Die Erzählung des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi weiß zu beeindrucken. Seien Sie ehrlich zu sich und beantworten Sie sich selbst die Frage, ob und wenn ja, in welchem Ausmaß Sie "das" betrifft. Mit "Das" meine ich die "Gier".

Ich veröffentliche diese Artikelserie "Ausgeglichenheit erreichen" unter anderem deshalb, um Ihnen neben unseren Nachrichten, Kursen, Einschätzungen, Prognosen und Tradingsignalen weitergehende Hilfestellung zu geben. Nicht nur Merkle, nicht nur Schaeffler und nicht nur jetzt auch Porsche geraten während der Finanzkrise in äußerste Stresssituationen, nein auch Teile der Anlegerschaft und Händlerszene. Wir haben über unser Netzwerk immer das Ohr am Markt und Fakt ist, dass immer bei stark einbrechenden Finanzmärkten gehäuft Informationen bei uns eintrudeln, wonach der eine oder andere Börsianer gesundheitlich in Schieflage geraten oder aber ganz aus dem Leben geschieden ist.

Wir gehen davon aus, dass der Aktienmarkt nach der Bärenmarktrallye wieder stark fallen dürfte. Dies wird die Stimmung unter Anlegern teilweise wieder erheblich drücken. Vor allem dann, wenn mit diesen fallenden Marktverhältnissen anlagetechnisch nicht umgegangen werden kann. Seien Sie also gut vorbereitet.

Nun aber zurück zum eigentlichen Inhalt dieses Artikels ... Leo Tolstoi ... "Wieviel Erde braucht der Mensch?"

Lesen Sie die folgende Zusammenfassung, die ich Wikipedia entnommen habe und lassen Sie sie auf sich wirken ...

Ich denke, dass ich das Stück nicht weiter kommentieren muß.

" Der Bauer Pachom kauft ein Stück Land und wird Gutsbesitzer. Er ist "stolz und glücklich". Doch sein Sinn für Eigentum ist geweckt. Mit seinen Grundstücksnachbarn verfeindet er sich wegen kleiner Flurschäden, die ihnen an seinen Feldgrenzen unterlaufen. Er wird auch bestohlen. Den Dieb kann er nicht überführen, seine Klage wird abgewiesen. „Nun war Pachom mit den Richtern und den Nachbarn verzankt. Die Bauern drohten ihm mit dem roten Hahn. So hatte Pachom zwar auf seinem Grund und Boden genügend Raum, doch in der Gemeinde wurde es ihm zu eng.“

Ostwärts, im Landesinneren ist gutes Land preiswert zu kaufen. Nachdem er dieses Gerücht überprüft hat, veräußert er seinen Besitz und siedelt sich vierhundert Werst östlich der Wolga an.

Pachom lebt jetzt „zehnmal besser“ als zuvor. Doch es gibt reichere Bauern als ihn. In dem Drang, sich zu vergrößern, überwirft er sich auch hier mit seinen Nachbarn. Da hört er von einem durchreisenden Kaufmann, bei den Baschkiren, noch weiter im Osten, könne man billig gutes Steppenland kaufen. Pachom reist mit seinem Knecht fünfhundert Werst zu den Steppenbewohnern.

Er wird in ihrem Zeltlager freundlich aufgenommen und darf so viel Land kaufen, als er von Sonnenaufgang bis -untergang zu Fuß umrunden kann. Mit der Bemessung seines künftigen Besitzes überschätzt Pachom seine Kräfte. Er bricht, als er endlich ein sehr großes Stück Land umschritten hat, wobei er zuletzt, bei sinkender Sonne verzweifelt gerannt ist, vor Erschöpfung tot zusammen.

„Der Knecht nahm die Hacke, grub Pachom ein Grab, genau so lang wie das Stück Erde, das er mit seinem Körper, von den Füßen bis zum Kopf, bedeckte – sechs Ellen –, und scharrte ihn ein.“ "


Ausgeglichenheit erreichen (3) - Musik, einfach "nur" Musik Datum 18.05.2009 - Uhrzeit 22:00
Ausgeglichenheit erreichen (2) - "Die fröhliche Wissenschaft" von Nietzsche
Datum 13.05.2009 - Uhrzeit 00:00

Um Ausgeglichenheit und Ruhe im Alltag des Handels an den Finanzmärkten zu erreichen, macht es meines Erachtens Sinn sich mit den Ideen und Gedanken derer zu befassen, die in der Vergangenheit Großes geleistet haben. Oft sind es nur vereinzelte Fetzen aus deren Werke, die einem selbst nützlich werden können. Und oftmals werden Dinge beschrieben, die unterschwellig ohnehin Teil seines Gedankenguts und Geisteseinstellung sind. Dennoch ordnet das Lesen solcher Werke das eigene mentale Geschehen bzw. frischt es auf.

Nachdem ich in dem vorhergehenden Artikel die Selbstbetrachtungen von Marc Aurel vorgestellt habe, steht im Fokus dieses Artikels nun ein Werk von Friedrich Nietzsche Die fröhliche Wissenschaft („la gaya scienza“).

