie besagter Schulter-Kopf-Schulter-Formation wurde in dieser Woche wieder zurück erobert.

Wir können festhalten: Es bleibt so schwierig wie lange nicht mehr. Während die Börsenkurse immer noch recht munter dreinschauen, braut sich an der Konjunktur-Front womöglich gerade das schwerste Unwetter seit Jahrzehnten zusammen.

Wie das eine mit dem anderen zusammenpasst und was man jetzt tun sollte, das klären wir in der kommenden Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de