Die Bank of America befragt regelmäßig weltweit Fondsmanager nach ihren Aussichten für die Aktienmärkte und die Weltwirtschaft. An der jüngsten "Fund Manager Survey" nahmen insgesamt 331 Fondsmanager teil, die zusammen 986 Milliarden Dollar an Anlagegeldern verwalten.

Angesichts der Marktturbulenzen halten die Fondsmanager in ihren Portfolios inzwischen durchschnittlich 6,1 Prozent an Cash, nach 5,5 Prozent im April. Damit wurde im Mai der höchste Stand bei den Barbeständen seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 erreicht. In der Vergangenheit erreichten die Cashbestände oft dann frische Hochs, wenn sich Krisen ihrem Höhepunkt näherten, so wurden Hochs bei den Cashbeständen zwischen fünf und sechs Prozent etwa im Dezember 2008 (Finanzkrise), Juni 2012 (Eurokrise), Oktober 2016 (China-Turbulenzen) und April 2020 (Corona-Crash) erreicht.

Insgesamt seien die Fondsmanager derzeit zwar "extrem bärisch", wie Bank-of-America-Analyst Michael Hartnett in der Studie zu den Umfrageergebnissen schreibt, der Punkt der "vollständigen Kapitulation" sei aber noch nicht erreicht. "Aktien (sind) anfällig für eine bevorstehende Bärenrally, aber ultimative Tiefststände (sind) noch nicht erreicht", so Hartnett.

Dass der Punkt der "vollständigen Kapitulation" wohl noch nicht erreicht ist, hat auch damit zu tun, dass die Fondsmanager im Schnitt weitere kräftige Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed erwarten. In der Vergangenheit wurde der Höhepunkt im Pessimismus oft dann erreicht, wenn bereits wieder erste Zinssenkungen durch die Zentralbank erwartet wurden.

Bei Aktien sind die Fondsmanager nun 13 Prozent untergewichtet und damit so stark wie seit Mai 2020 nicht mehr, nach einer Übergewichtung von 6 Prozent im April 2020. Die als besonders defensiv geltenden Branchen Versorger, Basiskonsumgüter und Gesundheit sind dabei mit zusammen 43 Prozent stark übergewichtet.

Besonders pessimistisch sind die weltweiten Fondsmanager für Technologieaktien. Praktisch seit der Finanzkrise waren die Fondsmanager in Technologieaktien stark übergewichtet, lange Zeit zwischen ca. 20 Prozent und 40 Prozent. Inzwischen sind die Fondsmanager mit 12 Prozent untergewichtet und damit so bärisch für Technologiewerte wie seit August 2006 nicht mehr.

Insgesamt sind die Fondsmanager laut Umfrage stark übergewichtet bei Cash, Rohstoffen, Versorgern, Basiskonsumgütern und stark untergewichtet bei Technologieaktien, Aktien insgesamt, Europa und Schwellenländern.

Die US-Notenbank Fed dürfte dem Markt nach Einschätzung der Fondsmanager noch einige Sorgenfalten bereiten. So erwarten die Fondsmanager nun im Schnitt 7,9 Zinserhöhungen um 25 Basispunkte, was einer Zinserhöhung um knapp zwei Prozentpunkte entspricht. Im April waren 7,4 Zinsschritte erwartet worden.

Den sogenannten Fed-Put, bei dem die Notenbank einen weiteren Kursrutsch indirekt aufhalten dürfte, sehen die Fondsmanager im Schnitt nun bei 3.529 Punkten im S&P, nach 3.637 Punkten einen Monat zuvor.

Als den "most crowded trade" (sinngemäß die "am stärksten gehypte Wette") betrachten die Fondsmanager weiter Long-Positionen bei Öl und anderen Rohstoffen (28 Prozent), gefolgt von Short-Positionen auf US-Staatsanleihen (25 Prozent). Deutlich seltener wurden Long-Positionen bei Technologieaktien (14 Prozent) und Long-Positionne bei Bitcoin (8 Prozent) genannt.

Die größten Risiken für den Markt sind nach Einschätzung der Fondsmanager derzeit hawkische (also ihre Geldpolitik stark straffende Zentralbanken), gefolgt von einer weltweiten Rezession, der Inflation sowie dem Russland-Ukraine-Konflikt.


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