Mit der Flut (dem Rebound) steigen zwar nicht alle Boote, aber viele. Einige Ausreißer gibt es. Boeing bietet sich da als Beispiel hervorragend an. Bis die Probleme bei den Flugzeugen gefunden und behoben sind, bleibt die Aktie eine heiße Kartoffel. Sie hat auch dafür gesorgt, dass der Dow Jones anderen Indizes hinterherhinkt.

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    Boeing Co.

    Eigentlich hat der Dow Jones in den letzten Monaten besser performt als viele andere Indizes. Jetzt ist das anders und die Divergenz fällt einigen Analysten negativ auf. Zuletzt gab es eine solche Divergenz zur Zeit der Finanzkrise. Die Gründe sind allerdings ganz andere. Heute ist der Grund einfach benannt: Boeing. Es gibt keinen Grund zur Sorge.

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    Dow Jones

    Sorge haben Anleger derzeit ohnehin nicht. Sie kaufen praktisch alles und zu jedem Preis. Das ist richtige Feierlaune, aber was gibt es eigentlich zu feiern? Der Welthandel ist es jedenfalls nicht. Dieser sendet weiterhin ganz klare Warnsignale (siehe Grafik).

    In fast allen Regionen ist das Wachstum im Vergleich zum Vorjahresmonat negativ oder steht kurz davor in den negativen Bereich abzurutschen. Einen so klaren Trend nach unten gab es seit 5 Jahren nicht mehr. Damals führte der Trend zu der berühmten Korrektur im Sommer 2015 (Yuan-Abwertung) und Jahreswechsel 2015/16 (Rohstoffcrash).

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    Der Markt hat auch diesmal korrigiert, allerdings war der Rebound extrem dynamisch. Der S&P 500 steht nur noch 4 % unter seinem Allzeithoch. Das passt überhaupt nicht zum Welthandel, der die globale Konjunktur gut abbildet.

    So langsam fällt auch das Argument Geldpolitik weg. Dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr wohl nicht oder erst zu Jahresende anhebt, dürfte inzwischen nun wirklich eingepreist sein. Auch der Handelsdeal mit China ist keine Neuigkeit mehr. Die US-Regierung hat die Erwartung inzwischen fast auf ein 100 %-iges Ja hinaufgeschraubt.

    Fundamental ist die Rallye nicht mehr untermauert. Der Markt steigt in zunehmende Konjunkturschwäche hinein. Das kann auf Dauer nur gutgehen, wenn sich die globale Konjunktur spätestens im zweiten Quartal wieder erholt. Anleger preisen gerade eine Fortsetzung des Aufschwungs ein, der noch einmal mindestens 18-24 Monate anhalten muss. Sonst wird dem Markt der Boden unter den Füßen weggezogen.

    Aktuell stört das niemanden. Ein Trend kann sich eine Zeit lang selbst tragen. Substanz braucht es nicht immer. Viele Anleger haben die Anfänge des Rebounds verpasst und warteten auf die Fortsetzung der Korrektur. Diese kam nicht. Mit der Zeit wird man immer nervöser, wenn man von fallenden Kursen ausgeht, der Markt aber immer weiter steigt.

    Nun gab es Ende vergangener Woche den ersten kleinen Rücksetzer. Viele haben sich überwunden und den Markt nun in Windeseile nach oben katapultiert. Keiner weiß mit Sicherheit, ob die Nachzügler nun alle gekauft haben. Ein paar Prozentpunkte kann es noch nach oben gehen. Und dann?

    Dann dürfte festgestellt werden, dass das Fundament doch fehlt. Fundamentaldaten holen den Markt früher oder später immer ein. Darauf zu warten, vor allem wenn man eine niedrige Investitionsquote hat, ist eine Tortur. Das durchzustehen lohnt sich aber. Persönlich bleibe ich bei meinem Fahrplan (Allzeithochs werden knapp erreicht, dann wieder Korrektur) und verkaufe weiter in die Rallye. Zu feiern gibt es nämlich nichts, auch wenn die Kurse etwas anderes sagen.

    Clemens Schmale

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