In dieser Woche hat mich ein alter Freund angerufen. Man müsse doch jetzt unbedingt am Aktienmarkt investiert sein, erklärte er mir ganz aufgeregt. Schließlich werde die US-Notenbank am kommenden Mittwoch darüber entscheiden, ob sie weiter Staatsanleihen aufkaufen wird, und in welchem Umfang. Und da die Fed gar nicht anders könne, als weiter Geld in die Märkte zu pumpen, werde das die Kurse doch garantiert anfeuern.

Tja, leider ist das an der Börse immer so eine Sache: Dinge, die auf den ersten Blick vollkommen logisch und offensichtlich erscheinen, die nehmen in der Börsenpraxis oftmals eine vollkommen überraschende Wendung. Und dann passieren mit Vorliebe solche Dinge, die niemand auf der Rechnung hatte.

Leider ist das diesmal sogar besonders kompliziert. Am kommenden Mittwoch wissen wir nämlich auch, wie die Kongresswahlen in
den USA ausgegangen sind und ob die Obama-Regierung noch über eine stabile Mehrheit verfügt. Nach Lage der Dinge ist das eher unwahrscheinlich. Derzeit deutet alles auf eine „Watsch`n“ für den US-Präsidenten hin – und was die Märkte daraus machen werden, das ist völlig offen.

http://www.welt.de/debatte/kommentare/article10544626/Warum-Obama-die-Halbzeit-Wahlen-verlieren-wird.html
Auch ist es überhaupt nicht sicher, dass die Börsen eine weitere „quantitative Lockerung“ der US-Notenbank mit Partylaune aufnehmen werden. Sollte nämlich der Umfang der geplanten Maßnahmen enttäuschen, die Fed also weniger Staatspapiere in ihre Bücher nehmen, als die Börsianer erwarten, dann könnte auch das zu einem dramatischen Ausverkauf führen.

Auch der umgekehrte Fall wäre denkbar: Sind die Börsianer der Ansicht, dass es die Fed nun übertreibt mit ihrer lockeren Geldpolitik, dann könnte auch das für Turbulenzen sorgen. Was derzeit nämlich kaum jemand sieht: Sollten die Rohstoffpreise wegen des schwachen US-Dollar weiter steigen, dann könnte dies die allseits gefeierte Weltwirtschaftserholung im kommenden Jahr ziemlich unsanft stoppen.

Bläst die Fed nun über eine weitere Runde quantitativer Lockerung die nominalen Preise zu sehr auf, dann könnte auch die Inflation aus den Fugen geraten. Es ist ein Irrtum zu glauben, man könne Inflation „kontrolliert“ in die Märkte schleusen. Da die Auswirkungen von Notenbankmaßnahmen regelmäßig mit großer zeitlicher Verzögerung wirksam werden, ist eine kontrollierte Steuerung der Inflation eine schöne Illusion, der die Notenbanken dennoch allesamt erliegen. Wollen wir hoffen, dass die Fed mit ihren verzweifelten Maßnahmen, Inflation zu schaffen, nicht „völlig überraschend“ einen Inflationsschub auslöst, der die Konjunktur ausbremst und so, ebenfalls „völlig überraschend“, zu einer zweiten Rezessionswelle führt...

Es passt ins Bild, dass die großen Indizes auf der Kippe zu stehen scheinen, das gilt insbesondere für den Dow Jones. Sehen Sie sich dazu die folgende Abbildung an. Die jüngsten Tageskerzen beim Weltleitindex waren von Schwäche gekennzeichnet, RSI und MACD scheinen nach unten abzukippen.

Eine heftige Korrektur wäre ohnehin längst überfällig Für meinen Geschmack sind sich die Börsianer nämlich viel zu sicher, dass wir schon mittendrin sind in der Jahresendrallye. 7.000 Punkten beim DAX sind ja fast schon das untere Ende der Erwartungen, wenn es um die Kursziele bis zum Jahresende geht.

Wobei man einräumen muss, dass der Ausbruch beim DAX über die waagrechte Widerstandszone in der folgenden Abbildung recht überzeugend aussieht.

Solange sich der Index oberhalb von 6.300 Punkten festbeißen kann, bleibt die Lage für den DAX positiv. Allerdings sollte man sich daran erinnern, dass zuletzt auf jede Rally eine heftige Korrektur folgte. Erst oberhalb von 6.700 Punkten wäre dieses Muster hinfällig.
Schafft der Index den Sprung über diesen Bereich, womöglich im Sog weiterer Kurszuwächse bei S&P 500 und Dow Jones, dann könnte eine Variante ins Spiel kommen, die wir bereits in der Januar-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs angedacht hatten.

Damals hatten wir geschrieben:

„In einer so genannten „Katastrophenhausse“, dem letzten Aufbäumen der Bullen vor dem totalen Kollaps, einer Scheinblüte, die dem sterbenden System noch einmal zu einer letzten und äußerst trügerischen „Super-Hausse“ verhilft, kann die aus Furcht vor Geldentwertung ausgelöste Flucht in Sachwerte derart ausgeprägte Formen annehmen, dass dadurch die eigentlichen Probleme vollkommen überdeckt werden: Die Börsen steigen, obwohl sich die allgemeine Lage verschlechtert. Realwirtschaft und Börsenkurse driften auseinander. Ausgangspunkt ist eine Konjunkturkrise, in der die Selbstheilungskräfte des Marktes nicht mehr helfen.

Notenbanken und Regierungen versuchen dann, die Probleme zu lösen, indem sie immer mehr Geld in das System pumpen. Eine positive Wirkung auf die Realwirtschaft bleibt jedoch weitgehend aus. Doch am Ende sind die Staatsfinanzen ruiniert und die riesigen Geldmengen geistern durch das System, auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten.

Sehr spät erkennen immer mehr Menschen, dass Papiergeld letztlich nur einen Materialwert besitzt, der praktisch bei Null liegt. Es beginnt eine Flucht in Sachwerte. Die Preise für Immobilien, Rohstoffe und Aktien gehen durch die Decke. Am Ende hilft nur noch eine Währungsreform“.

Es fragt sich also, ob man sich über das Bullengefasel freuen sollte, das anheben wird, sollte die Party jetzt erst so richtig losgehen...

Wie wir die Lage einschätzen und was wir unseren Lesern raten, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die in wenigen Tagen erscheint.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de