In einem Börsenkommentar war in dieser Woche nach einem Tag mit roten Vorzeichen folgendes zu lesen: „Die Spieler ignorieren die zahllosen massiven wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen und wollen deren Erfolg nicht abwarten“.

Offensichtlich ist dem Autor angesichts nicht abreißender Negativnachrichten und abbröckelnder Aktienkurse der Hut hochgegangen - und jetzt versucht man es eben mit einer Portion Zweckoptimismus. Doch das wird wenig nützen. Zur Erinnerung: Seit dem Sommer 2007 und der Initialzündung der Weltwirtschaftskrise mit dem Beginn des Immobiliendebakels in den USA, warten „die Spieler“ auf den Erfolg irgendwelcher „wirtschaftspolitischer Gegenmaßnahmen“. Was dabei herausgekommen ist, das sehen Sie hier:

Wie wenig diese Gegenmaßnahmen bislang gefruchtet haben, das wurde gleich am Montag klar: Nach Ansicht von Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, wird die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr noch drastischer einbrechen als bisher angenommen.
Ein Rückgang um „nur“ fünf Prozent sei nur dann zu erwarten, sollte es im Sommer einen deutlichen Aufschwung geben. Bleibt der aber aus, werde das nichts mit den fünf Prozent, so Norbert Walter. Dann wird es schlimmer.

Walter warf Unternehmen und Politikern vor, die derzeitige Lage schönzureden. Politiker und Unternehmen ignorierten die Wirklichkeit. Alle bisherigen Konjunkturprognosen werden bis Ostern überholt sein.

Auch in den USA macht sich Ernüchterung breit. Eine der letzten Bastionen des ewigen Optimismus scheint zu fallen: Die amerikanische Wirtschaft, die im vierten Quartal 2008 wie sich jetzt herausstellte nicht um 3,8 sondern um 6,2 Prozent geschrumpft war, soll den Prognosen der US-Notenbank zufolge im ersten Quartal 2009 um weitere 5,5 Prozent in die Knie gehen.

Und von wegen, es werde keine Verstaatlichungen bei den US-Banken geben. Was man noch vor wenigen Tagen hinausposaunt hatte, das ist schon wieder Schnee von gestern: Am Freitag gab es gehörige Aufregung um die Citigroup: Angesichts eines weiteren Milliardenlochs bei dem taumelnden Finanzriesen weitet die US-Regierung ihre Beteiligung von bisher acht auf bis zu 36 Prozent aus.

De Facto kommt das einer Teilverstaatlichung gleich. Die Aktie rauschte um fast 40 Prozent in die Tiefe. Zudem seien Abschreibungen auf den Goodwill in Höhe von 9,6 Milliarden Dollar nötig. Der S&P 500 ließ sich nicht lumpen und markierte ein Zwölf-Jahres-Tief. Man darf gespannt sein, wen es als nächstes erwischt. Womöglich die Vereinigten Staaten selbst? Kalifornien und Kansas sind bereits pleite.

Weil auch die Arbeitslosenzahlen in den USA in nie gekannter Geschwindigkeit explodieren, werden die Verbraucher allmählich nervös: Das Vertrauen der Konsumenten befindet sich auf dem niedrigsten Niveau seit 1967. Doch das ist noch nicht alles:

Während in früheren Rezessionen ein Wert von 60 für eine Trendwende beim Verbrauchervertrauen gut war, notiert der Index jetzt nur noch bei 25 (!) – und von einer Wende ist weit und breit nichts zu sehen. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Volkswirte mit wesentlich besseren Zahlen gerechnet hatten: Sie waren von einem Rückgang gegenüber Januar von 37,7 Punkten auf 35,0 Zähler ausgegangen.

Obama spricht...
In der Aufregung um eine Obama-Rede am Dienstag, der US-Präsident hatte in gewohnt blumiger Rhetorik versprochen, dass Amerika die Krise überwinden und gestärkt daraus hervorgehen werde, wurde im Faschingstrubel des Aschermittwoch eine kleine Meldung ganz übersehen:

Japans Exporte sind wegen der Weltwirtschaftskrise so stark eingebrochen wie nie zuvor. Im Januar sind die Ausfuhren um 45,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum „abgesoffen“, so muss man es ja schon formulieren. Nein, für die deutsche Konjunktur ist das kein gutes Zeichen, denn diese ist ungefähr ebenso abhängig von den Exporten wir die japanische Wirtschaft.

Da fällt mir ein: Heute rief mich ein besorgter Leser an, und fragte, warum denn die japanische Wirtschaft trotz hoher Verschuldung und lahmender Konjunktur in 20 Jahren wirtschaftlicher Flaute nicht in Chaos oder zumindest in Bedeutungslosigkeit versunken ist. In der Frage schwingt die Hoffnung mit, dass es ja auch den USA, Europa, Asien, Russland, Lateinamerika und dem Rest der Welt gelinge möge, aus all dem „irgendwie“ ungeschoren rauszukommen.

Merken Sie was? Genau: Der Unterschiede besteht darin, dass die japanische Krise in eine Zeit fiel, da sich die Weltwirtschaft auf Expansionskurs befand. Jetzt brechen nicht nur den Japanern die Exportmärkte weg, sondern gleichzeitig den Chinesen, den Europäern, den Amerikanern, den Russen – der ganzen Welt. Und niemand ist da, der Chaos oder Bedeutungslosigkeit noch verhindern könnte.

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de