• Brent Crude Öl - Kürzel: BCOEL - ISIN: XC0009677409
    Börse: Forex Capital Markets / Kursstand: 55,75200 $/bbl.

London/ New York/ Frankfurt (Godmode-Trader.de) - Die Ölpreise sind am Mittwoch auf 11-Monatshochs gestiegen. Rohöl aus den USA und aus der Nordsee stiegen zeitweise bis auf 53,79 US-Dollar beziehungsweise 56,64 Dollar. Damit lagen die Preise nur knapp unter den Höchstständen seit Februar 2020. Im Handelsverlauf und auch im heutigen Handel fielen die Notierungen wieder etwas vom Tageshoch zurück.

Im Zuge des gestiegenen Rohölpreises zogen in Deutschland auch die Tankstellenpreise im Januar an. Benzin und Diesel sind plötzlich wieder so teuer, als gäbe es keinen Kollaps des weltweiten Flugverkehrs, und keine Lockdowns und Reisebeschränkungen, die das öffentliche Leben in Deutschland, Europa und anderswo größtenteils stark einschränken. Erst heute berichtete das Statistische Bundesamt, dass in Deutschland die Mobilität in der ersten Januarwoche um knapp 20 Prozent im Vergleich zum Januar vergangenen Jahres sank. In der zweiten Woche fiel der Rückgang mit 14 Prozent nur etwas schwächer aus. Das in vielen Ländern niedrigere Mobilitätsniveau müsste die Nachfrage doch eigentlich sinken lassen, und damit auch die Preise.

Doch an der Zapfsäule reibt sich der Autofahrer derzeit die Augen und beobachtet stark nach oben springende Preise. Ein kleiner Teil des Anstiegs erklärt sich sicherlich durch die neue CO₂-Abgabe, die Anfang des Jahres in Kraft trat. So verteuerte sich Diesel vom 31. Dezember 2020 auf den 1. Januar 2021 im Durchschnitt um 4,9 Cent je Liter, wie die FAZ unter Bezug auf eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts RWI berichtete. Wenn man den Preis zwischen dem 28. Dezember 2020 und dem 6. Januar 2021 vergleiche, und Vorzieheffekte rund um Silvester damit ausklammere, komme man auf einen Anstieg von 8,2 Cent, hieß es weiter. Auch bei Benzin ergab sich die höchste durchschnittliche Preissteigerung vor und nach dem Jahreswechsel zwischen dem 28. Dezember 2020 und dem 6. Januar 2021 und betrug demnach im Mittel 8,4 Cent.

Zudem sind die derzeitigen Lock- und Shutdowns für die Wirtschaft nicht so folgenschwer wie die Maßnahmen der ersten Welle im vergangenen Frühjahr. In so gut wie allen Ländern wird die Industrie weitgehend von den Lockdowns ausgeklammert. In Teilen der Welt wie in Asien läuft die Mobilität ohnehin auf Hochtouren wie eh und je. Die globale Nachfrage nach Erdölprodukten ist laut der Internationalen Energieagentur zuletzt lediglich um drei Mio. Barrel pro Tag niedriger gewesen als in der Zeit vor dem Ausbruch des Virus.

Also lässt sich allein anhand der Nachfragelage die derzeitige Preisreaktion an den Rohölmärkten, die auch die Benzinpreise beeinflusst, nicht erklären. Hinzu tritt das verkürzte Angebot, vor allem wegen der freiwilligen Produktionskürzung durch Saudi-Arabien, die ihre volle Wirkung im Februar und März entfalten soll. Das geringere Angebot der Allianz OPEC+ führt dazu, dass trotz der schwachen Nachfrage mehr Öl verbraucht als aktuell produziert wird. Dies ist laut der Internationalen Energieagentur IEA übrigens bereits seit Monaten der Fall, deshalb entspannt sich auch die Situation der Lagerstätten, die zu Hochzeiten der Corona-Krise noch überzuquellen drohten.

Unterm Strich führt diese Gemengelage dazu, dass die Preise am Rohölmarkt oben bleiben, was freilich Auswirkungen auf Raffineriemargen und Endpreise an den Tankstellen hat. Ein Einbruch unter 50 Dollar/Barrel ist vor diesem Hintergrund in nächster Zeit demnach nicht zu erwarten.

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