Gestern Trauerflor, heute Partystimmung: Nachdem die Börsianer noch vor wenigen Tagen den Weltuntergang gefürchtet hatten, ist die Stimmung jetzt schon wieder bombig. Der S&P 500 etwa hat seit dem Dezember-Tief rund 13,5 Prozent zugelegt.

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Statistisch gesehen würde das ganz grob gerechnet für die durchschnittliche Rendite von zwei vollen Börsenjahren reichen. Der DAX, nur zum Vergleich, liegt auch jetz wieder deutlich hinter seinen US-Pendants. Hier stehen im gleichen Zeitraum bislang „nur“ 8,9 Prozent Zugewinn zu Buche.

Die Gründe für die Flucht nach vorn sind vermutlich banaler, als man auf den ersten Blick vermuten würde: Die Anleger scheinen ein Ende der Zinsanhebungen in den USA vorwegzunehmen…

Die kurzfristige Entwicklung des S&P 500 zeigt die folgende Abbildung. Es fällt auf, dass wichtige Durchschnitte und Widerstandszonen zuletzt geradezu überrannt wurden. Achten Sie auf die waagrechte rote Linie in der folgenden Abbildung.

Wer davon ausgeht, dass der Spuk noch etwas weiter anhält, der könnte im Bereich von 2.600 Punkten ein Abstauberlimit platzieren, denn mit einiger Wahrscheinlichkeit wir diese Zone noch einmal getestet.

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Einer der Gründe für die plötzliche Feierlaune ist naheliegend: Nachdem Fed-Chef Jerome Powell kürzlich hatte durchblicken lassen, die Märkte im Bedarfsfall via Zinssenkungen erneut zu „retten“, nehmen ihn die Anleger jetzt beim Wort und preisen das Ende der Zinswende in den USA bereits ein.

Das kann klappen, ist aber nicht sehr wahrscheinlich. Denn aus Sicht der US-Notenbank besteht derzeit überhaupt kein Anlass, den seit gut zwei Jahren laufenden Zinsanhebungstrend zu stoppen.

Erstens sind die wirtschaftlichen Rahmendaten noch nicht so grottenschlecht, dass eine Umkehr des Zinstrends erforderlich wäre. Und zweitens sieht die Fed ja, dass bislang selbst zurückhaltende rhetorische Interventionen vollkommen genügen, um die Aktienmärkte wieder nach oben zu katapultieren.

Solange das so ist, wird die Fed die Zinsen daher erst einmal weiter anheben. Der Kater nach der aktuellen Börsenparty dürfte daher nicht lange auf sich warten lassen, denn je höher die Aktienmärkte jetzt nach oben gejubelt werden, desto wahrscheinlicher wird die nächste Zinsanhebung.

General Electric: Geht da noch was?

Ein Unternehmen, das von sinkenden Zinsen besonders profitieren würde, ist der Industriegigant General Electric (GE). Anhaltend freundliche Börsenstimmung vorausgesetzt, könnten die total zusammengefalteten Anteilscheine im Zuge eines „Short-Squeeze“ durchaus bis in die Gegend der wichtigen Widerstandszone bei 12 US-Dollar ansteigen. Das wäre ein technisches Erholungspotential von rund 35 Prozent. Dort wartet dann allerdings mit dem gleitenden 50-Wochen-Durchschnitt eine enorm schwere Hürde. Achten Sie auf die blaue Linie in der folgenden Grafik:

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Wer hier kurzfristig einsteigt, der sollte unbedingt die fundamentalen Risiken im Hinterkopf behalten: Aktuell wird die Aktie immer noch zum doppelten Buchwert gehandelt, das heißt, eine nochmalige Halbierung liegt durchaus im Bereich des Möglichen.

Zu erwähnen ist außerdem die enorme Verschuldung in Höhe von 115 Milliarden US-Dollar. Anhaltend steigende Zinsen oder diverse Herabstufungen der Bonität könnten das Traditions-Unternehmen in existenzielle Schwierigkeiten bringen.

Und wehe, die Fed kommt auf die Idee, die Zinsen womöglich noch stärker anzuheben als bis vor ein paar Wochen vermutet.

Dann könnten bei General Electric tatsächlich die Lichter ausgehen…

Der Kapitaleinsatz ist daher streng zu begrenzen. Ein Stopp-Loss im Bereich der jüngsten Tiefs knapp unterhalb von 6,66 US-Dollar ist obligatorisch.

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.