Hannover (Godmode-Trader.de) - Am 10. März kam es zum Absturz des Ethiopian- Airlines-Flug 302 von Addis Abeba nach Nairobi, wobei alle 149 Passagiere und acht Besatzungsmitglieder ums Leben kamen. Das Unglück war bereits der zweite Absturz des relativ neuen Flugzeugmodells Boeing 737 MAX 8 innerhalb von weniger als fünf Monaten. Zuvor kam es am 29. Oktober 2018 zum Absturz des Lion-Air- Fluges 610 auf einem Inlandsflug in Indonesien, bei dem alle 189 Insassen ums Leben kamen. Ein erster Zwischenbericht hat hier Probleme mit dem automatischen Flugkontrollsystem MCAS, das den Anstellwinkel des Flugzeugs korrigiert, nahegelegt. Da sich beide Abstürze sehr ähneln, wird darüber spekuliert, dass auch das Ehiopian-Airlines-Unglück auf eine Fehlfunktion dieses Systems beruhen könnte.

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    Nach dem zweiten Unfall hatten zunächst einzelne Fluggesellschaften ihre Boeing 737 MAX-Flotte am Boden belassen. Inzwischen gilt aus Vorsichtsgründen ein Flugverbot für das Modell in vielen Teilen der Erde, so z.B. im kompletten europäischen Luftraum. Die US-Flugaufsichtsbehörde FAA sieht dagegen noch keinen Anlass zu einem solchen Schritt, hat aber bereits nach dem ersten Absturz verhängte Auflagen (Softwareupdate und Überarbeitung MCAS) bestätigt.

    Boeing bestätigte die bereits eingeleitete Entwicklung des Updates mit dem Ziel, „ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen“, sieht aber keinen Grund, das Flugzeug aus dem Verkehr zu ziehen. Durch die weitreichenden Flugverbote dürfte inzwischen gut die Hälfte der bereits im Einsatz stehenden Jets am Boden stehen. Viele Auslieferungen dürften sich zudem verzögern, da eine Überführung gar nicht stattfinden kann.

    Auch wenn die Unglücksursachen noch nicht abschließend geklärt sind, ist aus Sicht von NordLB-Analyst Wolfgang Donie die aktuelle Situation für das Image von Boeing ein Supergau. Auslieferungsverzögerungen dürften sich nun nicht vermeiden lassen. „Sollte Boeing eine (Mit-) Schuld nachgewiesen werden, werden zudem hohe Entschädigungs- und Schadenersatzforderungen auf das Unternehmen zukommen“, erwartet Donie (Die Airline Norwegian verlangt wegen des Flugstopps ihrer Typ 737 Max 8 von dem Flugzeugbauer bereits Schadenersatz).

    Die technische Problembehebung dürfte für Boeing relativ einfach durchführbar sein, so Donie weiter. Trotzdem müsse davon ausgegangen werden, dass die eine oder andere Airline ihre bestehende Order revidiere bzw. neue gar nicht erst tätige und zu Airbus wechsele. Auch Passagiere hätten derzeit ein Problem damit, in eine solche Maschine zu steigen.

    Mögliche Belastungen für Boeing sind für Analyst Donie im Moment nicht seriös abschätzbar. Er senkte daher seine Anlageempfehlung für die Boeing-Aktie auf „Verkaufen“.

    Der Broker AxiTrader fürchtet noch weitere Kursverluste für die Aktie, wenn nach der europäischen EASA auch die amerikanische Flugaufsicht Flugverbote für die Boeing 737 MAX 8 verhängen sollte.

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    Boeing Co.