Wir sind der Ansicht, dass sich die Kreditmärkte auf langfristige positive Trends für 2021 konzentrieren können, sobald einige der kurzfristigen Faktoren gelöst sind.

Die erwartete „Blaue Welle“ bei den US-Wahlen ist nicht eingetreten. Die Kreditmärkte scheinen sich mit einer Spaltung des Kongresses abgefunden zu haben; ein Szenario, das möglicherweise als das Beste beider Welten angesehen wird. Es eliminiert das Risiko eines fiskalischen Überschwangs, erheblicher Steuererhöhungen und begrenzt das Risiko einer Überregulierung. Es kann sich jedoch auf den Umfang und den Zeitpunkt dringend benötigter fiskalischer Anreize auswirken. Wir denken allerdings, dass die Wirtschaftsnachrichten in den USA positiv sind und in Verbindung mit einer positiven Ergebnisentwicklung im 3. und 4. Quartal die Fundamentaldaten der Unternehmen stärken.

Im Gegensatz dazu gibt die zweite COVID-19-Welle Anlass zu erheblicher Besorgnis, da die europäischen Regierungen erneut Mobilitätsbeschränkungen auferlegen. Die Auswirkungen dieser Beschränkungen auf das BIP in der Eurozone müssen noch vollständig bewertet werden.

Die jüngsten Nachrichten über die Entwicklung von Impfstoffen geben den langfristigen Fundamentaldaten Auftrieb. Nichtsdestotrotz wird die weltweite Verbreitung und Einführung eines Impfstoffs bzw. von Impfstoffen einige Zeit in Anspruch nehmen, und der dazwischenliegende Zeitraum bis zu einer weit verbreiteten Immunität kann einige materielle Risiken bergen.

Da das Umfeld weniger unsicher wird, dürften die Kreditportfolios unserer Ansicht nach von einer kurzfristigen taktischen Positionierung zu einer langfristigen, auf Fundamentaldaten basierenden Positionierung übergehen. Wir sind zuversichtlicher in Bezug auf die positiven Aussichten für Kreditassets, sind aber der Meinung, dass dies mit einem starken Fokus auf Bottom-up-Research zur Identifizierung und Steuerung des Risikos verbunden sein sollte.

Staatsanleihen werden in diesem Zusammenhang weiterhin ein Auf und Ab erleben, aber das langfristige Risiko besteht darin, dass sie unserer Ansicht nach zu höheren Renditen tendieren.

Der Ertragszyklus hat sich im 3. Quartal 2020 weltweit zum Positiven gewendet und sollte unserer Ansicht nach in vielen Regionen auch im 4. Quartal 2020 gut ausgerichtet bleiben (Europa könnte aufgrund von Lockdowns die Ausnahme sein). Das Angebot an Unternehmensanleihen war im Jahr 2020 unglaublich hoch. Die Unternehmen haben ihre Liquidität aufgestockt, um ihre Bilanzen vor den Auswirkungen von Lockdowns zu schützen. Wir gehen davon aus, dass sich diese Fundamentaldaten 2021 positiv auswirken und die Ausfallquote auf bereits identifizierte fragile Unternehmen in ausgewählten Branchen begrenzen werden. Wir erwarten außerdem eine Wiederherstellung der rückläufigen Leverage Ratio. Mit der fortgesetzten Unterstützung durch die Finanz- und Geldpolitik, wenngleich auch flexibel kalibriert, glauben wir, dass die Kreditmärkte im nächsten Jahr eine weitere Spread-Kompression erleben dürften.

High Yield- und Schwellenländer-Anleihen werden in diesem Umfeld potenziell profitieren.

Wir glauben, dass High Yield-Anleihen den Anlegern Carry bieten und somit eine attraktive Anlagemöglichkeit darstellen. Da die Zinssätze weiterhin niedrig sind, ist mit steigenden Renditen zu rechnen, und High Yield-Anleihen dürften davon profitieren, da diese Unternehmen dem Wirtschaftszyklus stärker ausgesetzt sind.

Die Kreditspreads der Schwellenländer liegen über denen der US-High Yields. Die Schwellenländer dürften von der Wiedereröffnung der Volkswirtschaften in aller Welt profitieren. Eine Biden-Regierung wird auch als berechenbarer für die Schwellenländer wahrgenommen. Der US-Dollar wird sich wahrscheinlich abschwächen oder stabilisieren, was den Schwellenländer-Märkten zugutekommen wird.