1. Die Auftragseingänge der deutschen Industrie tendieren weiter schwach. Zum fünften Mal in Folge sanken die Neuaufträge, im April um 1,8% mom. Kalender- und saisonbereinigt wird das Vorjahresniveau nur noch um 4,0% übertroffen.

2. Auch wenn die Analysten im Mittel mit einer Zunahme der Auftragseingänge gerechnet hatten (Bloomberg- Median: +0,4% mom) sprach einiges für einen Rückgang (DekaBank: -0,3% mom) – insbesondere die Tatsache, dass sich hinter dem schwachen Märzergebnis (-0,5% mom) ungewöhnlich viele Großaufträge verbargen. Im April kam es nun zu einem Rückprall, der die schwache Tendenz verstärkte.

3. Die gute Nachricht ist, dass sich die Inlandsorders noch wacker halten, sie legten um 0,3% mom zu. Erfreulich ist, dass nach den schwachen Vormonaten die Bestellungen für Investitionsgüter wieder zulegten (2,6% mom). Das erste Quartal stand unter dem negativen Vorzeichen der Abschaffung der degressiven Abschreibungen. Vorgezogene Investitionsvorhaben fehlten zu Jahresbeginn. Jetzt deutet sich eine vorläufige Stabilisierung an, gleichwohl wird die Investitionsnachfrage tendenziell gedämpft bleiben. In den kommenden Monaten dürften Rationalisierungsinvestitionen angesichts des Kostendrucks von Rohstoffen, Löhnen und Euroaufwertung dominieren. Die Zeit der großen Zuwächse bei Erweiterungsinvestitionen ist angesichts der sich abschwächenden Konjunkturperspektiven erst einmal vorbei. Die Konsumgüterproduzenten freuten sich über ein Plus bei den Inlandsorders um 0,4% mom, die Vorleistungsgüterproduzenten schauten in die Röhre: 2,0% mom weniger Auftragseingänge aus dem Inland als im Vormonat.

4. Die Auftragseingänge aus dem Ausland brachen hingegen ein (-3,8% mom). Hier spiegelte sich zum Teil der Rückprall auf die Großaufträge wider, der Rückgang ist aber auch ein deutliches Signal der konjunkturellen Abschwächung bei wichtigen deutschen Handelspartnern. Insbesondere die Nachfrage im Euroraum schwächt sich derzeit merklich ab. Der April brachte hier mit einer Rate von -5,6% mom den fünften Rückgang in Folge, während die Nicht-Eurozonen-Aufträge nur um 2,3% mom sanken. Europa rutscht derzeit in die Konjunkturdelle. Eine weitere Schlussfolgerung ist aber auch, dass es derzeit wohl weniger die Eurostärke als die schwache globale Konjunktur ist, die den Außenhandel beeinträchtigt. Man erkennt dies auch deutlich am DekaBank-Handelspartnerklima, bei dem die Unternehmensstimmung der 30 wichtigsten deutschen Handelspartner mit den Exportanteilen gewichtet zusammengefasst wird. Dieser Indikator befindet sich im Sturzflug. Momentan lässt der starke Euro noch nicht die Exporte, sondern zunächst erst die Margen im Exportgeschäft schrumpfen. Dämpfende Effekte der Eurostärke erwarten wir erst gegen Ende dieses Jahres.

5. Alles in allem ist der Start in das zweite Quartal misslungen. Unterstellt man Stagnation in den Monaten Mai und Juni, würden die Auftragseingänge noch stärker als im ersten Quartal, nämlich um 2,3% qoq zurückgehen. Auch wenn es wohl nicht ganz so schlimm kommen wird, ist klar, dass die Auftragspolster der Industrie Monat für Monat dünner werden. Das dämpft zuerst die Zuversicht und dann die Produktion.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.