42. Sich Arbeit suchen um des Lohnes willen - darin sind sich in den Ländern der Civilisation jetzt fast alle Menschen gleich; ihnen allen ist Arbeit ein Mittel, und nicht selber das Ziel; wesshalb sie in der Wahl der Arbeit wenig fein sind, vorausgesetzt, dass sie einen reichlichen Gewinn abwirft ... Nun giebt es seltenere Menschen, welche lieber zu Grunde gehen wollen, als ohne Lust an der Arbeit zu arbeiten ...

116. Heerden-Instinct. Wo wir eine Moral antreffen, da finden wir eine Abschätzung und Rangordnung der menschlichen Triebe und Handlungen. Diese Schätzungen und Rangordnungen sind immer der Ausbruck der Bedürfnisse einer Gemeinde und Heerde ... Das, was ihr als erstes frommt - und am zweiten und dritten -, das ist auch der oberste Maassstab für den Werth aller Einzelnen ...

120. Gesundheit der Seele. "Tugend ist die Gesundheit der Seele" müßte wenigstens, um brauchbar zu sein, dahin abgeändert werden: "deine Tugend ist die Gesundheit deiner Seele" ... Es kommt auf dein Ziel, deinen Horizont, deine Kräfte, deine Antriebe, deine Irrthümer und namentlich auf die Ideale und Phantasmen deiner Seele an, um zu bestimmen, was selbst für deinen Leib Gesundheit zu bedeuten habe ...

Nietzsche, Friedrich: Die Fröhliche Wissenschaft Nietzsche, Friedrich: Die Fröhliche Wissenschaft DrySun


Ausgeglichenheit erreichen (1) - Selbstbetrachtungen von Marc Aurel
Datum 05.05.2009 - Uhrzeit 07:00

Als Vollzeit-Trader oder aber sehr engagierter Teilzeit-Trader kennt man die gelegentlichen Tücken, die der Handel mit sich bringt. Je nachdem, wie intensiv man handelt und je nachdem, wie man seitens der Konstitution von Mutter Natur bestückt wurde, kann es Phasen geben, in denen das Marktgeschehen einem psychisch und/oder physisch mehr oder weniger etwas mitnehmen kann. Nicht umsonst findet man bipolare, also manisch-depressive Verstimmungen vor allem in dem Berufsstand der Trader. Ein Trader bewegt sich fortlaufend in dem Spannungsfeld zwischen steigenden und fallenden Kurse, zwischen Gier und Angst, zwischen Profit und Verlust. Nur bei wenigen Berufen ist das Ergebnis dessen, was man macht, so offen, wie im Trading.

So wie jeder Anleger entsprechend seines persönlichen Charakterprofils entscheiden muß, wie er handelt (Diskretionär ? System ? Scalptrading ? Oder doch besser Positionstrading ?) und was er handelt (Aktien ? Oder doch CFDs oder Futures ?), so muß er auch entscheiden und wissen, was als Ausgleich zu diesem Beruf für ihn am besten ist.

Ich stelle ihnen in einigen Artikeln einmal vor, wie ich es handhabe oder meine Trader. Eigentlich ganz einfach. Und uns geht es eigentlich richtig gut.

Als erstes stelle ich Ihnen Marc Aurel und seine “Selbstbetrachtungen” vor. Einfache Weisheiten, die einen aber auf dem Boden bleiben lassen; und zwar gerade auch dann, wenn man Verluste eingefahren hat und dann, wenn man einen Tages-Profit herausgeholt hat, der dem Monatsgehalt eines Normalsterblichen entspricht.

Aurel (* 26. April 121 in Rom; † 17. März 180 in Vindobona oder eventuell Sirmium) war von 161 bis 180 römischer Kaiser und der letzte bedeutende Vertreter der jüngeren Stoa.

Die stoischen Philosophen unter seinen Lehrern, denen Mark Aurel zeitlebens dankbar war, mögen entscheidend zu einer Wendung beigetragen haben, die er bereits als Zwölfjähriger genommen hat, als er sich in den Mantel der Philosophen kleidete und fortan auf unbequemer Bretterunterlage nächtigte, nur durch ein von der Mutter noch mit Mühe verordnetes Tierfell gepolstert. Hier hat offenbar eine Lebenshaltung ihren Anfang genommen, die in den auf Griechisch verfassten Selbstbetrachtungen (ta eis heautòn) der späten Jahre festgehalten wurde. Dabei dürften die Grundlagen der dort formulierten Überzeugungen bereits frühzeitig gegolten haben, denn sie fußten auf einer bald 500-jährigen und gleichwohl lebendigen Tradition stoischen Philosophierens. Qualifizierungsprozess und Herrschaftspraxis sind gerade darum in engem Zusammenhang mit seinen Selbstbetrachtungen zu sehen, weil die Einheit von Denken und Handeln, von Wort und Tat für seine Daseinsauffassung vorrangig war

“Unterdrücke die bloße Einbildung; hemme die Leidenschaft; dämpfe die Begierde, erhalte die leitende Vernunft bei der Herrschaft über sich selbst.”

“Gewöhne dich auf die Rede eines anderen genau zu achten, und versetze dich so viel wie möglich in des Redenden Seele.”

Selbstbetrachtungen - Marc Aurel