Wer ist Christine Lagarde, die ab November die Europäische Zentralbank (EZB) führen wird? Schon von ernstzunehmenden Marktbeobachtern wurde der Verdacht geäußert, die frühere Synchronschwimmerin, ehemalige französische Finanzministerin und Ex-IWF-Chefin könnte den Regierungen in Europa vielleicht etwas zu sehr verbunden sein. Denn eigentlich ist die Europäische Zentralbank (EZB) eine politisch unabhängige Institution und darf zum Beispiel auf keinen Fall Staatsfinanzierung durch die Notenpresse betreiben. (Ob sie sich an dieses Verbot hält, ist natürlich umstritten. Lesen Sie dazu auch: Hat die EZB die rote Linie zur Staatsfinanzierung überschritten?)

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Doch Lagarde hat ihre eigenen Vorstellungen von Unabhängigkeit. 2007 schrieb sie an den damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy einen unterwürfigen Brief, in dem es heißt: "Benutze mich so lange, wie es dir passt (...) Wenn du mich brauchst, benötige ich deine Führung und Unterstützung: ohne Führung wäre ich ineffizient. Mit meiner immensen Bewunderung, Christine L.".

Auf den Brief Lagardes, der im Rahmen einer staatsanwaltschaftlichen Untersuchung gegen Lagarde wegen Untreue publik wurde, hat jetzt Martin Sonneborn, fraktionsloses Mitglied im Europäisches Parlament und Gründer der Satirepartei "Die PARTEI", anlässlich der Wahl von Christine Lagarde zur neuen EZB-Präsidentin hingewiesen.

Sonneborn wirft in einer Stellungnahme einen umfangreichen Blick in Lagardes Vergangenheit und findet manches, was er anstößig findet. Seine Stellungnahme zur Wahl von Lagarde ist in einem Twitter-Post enthalten. Martin Sonneborn schrieb am Dienstag:

"Die Bestellung von Christine Lagarde (kriminell) zur EZB-Präsidentin wurde heute vom EU-Parlament bestätigt. Ohne meine Stimme, möchte ich zu meiner Ehrenrettung klarstellen.
Lagarde hat eine beispiellose Karriere hinter sich. Als französische Finanzministerin war sie nicht nur für die Veruntreuung von 403 Mio. Euro verantwortlich, sondern hat ihrem Land auch eines der ruinösesten Haushaltsdefizite der Geschichte hinterlassen.

Als IWF-Chefin vertrat sie eine Politik, die Griechenland die dramatischste Rezession aller Zeiten bescherte & erzeugte ganz nebenbei noch die größten Verluste in der Geschichte des Währungsfonds.
Die “Rettung” Argentiniens, ihr letztes Vorzeigeprojekt, hat das Land in ein derartiges Chaos gestürzt, dass man die verliehenen Milliarden auch gleich abschreiben kann.
Ihre nächste Station ist also die EZB. Einer unabhängigen Institution könnte man eine etwas autonomere Persönlichkeit an die Spitze wünschen als Lagarde, deren devote Briefe an Sarkozy anlässlich einer staatsanwaltlichen Hausdurchsuchung publik wurden:

„Benutze mich so lange, wie es dir passt (…) Wenn du mich brauchst, benötige ich deine Führung und Unterstützung: ohne Führung wäre ich ineffizient.

Mit meiner immensen Bewunderung
Christine L.“

Bleibt abzuwarten, welche Spuren sie in den europäischen Volkswirtschaften hinterlassen wird…"

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In der Tat wurde die künftige EZB-Präsidentin vor einigen Jahren wegen eines milliardenschweren Finanzdelikts von einem französischen Gericht verurteilt. Im Jahr 2008 hatte Lagarde als Finanzministerin eine staatliche Entschädigungszahlung in Höhe von 403 Millionen Euro an den früheren Adidas-Besitzer Bernard Tapie vorschnell genehmigt. Ermittelt wurde gegen Lagarde wegen des Verdachts der Untreue. Verurteilt wurde sie 2016 wegen des fahrlässigen Umgangs mit öffentlichen Geldern. Aus Rücksicht auf ihre "Persönlichkeit" (in der Realität wohl eher aus Rücksicht auf ihr Amt als IWF-Chefin) erhielt Lagarde aber keine Strafe.

Ab November wird Lagarde also der Europäischen Zentralbank (EZB) vorstehen. Doch das Amt hat nicht nur Vorteile (wie zum Beispiel ein 396.900 Euro dickes Jahresgehalt, das kaum versteuert werden muss), sondern auch Schattenseiten. "Ich wünsche viel Spaß in Frankfurt am Main. Es geschieht ihr recht, dass sie dort leben muss", schreibt Martin Sonneborn abschließend.


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