Dow Jones und S&P 500 bemühen sich nach oben auszubrechen. Sie bemühen sich schon seit Monaten und scheiterten bisher redlich. Jetzt sieht es jedoch so aus, als würde es ihnen endlich gelingen. Versucht man das mit der wirtschaftlichen Entwicklung in Verbindung zu bringen, dann tut man sich schwer. Fundamental scheint das überhaupt nicht gerechtfertigt, zumal die vergangene Quartalssaison bestenfalls durchwachsen war. Trotzdem stehen die Chancen für einen Ausbruch gut.

    Uneingeschränkte Freude gibt es nicht, denn nicht jeder Index steht auf dem Sprung zu neuen Allzeithochs. Der Dow Jones Transportation Index konnte vergangene Woche nur sehr knapp einem Desaster entgehen. Die 200 Tageslinie wurde nur mit Mühe gehalten. Ein Bruch dieser Linie per Wochenschluss wäre fatal gewesen. So aber rettete sich der Index noch mit Ach und Krach wieder zurück in den grünen Bereich. Entwarnung gibt das dennoch nicht. Der Transportindex entwickelt sich sehr viel schwächer als die anderen Indizes. Als Vorlaufindikator gibt das zu denken.

    Laut klassischer Theorie sollte man als Anleger einem Ausbruch des einen Index nicht ohne Bestätigung des anderen Index trauen. Brechen Dow Jones und S&P 500 nach oben aus, ohne dass der Transportindex mitmacht, dann sollte man skeptisch sein. Ein Fehlausbruch wäre relativ wahrscheinlich. Einige wenige Analysten warnen davor. Mit Blick auf die verschiedenen Indizes muss man auch davor warnen. Doch eine Divergenz zwischen Dow Jones und Dow Jones Transportation allein bringt nicht notwendigerweise einen Fehlausbruch mit sich.

    Grafik 1 zeigt einen etwas zuverlässigeren Indikator als einfach nur die Feststellung, dass Transportaktien schlechter laufen als der Rest des Marktes. Dargestellt sind der Dow Jones und der Dow Jones Transportation Average. Sie laufen tendenziell parallel. Kommt es zu einer größeren und lang anhaltenden Divergenz, dann steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Korrektur. 1999 war das ein sehr gutes Warnsignal. 2008 hat das nur bedingt funktioniert.

    Es kommt nicht so sehr darauf an, ob der eine oder andere Index besser läuft. Es kommt sehr viel mehr auf das Ausmaß an. Dieses Ausmaß wird von der schwarzen Fläche dargestellt. Konkret zeigt es die Performancedifferenz zwischen Dow Jones und dem Dow Jones Transportation Average (DJTA) auf Jahressicht. Momentan ist die schwarze Fläche klein. Die Performancedifferenz liegt nahe 0%. Das heißt, dass auf Jahressicht beide Indizes in etwa die gleiche Performance gezeigt haben (ca. 10%).

    In diesen Tagen läuft der Dow Jones Industrial Average (DJIA) besser als der DJTA. Kommt es zu einem Ausbruch des DJIA und bleibt der DJTA in seinem Seitwärtstrend gefangen, dann wird die schwarze Fläche positiv. Immer dann, wenn die Fläche im positiven Bereich war kam es zu einer Korrektur des DJIA. Wenn die Outperformance des DJIA zu groß wird, dann korrigiert sich das früher oder später.

    Genau genommen liegt Wahrscheinlichkeit für eine Korrektur bei 80%, wenn die Outperformance des DJIA mehr als 10% gegenüber dem DJTA beträgt. Dort sind wir noch nicht. Der Dow Jones müsste bis 20.000 Punkte steigen bei gleichzeitig stagnierendem DJTA, damit es zu diesem äußert interessanten Setup kommt. Es besteht also keine sofortige Korrekturgefahr – zumindest nicht aufgrund der Indexdivergenz.

    Wie sieht es Abseits der Divergenz aus? – Gar nicht so schlecht. Die Realwirtschaft in den USA schleppt sich ein wenig dahin und Besserung ist nicht wirklich in Sicht. Die Lage ist trotzdem nicht aussichtslos. Der Transportation Service Index (TSI), der das tatsächliche Transportaufkommen in den USA misst, hat lediglich eine kleine Winterdelle gezeigt. Seit März steigt der Index wieder. Es scheint also für die Transportaktien kaum einen Grund für eine Underperformance zu geben. Die Seitwärtsbewegung zeigt vielmehr die Befürchtungen von Anlegern als die Realität. Das sind erst einmal gute Voraussetzungen, dass sich die Divergenz bald positiv auflöst. Ein wieder schwächer werdender Dollar sollte dabei helfen. Der wird den USA nicht sofort wieder höheres Wachstum bescheren, aber dafür wachsen die Unternehmensgewinne im zweiten Quartal wieder schneller. Das erste Quartal hat teils hohe Rückgänge gezeigt, weil der starke Dollar das Auslandsgeschäft gedrückt hat. Für das zweite Quartal sollten diese Faktoren nicht gelten und eher Rückenwind geben. Nach einer klaren Outperformance der europäischen Indizes im ersten Quartal sollte der US Markt nun bis in den Sommer hinein wieder outperformen.