ANZEIGE

    Wer im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet wohnt, der weiß, dass viele Deutsche in der Schweiz arbeiten und viele Schweizer zum Einkaufen nach Deutschland fahren. Warum das so ist, ist einfach zu verstehen: In der Schweiz sind sowohl die Löhne und Gehälter, aber auch die Preise deutlich höher als in Deutschland (und zwar auch nachdem man sie in eine gemeinsame Vergleichswährung, also entweder den Euro oder den Franken, umgerechnet hat). Ganz deutlich erkennt man das unterschiedliche Preisniveau, wenn man die Preise von alltäglichen Gütern betrachtet. Der Big Mac, ein bestimmter Burger der Fastfoodkette McDonald's, kostet in der Schweiz durchschnittlich 6,50 Franken, was umgerechnet 5,72 Euro entspricht. In der Eurozone kostet der Big Mac, der weltweit in vergleichbarer Qualität angeboten wird, im Schnitt aber nur 4,05 Euro. In der Schweiz ist der Hamburger also fast anderthalb Mal so teuer wie in der Eurozone. Aus dieser einfachen Überlegung lassen sich fundamentale Schlussfolgerungen für das Währungspaar EUR/CHF ziehen.

    Der Big-Mac-Index bildet die Kaufkraft einer Währung ab

    Nimmt man an, dass es sich mit den sonstigen Preisen in den Volkswirtschaften ähnlich verhält wie mit den Big-Mac-Preisen, dann ist die Konsequenz klar: Der Schweizer Franken ist im Vergleich zum Euro viel zu hoch bewertet und müsste eigentlich abwerten, damit in beiden Währungsräumen die gleiche Kaufkraft herrscht. Denn für die Schweizer wäre es vorteilhaft, ihre Big Macs nur noch im Euroraum zu kaufen, solange eine größere Preisdifferenz besteht. Dazu müssten sie aber ihre Franken in Euro tauschen, wodurch der Euro gegenüber dem Franken aufwerten bzw. der Franken gegenüber dem Euro abwerten müsste. Das sagt jedenfalls die sogenannte Kaufkraftparitätentheorie, die davon ausgeht, dass sich der Wert einer Währung gegenüber anderen Währungen daran bemessen sollte, wie viel man mit dem jeweiligen Geld kaufen kann.

    Der Big-Mac-Index, der seit vielen Jahren vom Wirtschaftsmagazin „The Economist" berechnet wird, vergleicht die Kaufkraft unterschiedlicher Währungen anhand der Big-Mac-Preise und zeigt so auf einfache Art und Weise den Zusammenhang zwischen Preisen und Wechselkursen.

    Um die Kaufkraft einer Währung genau zu bestimmen, muss man natürlich eigentlich einen umfangreichen Korb ganz unterschiedlicher Waren analysieren und keinesfalls nur eine Ware berücksichtigen, wie es der Big-Mac-Index tut. Außerdem sollte man bevorzugterweise Waren nehmen, die stark international gehandelt werden (Big Macs gehören nicht gerade dazu). Aber der Big-Mac-Index hat auch Vorteile: Denn der Index lässt sich einfach berechnen, weil der Big Mac weltweit angeboten wird und das auch noch in vergleichbarer Qualität, so dass sich die Preise leichter vergleichen lassen.

    Das sind die Kursziele für die wichtigsten Währungen

    Unter der Prämisse, dass ein Big Mac tatsächlich überall gleich viel kosten sollte, lassen sich Kursziele für die wichtigsten Währungen ableiten. Der „Economist" berechnet den Big-Mac-Index in zwei Varianten, der oben beschriebenen traditionellen Variante („Raw Index") und einer BIP-bereinigten Variante. Die Angaben in diesem Artikel beziehen sich ausschließlich auf den „Raw Index", da dieser die tatsächlichen Kaufkraftunterschiede abbildet. Die folgende Tabelle zeigt (in den Spalten 3 und 4), wo der Wechselkurs wichtiger Währungspaare aktuell steht und wo er nach dem Big-Mac-Index eigentlich stehen müsste. Die in der letzten Spalte angegebene Veränderung zeigt, wie stark das in der ersten Spalte genannte Währungspaar steigen oder fallen müsste, um den „fairen Wert" nach dem Big-Mac-Index zu erreichen.

    Währungspaar Währung aktueller Wechselkurs "fairer" Wechselkurs nach Big-Mac-Index implizierte Veränderung (bezogen auf Spalte 1)
    EUR/USD US-Dollar 1,13 1,38 +22 %
    EUR/CHF Schweizer Franken 1,14 1,60 +40 %
    EUR/GBP Britisches Pfund 0,85 0,79 -7 %
    EUR/DKK Dänische Krone 7,46 7,41 -1 %
    EUR/CAD Kanadischer Dollar 1,51 1,67 +11 %
    EUR/AUD Australischer Dollar 1,60 1,51 -6 %
    EUR/JPY Japanischer Yen 126,4 96,3 -24 %
    EUR/CNY Chinesischer Yuan 7,61 5,16 -32 %
    EUR/RUB Russischer Rubel 73,93 27,2 -63 %
    EUR/TRY Türkische Lira 6,20 2,65 -57 %

    In der Realität halten sich Währungen natürlich nicht zwangsläufig an die Kaufkraftparitätentheorie, wofür die Situation an der deutsch-schweizerischen Grenze das beste Beispiel ist. Eigentlich müsste der Euro so weit aufwerten, dass es sich für Schweizer nicht mehr lohnen würde, im benachbarten Ausland einzukaufen. Langfristig tendieren viele Währungen tatsächlich in die Richtung, die die Kaufkraftparitätentheorie vorgibt. Dennoch bleiben Preisunterschiede wie zwischen Deutschland und der Schweiz oft über Jahre oder gar Jahrzehnte bestehen, auch wenn sie mit der Zeit häufig schwächer werden. Wechselkurse werden letztlich durch viele unterschiedliche Faktoren, zum Beispiel das Wirtschaftswachstum eines Landes oder die Geldpolitik der Notenbank, beeinflusst. Besonders deutliche Über- oder Unterbewertungen, wie sie sich auch mit dem Big-Mac-Index bestimmen lassen, werden aber häufig tatsächlich mit der Zeit abgebaut.


    Sie interessieren sich für spannende Anlagethemen? Folgen Sie mir kostenlos auf der Investment- und Analyseplattform Guidants, um keinen Artikel zu verpassen!