Derzeit geht es an der Börse drunter und drüber. Einen Tag geht es steil bergab. Alle Welt redet vom Bärenmarkt. Am nächsten Tag, wie zur Wochenmitte, geht es wieder steil bergauf. Alle reden plötzlich von einer Rallye.

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    Bei so vielen Meldungen verliert man manchmal das große Ganze aus den Augen. Der Dax hat vom Hoch Anfang 2018 bis zum Tief diese Woche ganz knapp 20 % korrigiert. Offiziell sprechen viele vom Bärenmarkt bei einer Korrektur von 20 % und mehr.

    Wenn man etwas großzügig ist, dann stecken wir in Deutschland in einem Bärenmarkt. Vielen anderen europäischen Märkten geht es nicht anders. In den USA sind wir davon noch ein Stück entfernt. Immerhin hat der Nasdaq Composite in der Spitze fast 16 % verloren. Das ist schon recht ordentlich für einen US-Leitindex.

    Ich glaube nicht, dass wir das endgültige Tief bereits gesehen haben. Der Markt ist zwar volatil, aber nach einer klassischen Kapitulation sieht es nicht aus. Dennoch gibt es einen Silberstreif.

    Oftmals wird in den USA von einem rollierenden Bärenmarkt gesprochen. Dabei geht ein Sektor nach dem anderen durch einen Bärenmarkt. Aktuell sind die Technologieaktien dran. Da es hier Schwergewichte wie Apple, Amazon und Microsoft gibt, die einen Großteil vieler Indizes ausmachen, kommt auch der Gesamtmarkt deutlicher unter Druck als zuvor.

    Technologiewerte machen 25 % des S&P 500 aus. Korrigiert dieser Sektor, haut das rein. Wenn hingegen der Immobiliensektor korrigiert, interessiert das den S&P 500 überhaupt nicht. Die Gewichtung liegt bei weniger als 3 %. Selbst wenn alle Immobilienwerte auf 0 fallen würden, gäbe das nicht einmal einen Kratzer.

    Der Immobiliensektor hat schwere Zeiten hinter sich. Diese Woche brach das Sentiment massiv ein (siehe Grafik).

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    Die Aktien von Bauunternehmen reagierten darauf kaum. So manche Aktie hat ihr Tief klar Ende Oktober durchschritten und notiert trotz schlechter Meldungen vom Markt wieder deutlich höher. Von den 8 hier gezeigten Werten im Vergleich sind auf Monatssicht 6 im Plus. So manches Plus beläuft sich auf über 20 %.

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    Aktien, die von einer boomenden Immobilienwirtschaft profitieren

    Hier scheint der Bärenmarkt zumindest vorerst vorbei zu sein. Solchen der Technologiesektor nicht maßgeblich dreht, wird es dem Gesamtmarkt schwerfallen, ebenfalls nach oben zu drehen.

    Die eher geringe Korrektur des S&P 500 ist genau darauf zurückzuführen, dass nicht alle Sektoren gleichermaßen korrigieren. Viele Sektoren haben einen signifikanten Bärenmarkt hinter sich.

    Persönlich gehe ich daher nicht davon aus, dass wir einen katastrophalen Bärenmarkt wie 2008/09 oder zur Jahrhundertwende erleben werden. Ein Großteil der Sektoren haben die Korrektur so langsam hinter sich. Mit der hohen Gewichtung der Technologiewerte kann es aber insgesamt weiter nach unten gehen. Das wäre ganz gesund.

    Persönlich halte ich mein Pulver vorerst weiter trocken, denn der milde Bärenmarkt hat auch einen Haken. Das Gewinnwachstum der Unternehmen schwächt sich massiv ab und die Zinsen steigen. Gigantische Kursgewinne wie in den letzten Jahren sind selbst nach Ende des Bärenmarktes illusorisch.