Das erhebliche Risiko, dass sich aus diesen Notfallkrediten ergibt, trägt formal die nationale Zentralbank bzw. der dahinter stehende Staat. Also Griechenland. Aber ist das wirklich so? Wie das ELA-Risiko wiederum zwangsvergemeinschaftet wird, zeige ich Ihnen anhand des TARGET2-Mechanismus.

Man kann es kompliziert erklären, und das wird auch gerne getan, aber es geht auch recht einfach.

Fall 1: ein Bankkunde überweist innerhalb eines Landes Geld von einer Bank zur anderen. Also angenommen die Deutsche Bank gewährt Ihnen 100 TSD EUR Kredit, und Sie überweisen diese Summe auf Ihr Commerzbank-Konto. Passiert ist folgendes:

Schritt 1: Die Deutsche Bank schafft 100 TSD EUR neues Geld (Giralgeldschöpfung)

Schritt 2: Die Deutsche Bank “verliert” 100 TSD EUR Zentralbankgeld (Bundesbank)

Schritt 3: Die Commerzbank “gewinnt” 100 TSD EUR Zentralbankgeld (Bundesbank)

Schritt 4: Sie haben jetzt 100 TSD EUR Guthaben auf dem Commerzbank-Konto.

Nahezu identisch wäre es übrigens gewesen, hätten Sie das Geld in bar abgehoben und in bar wieder eingezahlt.

Fall 2: Griechischer Bankkunde überweist 100 TSD EUR seines Bestandes von der Alpha Bank zur Commerzbank in Deutschland. Was passiert?

Schritt 1: Die Alpha Bank “verliert” 100 TSD EUR Zentralbankgeld bei der griechischen Zentralbank.

Schritt 2: Die Commerzbank “gewinnt” 100 TSD EUR Zentralbankgeld bei der Bundesbank.

Schritt 3: Kunde hat 100 TSD EUR Guthaben bei der Commerzbank

Schritt 4: Die Bundesbank hat eine 100 TSD EUR Forderung gegen die griechische Zentralbank (Abwicklung über TARGET2)

So, jetzt wird es spannend. Jetzt kommt nämlich ELA ins Spiel. Wenn mehr und mehr Kunden Gelder transferieren (oder abheben), dann geht der Alpha Bank (und nicht nur der) das nötige Zentralbankguthaben aus, um die Kundenwünsche zu befriedigen. Irgendwann wäre einfach Schluss und die Bank müsste dicht machen. Über die ELA wird dieser Punkt aber nach hinten verschoben. Denn ELA bedeutet neues Zentralbankgeld!

In dem Maße, wie dieses neu "gedruckte" Geld dann ins Ausland überwiesen wird, steigt (unter sonst gleichen Bedingungen) der TARGET2-Saldo. Im Januar lagen die Forderungen der Bundesbank gegen das EZB-System bei 515 Mrd. EUR (so hoch wie seit November 2013 nicht mehr).

Übrigens kleines Detail am Rande: Eine Spur besser für Deutschland wäre es, würden die Griechen ihr Geld in cash abheben und in cash wieder einzahlen. Dann entsteht zumindest die Target2-Forderung nicht...

Aber was ist das Problem?

Das wird erst so richtig offensichtlich, wenn der auf Ewigkeit angelegte Euro auseinanderfliegt.
Es ist schon für den Fall des Austretens eines Landes völlig unklar, was passieren soll mit der Target-Verbindlichkeit der entsprechenden nationalen Zentralbank. Vollends chaotisch würde es bei einem kompletten Ende des Euro. So lange alle zusammen bleiben, handelt es sich “nur” um Buchungsposten. Aber wer glaubt noch daran?

ELA gehen also alle an!

Es ist mitnichten so, dass das Risiko nur bei dem jeweiligen Staat liegt. Im Euro haftet leider in der Realität jeder für jeden mit, auch ohne Eurobonds.