• Bayer AG - Kürzel: BAYN - ISIN: DE000BAY0017
    Börse: XETRA / Kursstand: 69,040 €

Hannover (Godmode-Trader.de) - Bayer zahlt insgesamt 10,1 bis 10,9 Mrd. Dollar und geht davon aus, dass damit die große Mehrzahl der etwa 125.000 bei Bundes- und bundesstaatlichen Gerichten in den USA eingereichten Klagen im Zusammenhang mit angeblich krebserzeugenden Wirkungen des Unkrautvernichtungsmittels Roundup beigelegt werden kann. Ein Schuldeingeständnis von Bayer ist damit ausdrücklich nicht verbunden. Die drei bisher vor Gericht verhandelten Fälle, in denen Bayer zu hohen Schadenersatzzahlungen verurteilt wurde, sind nicht Teil des Vergleichs.

In einem weiteren Vergleich zahlt Bayer bis zu 400 Mio. Dollar zur Beilegung von Produkthaftungsklagen wegen Verwehungen und vermeintlicher Ernteschäden des Unkrautvernichters Dicamba. Bayer erwartet einen finanziellen Beitrag der in diesem Verfahrenskomplex mitverklagten BASF. Gegen die Zahlung von etwa 820 Mio. Dollar wird zudem ein wesentlicher Teil der Verfahren zur Gewässerverunreinigung durch die Chemikalie PCB beigelegt.

Bayer rechnet damit, dass der mögliche Mittelabfluss für die Vergleiche in diesem Jahr beginnt und jeweils 5 Mrd. Dollar in 2020 und 2021 nicht übersteigt. Der Restbetrag dürfte in 2022 oder danach fällig werden. Zur Finanzierung kann auf vorhandene Liquidität, den künftigen Cash Flow, den Erlös aus der Veräußerung des Animal-Health-Geschäfts sowie auf zusätzliche Anleiheemissionen zurückgegriffen werden. Nach Gesprächen mit den Ratingagenturen geht Bayer davon aus, Investment-Grade-Ratings zu behalten. Die Dividendenpolitik soll trotz der Zahlungen beibehalten werden.

Mit den jetzt erzielten Vergleichen kann Bayer die wesentlichen Monsanto-Verfahrenskomplexe beilegen, konstatierte die NordLB. Das von Bayer verfolgte Ziel, eine wirtschaftlich akzeptable Lösung zu finden und weitreichende Sicherheit zu erlangen, dass ein Schlussstrich unter die Verfahren gezogen werden kann, dürfte somit erreicht sein. „Da sich zuletzt bereits abzeichnete, dass ein Vergleich in greifbare Nähe gerückt ist, und die vereinbarten Zahlungen auch im Rahmen der Markterwartungen liegen, wird sich die unmittelbare Kursreaktion der Bayer-Aktie in Grenzen halten“, erwartet Analyst Thorsten Strauß.

Längerfristig sollte sich die erzielte Einigung aber positiv auswirken, ermögliche sie doch jetzt wieder stärker die Fokussierung auf das eigentliche Geschäft und nehme dem Kurs die Belastung möglicher langwieriger Gerichtsverfahren mit ungewissem Ausgang. Die NordLB hat daher das Kursziel auf 78,00 angehoben, die Empfehlung für die in den zurückliegenden Wochen schon deutlich gestiegene Aktie lautet „Halten“.

Die wichtigste Frage sei nun, wie der Pharma- und Agrochemiekonzern nun wieder zu einer attraktiven Anlage werden könne, konstatierte die Citigroup. Während im Konsumentengeschäft die Erholung an Fahrt aufnehme, sei die Pipeline in der Pharmasparte wenig spannend. Auch die Aussichten für die Rohstoffpreise im Agrargeschäft seien durchwachsen. Unter anderem Bewertungsgründe sprächen aber für einen Kauf der Aktie, urteilte die Citigroup, die Bayer daher auf "Buy" bestätigte.

Warburg Research „begrüßt“ den Deal, den Bayer erreichen konnte. Die Vergleichszahlungen seien ein überschaubarer Betrag. Deutlich wichtiger sei, dass der Vergleich es Bayer ermöglichen sollte, sich stärker auf sein operatives Geschäft zu konzentrieren. Damit soll laut Warburg nun auch der Fokus auf den fundamentalen Wert des Unternehmens gelenkt werden. Errechnet hat Analyst Ulrich Huwald nach den Vergleichen ein Kursziel von 81 Euro. Angesichts der starken Aktienkursreaktion nach der Ankündigung des Vergleichs bleibe das weitere Kurspotenzial jedoch begrenzt. Vor diesem Hintergrund und angesichts der anhaltenden fundamentalen Unsicherheiten hinsichtlich der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf das Geschäft von Bayer bestätigte Huwald sein „Halten“-Rating.

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