Es kommt zu ruckartigen Veränderungen. In Australiens regierender Arbeiterpartei putscht sich der vor drei Jahren abgesetzte Kevin Rudd zum neuen Premierminister und stößt damit seine allzu optimistische Rivalin vom Thron. Ihr Optimismus hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage, in der sich Australien befindet, wird dafür verantwortlich gemacht, dass die Arbeiterpartei in Umfragen nur wenige Wochen vor den nationalen Wahlen immer mehr an Boden verloren hat.

    Daher spricht Rudd jetzt Klartext. Er sieht den durch Chinas Nachfrage getriebenen Minen-Boom am Ende, Australien könnte in eine Rezession stürzen. Seit November 2011 hat die australische Zentralbank den Leitzins um zwei Prozentpunkte gesenkt und warnt immer noch davor, dass die australische Wirtschaft bestenfalls nur unterdurchschnittlich wachsen wird. Die australische Volkswirtschaft müsse ein neues Gleichgewicht finden, da die Bergbauunternehmen kaum noch in neue Projekte investieren.

    Dass China, der größte Handelspartner Australiens, seine problembehafteten Banken offenbar einfach fallen lässt, hilft dem Ausblick im aktuellen Umfeld nicht weiter. Das Wachstum der industriellen Fertigung rutschte in China im Juni auf den niedrigsten Stand seit vier Monaten und wahrscheinlich wird sich das chinesische Wirtschaftswachstum das zweite Quartal in Folge verringert haben, zeigt eine Umfrage von Bloomberg. Laut Rudd steht China für 10% des australischen BIPs.

    Chinas neue Führer steuern das Land durch eine schwierige Umstellung weg von der Werkbank der Welt, die große Mengen Rohstoffe benötigte, und hin zu einer konsumorientierten Mittelstandsgesellschaft. Wie schnell und direkt China bei wirtschaftlichen Entscheidungen handeln kann, haben wir in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten ja hautnah miterleben dürfen. Ich rechne damit, dass uns hier noch viele Überraschungen ins Haus stehen werden.

    Jetzt müsse Australien stärker werden in der industriellen Fertigung, bei Dienstleistungen, im Agrarsektor. Investoren sind skeptisch. Der australische Dollar fällt wie ein Stein und auch über Nacht verlor er gegenüber dem US-Dollar wieder um 1,3 Cents an Boden.

    Die Entwicklungen um Australien und China sind für mich Indizien dafür, dass der Superzyklus bei Rohstoffen vorüber sein und eine Aufwertungsphase des US-Dollars vor uns liegen könnte.