Wer mit Aktien handelt oder in diese investiert, weiß schon lange, dass bestimmte Eigenschaften der gehandelten Papiere häufig zu einer Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt führen. In den vergangenen Jahrzehnten hat auch die Finanzwissenschaft untersucht, welche Eigenschaften bei Aktien und anderen Finanzinstrumenten im Mittel zu einer höheren Rendite führen. Die entsprechenden Eigenschaften sind als Risiko- oder Renditefaktoren bekannt. Der Ansatz, auf Basis dieser quantitativen Analysen zu investieren, wird als "Factor Investing" bezeichnet.

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So ist zum Beispiel bekannt, dass Aktien, die sich in der Vergangenheit besonders gut entwickelt haben, häufig auch in Zukunft zu den Outperformern gehören (Stichwort: Momentum-Investing). Ebenso ist bekannt, dass Aktien, die im Verhältnis zu fundamentalen Eigenschaften wie Gewinnen, Cashflows oder dem Buchwert "günstig" bewertet sind, häufig eine bessere Performance zeigen als im Verhältnis zu ihrem fundamentalen Wert teure Aktien (Stichwort: Value-Investing).

Dass bei Aktien und auch bei anderen Finanzinstrumenten das Anlegen nach Renditefaktoren wie "Value" oder "Momentum" funktioniert, ist durch zahlreiche Studien gut untermauert. Entscheidend ist allerdings, dass derartige Strategien langfristig angewandt werden. Denn es gibt immer wieder Perioden, in denen Value- oder Momentum-Strategien auch eine Underperformance zeigen können.


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Diese Renditefaktoren führen zu Outperformance auf dem Kryptomarkt

Doch was ist mit den relativ neuen Kryptowährungen wie Bitcoin? Es handelt sich um ganz andere Finanzinstrumente als zum Beispiel Aktien, und doch eigenen sich auch Bitcoin & Co. als Spekulationsobjekt. Ein Wissenschaftler namens Stefan Hulbrich hat nun erstmals in einer Studie untersucht, ob sich die Strategien des "Factor Investing" auch auf den Markt für Kryptowährungen wie Bitcoin übertragen lassen.

Das Ergebnis: Wer nach fundamentalen Faktoren wie "Value" oder "Momentum" investiert, hat auch bei den Kryptocoins die Nase vorn. Allerdings müssen die Renditefaktoren bei Kryptowährungen teilweise etwas anders definiert werden als bei Anlageinstrumenten wie Aktien.

Der Wissenschaftler Stefan Hulbrich hat die folgenden drei Renditefaktoren bei Kryptowährungen definiert und getestet:

  • Momentum: Vom Aktienmarkt ist bekannt, dass Papiere die sich in den vergangenen Wochen bis Monaten besonders gut entwickelt haben, häufig auch in Zukunft zu den Outperformern gehören. Für die Kryptostudie wurde Momentum einfach als die Performance einer bestimmten Kryptowährung in der Woche zuvor definiert. Kryptowährungen, die sich in der vergangenen Woche besonders gut entwickelt haben, schneiden demnach auch in der kommenden Woche besonders gut ab.
  • Value: Value-Aktien sind Papiere die im Verhältnis zu fundamentalen Eigenschaften wie Gewinnen, Cashflows oder dem Buchwert "günstig" bewertet sind. Auf Kryptowährungen lässt sich dies nicht direkt übertragen, da diese keine produktiven Vermögenswerte mit berechenbaren fundamentalen Werten sind. Aber auch bei Kryptowährungen kann eine Art "Value"-Faktor definiert werden. Hulbrich benutzt als fundamentale Eigenschaft dabei das Dollar-Transaktionsvolumen, das in der vergangenen Woche über eine Kryptowährung abgewickelt wurde. Ist die Marktkapitalisierung gering im Verhältnis zum Transaktionsvolumen (bzw. ist das Transaktionsvolumen hoch im Verhältnis zur Marktkapitalisierung), zeichnet sich eine Kryptowährung durch "Value" aus.
  • Carry: Der Carry-Faktor wird sonst vor allem bei Währungen verwendet (Stichwort: Carry-Trade) und meint dort, dass Währungen mit einem hohen Zinsniveau sich häufig besser entwickeln als andere Währungen. Für die Kryptowährungen hat Hulbrich die Definition entsprechend abgeändert. Seiner Definition nach zeichnen sich Kryptowährungen durch "Carry" aus, bei denen durch die Emission neuer Coins im Rahmen des Minings eine möglichst geringe Verwässerung auftritt. Das Verhältnis aus neu emittierten Coins zu den bereits vorhandenen Coins ist bei Kryprowährungen mit „Carry“ also gering.

Die Analyse von Stefan Hulbrich zeigt nun, dass alle drei Renditefaktoren zu einer Outperformance auf dem Kryptomarkt führen, wobei der Momentum-Faktor am stärksten und robustesten funktioniert.

Kryptowährungen, die in den vergangenen sieben Tagen eine besonders hohe Performance hatten (Momentum), die sich durch eine hohes Transaktionsvolumen im Verhältnis zur Marktkapitalisierung auszeichnen (Value) und bei denen die Verwässerung durch die Ausgabe neuer Coins eher gering ist (Carry), entwickeln sich demnach besser als andere Kryptocoins.

Anleger, die in solche Währungen investieren, können dadurch eine Outperformance gegenüber dem gesamten Kryptomarkt erzielen. Die gesamte Studie von Stefan Hulbrich können Sie hier nachlesen.


Börsen-Talk: Lohnt sich jetzt noch der Einstieg bei Bitcoin & Co?

Zusammen mit Sascha Huber werde ich morgen Abend ab 18 Uhr in einem Börsen-Talk besprechen, wie Kryptowährungen überhaupt funktionieren und ob sich auch jetzt noch ein Einstieg lohnen könnte. Hier geht es zur Anmeldung.