Auch das noch: Nach dem Kursdesaster der vergangenen Monate, das viele potentielle Anleger vertrieben haben dürfte, kommen die Kryptowährungen jetzt völlig überraschend (?) aus einer ganz anderen Ecke unter Beschuss:

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    Forscher der RWTH Aachen und der Goethe-Universität in Frankfurt am Main haben insgesamt 1.600 rechtswidrige Dateien gefunden, die offenbar in die Bitcoin-Blockchain eingeschleust wurden. Das Ergebnis:

    „Bitcoins Blockchain enthält mindestens acht Dateien mit sexuellem Inhalt. Während fünf Dateien nur harmlosen pornografischen Inhalt zeigen, beschreiben oder verlinken, halten wir die restlichen drei Fälle für strafbar nach nahezu allen Rechtsprechungen: Zwei davon sind Link-Listen zu Kinderpornografie, enthalten sind 274 Links zu Webseiten, wovon 142 auf einen durch Tor geschützten Bereich verweisen. Der dritte Fall ist ein Bild, das eine nackte junge Frau zeigt.“

    Die Kryptospezialisten von btc-echo haben die fraglichen Daten untersucht und bestätigen, Zitat: "Es ist also ein Fakt, dass mehrere Links zu kinderpornographischen Seiten ins Dark Net existieren".

    Brancheninsider befürchten nun, dass der brisante Fund zur Kriminalisierung der gesamten Blockchain-Industrie führen könnte.

    Die Frage ist, wie die Inhalte dort hinein gekommen sind? Und vor allem: Warum?

    Dass die Kinderporno-Szene auf die Idee gekommen sein könnte, ihre strafbaren Inhalte über die Bitcoin-Blockchain zu verbreiten, kann man wohl ausschließen. Auch die Aachener Wissenschaftler halten dies für praktisch ausgeschlossen. Man müsse ein erfahrener Krypto-Experte sein, um an die entscheidenden Informationen heranzukommen (PDF hier).

    Das Problem: Die langfristige Bedeutung der Funde sind enorm, denn es ist unmöglich, Inhalte von der Blockchain zu löschen. Auf der Unveränderbarkeit der Blockchain ("Kassenbuch) basiert das gesamte Bitcoin-System. Dieses Sicherheitsfeature verhindert nachträgliche Manipulation von Handels-Daten oder Kontoständen.

    Es drängt sich daher folgender Verdacht auf:

    Dass die Kryptowährungen Regierungen und Zentralbanken ein Dorn im Auge sind, liegt auf der Hand und wird schon länger diskutiert. Der aktuelle Fund könnte nun eine Art Generalangriff interessierter Kreise sein, um private Kryptowährungen dauerhaft und sehr wirkungsvoll zu diskreditieren.

    Auf die Justiz sollten Anleger besser nicht hoffen. Zwar gibt es noch keine Richtersprüche explizit zum Bitcoin, aber Urteile aus Deutschland, den USA und Großbritannien legen nahe, "dass gesetzeswidrige Inhalte wie Kinderpornographie den Besitz der Blockchain illegal machen könnten".

    Verheerend ist in jedem Fall die Außenwirkung: Welcher Anleger möchte schon mit einer "Währung" in Verbindung gebracht werden, die im Verdacht steht, Kinderpornos zu beinhalten? Auch wenn es "nur" Fragmente solcher Funde sein sollten, irgendwas bleibt immer hängen.

    Unterm Strich ist die Entwicklung für die Kryptowährungen ein Desaster, von dem sie sich womöglich nie wieder erholen...

    Was können Anleger jetzt tun? Dazu meine ganz persönliche Meinung:

    Wer noch nicht in Kryptowährungen investiert ist, der sollte nach diesem Super-Gau die Finger davon lassen. Sollten sich die Kinderporno-Funde als Fake oder anderweitig haltlos erweisen, was nach heutigem Kenntnisstand äußerst unwahrscheinlich ist, dann bliebe zu einem späteren Zeitpunkt immer noch ausreichend Gelegenheit, in den Sektor einzusteigen. Bleiben die Vorwürfe jedoch im Raum stehen, haben die Kryptowährungen ihre beste Zeit hinter sich. Anlagen bleiben dann dauerhaft tabu.

    Wer schon länger dabei ist und auf Gewinnen sitzt, der sollte sehr ernsthaft darüber nachdenken, jetzt Teilverkäufe vorzunehmen oder ganz auszusteigen. Dass die Kurse der Kryptowährungen im Moment noch relativ stabil sind, muss ja nicht so bleiben. Wenn sich die Tragweite der Funde herumspricht, könnten sich die Abwärtstrend deutlich beschleunigen. Denkar wäre außerdem, dass im Moment nur die Spitze des Eisberges sichtbar ist. Sollten sich die Probleme dagegen in Wohlgefallen auflösen, spricht ja nichts gegen einen Wiedereinstieg...

    Prekär ist die Lage für Anleger die auf hohen Verlusten sitzen. Doch auch hier könnten zumindest Teilverkäufe vorgenommen werden, um den Schaden überschaubar zu halten.

    Ansonsten hilft in diesem Fall womöglich nur noch beten und ein guter Draht nach ganz oben...

    Bitcoin BTC/USD Tageschart


    Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.