Peking (BoerseGo.de) - Die chinesische Wirtschaft verliert an Schwung. Asiens größte Volkswirtschaft hat im Sommerquartal des laufenden Jahres den langsamsten Anstieg des Wirtschaftswachstums seit fünf Jahren verzeichnet. Im dritten Quartal 2014 legte das Bruttoinlandsprodukt um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, wie das Nationale Statistikbüro in Peking mitteilte. Der Zuwachs liegt damit unter dem von der Staatsführung gesteckten Ziel von 7,5 Prozent für dieses Jahr. Im Vergleich zum zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft um 1,9 Prozent, was leicht unter der Zuwachsrate von 2,0 Prozent im zweiten Quartal des Jahres liegt. Ein an den Finanzmärkten befürchteter Wirtschaftseinbruch konnte aber vermieden werden.

Verantwortlich für die geringe Wachstumsdynamik im Berichtszeitraum waren neben der stockenden Auslandsnachfrage vor allem die Belastungen durch die Entwicklung am heimischen Immobilienmarkt. Mit Blick auf die inländische Nachfrage gab es aber freundliche Entwicklungen zu vermelden: Der Median der verfügbaren Einkommen konnte in den ersten drei Quartalen um starke 12,1 Prozent auf nominaler Basis zulegen.

Zudem konnte Peking beim Umbau des Wachstumsmodells Fortschritte erzielen. Den offiziellen Angaben zufolge trugen die finalen Konsumausgaben in den ersten drei Quartalen des laufenden Jahres zu 48,5 Prozent zum BIP-Wachstum bei, was eine Verbesserung um 2,7 Prozentpunkten bedeutet. Seit längerem schon ist es das erklärte Ziel der politischen Führung, die Exportlastigkeit des Wachstumsmodells einzudämmen.

Die heute zeitgleich veröffentlichten makroökonomischen Zahlen für September bestätigen ebenfalls die bröckelnde Dynamik im Reich der Mitte. Die Industrieproduktion für September konnte zwar um 8,0 Prozent im Vergleich zum September 2013 zulegen und damit die Erwartungen übertreffen. Der Trend ist aber eindeutig abwärts gerichtet. Die Investitionen der Unternehmen stiegen im Jahresvergleich lediglich um 16,1 Prozent und damit langsamer als im Vormonat mit 16,5 Prozent.

Die Einzelhandelsumsätze sind um 11,6 Prozent gegenüber Vorjahr gestiegen, nachdem die Zuwachsraten im ersten Halbjahr durchschnittlich noch 12,3 Prozent betragen hatten. Die glaubwürdigeren Daten aus der Realwirtschaft sprechen unter dem Strich dafür, dass die Schwäche der chinesischen Wirtschaft ausgeprägter ist, als dies die Wachstumszahlen suggerieren.

Die Regierung hat auf die Probleme im Immobiliensektor bereits reagiert und erstmals seit langem die Regulierung gelockert. So sind beispielsweise die Bedingungen entschärft worden, unter denen ein Kauf einer zweiten Immobilie gestattet ist. Zudem werden ab dem kommenden Jahr wohl verstärkt demografische Faktoren die Dynamik am Immobilienmarkt dämpfen; denn der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung wird ab 2015 fallen.

Chinas Staatsführung will eine grundlegende Umstrukturierung der Wirtschaft durchbringen und nimmt dafür auch geringere Wachstumsraten in Kauf. versuch demnach weiterhin den Spagat, einen Einbruch der Wirtschaftsaktivität zu vermeiden und gleichzeitig den Umbau des Wachstumsmodells voranzutreiben. Langfristig könnte sich Chinas Wachstum demnach auf einem deutlich niedrigeren Niveau einfinden. Das Analyseunternehmen „The Conference Board“ prognostiziert einen Einbruch von Chinas Konjunkturdaten in den kommenden zehn Jahren. Zwischen 2015 und 2019 werde der Zuwachs im Schnitt bei 5,5 Prozent liegen. Zwischen 2020 und 2025 werde sich die Wirtschaftsentwicklung weiter verlangsamen auf durchschnittlich 3,9 Prozent.