Die aktuellsten Daten auf regionaler Ebene betreffen das Jahr 2017 und wurden Anfang 2019 veröffentlicht. Die folgende Tabelle zeigt die Regionen in der EU mit dem höchsten (linke Spalte) sowie dem niedrigsten (rechte Spalte) kaufkraftbereinigten BIP pro Kopf. Ein Wert von 100 entspricht dem Durchschnitt aller 28 EU-Mitgliedsstaaten.

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Die Region mit der höchsten Wirtschaftsleistung pro Kopf in der EU ist mit großem Abstand "Inner London - West". Das BIP pro Kopf ist dort mehr als sechs Mal so hoch wie im EU-Durchschnitt. Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen ist die City of London im Zentrum Londons einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt, zum anderen leben dort deutlich weniger Menschen als dort arbeiten. Dadurch fällt die Wirtschaftsleistung pro Kopf unnatürlich hoch aus.

Unter den zwanzig Regionen der EU mit der höchsten Wirtschaftsleistung sind auch fünf deutsche Regionen vertreten: Hamburg (Rang 4), Oberbayern (Rang 9), Stuttgart (Rang 15), Darmstadt (Rang 16) und Bremen (Rang 17).

Die folgende Grafik zeigt das durchschnittliche BIP pro Kopf auf Ebene der Nationalstaaten.

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Das kleine Luxemburg, das ebenfalls ein wichtiger Finanzplatz ist, führt die Rangliste der EU-Staaten an. Hier ist das BIP pro Kopf mehr als zweieinhalb Mal so hoch wie im EU-Durchschnitt. Wie Luxemburg profitiert auch Irland von seinem Ruf als innereuropäische Steueroase und landet auf Platz 2 der Staaten mit der höchsten Wirtschaftsleistung. Zahlreiche internationale Konzerne haben in Irland ihre Europa-Zentrale, weil sie mit der irischen Regierung geringe Steuersätze ausgehandelt haben.

Deutschland landet in der Rangliste auf Rang sechs. Schlusslicht ist Bulgarien: Hier ist die Wirtschaftsleistung pro Kopf nur halb so hoch wie im EU-Durchschnitt.

Der große Unterschied in der Wirtschaftsleistung ist auch ein Grund für die wirtschaftlichen Probleme vieler EU-Staaten in den vergangenen Jahren: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind extrem unterschiedlich. Trotzdem sind die EU-Staaten in einem gemeinsamen Binnenmarkt und viele von ihnen auch in einem gemeinsamen Währungsgebiet Mitglied.

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben einige der "ärmeren" EU-Staaten durchaus wirtschaftlich aufgeholt. Diese Annäherung an den Durchschnitt wird auch als "Konvergenz" bezeichnet. Dies betrifft vor allem die Länder in Osteuropa und im Baltikum, wo der Wohlstand teilweise deutlich zulegen konnte. Andere Länder wie etwa Portugal und Griechenland sind krisenbedingt allerdings auch zurückgefallen.